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haben damals Fürsten und die Kirche die Menschheit drangsaliert, aber sie haben noch „Kultur" bewiesen, was uns heute noch zur Bewunderung anregt. Ob sich das zwanzigste Jahrhundert einmal damit auszeichnen kann? Ich bezweifle es. Denn Stacheldraht und Mauern haben keinen historischen Wert. Allerdings ist die Technik ausgenommen. Vielleicht gelingt es ihr einen anderen Stern ausfindig zu machen, zu dem man freiwillig auswandern kann. Ob sich dort aber eine Ideallösung finden würde, die den Frieden des Menschen dienlich wäre?
Nun liegt bei der UNO die Gedenkschrift über uns Deutsche aus dem Sudetengebiet vor. Da wir aber ein friedliches Völkchen sind, dürften es die Vertreter der Länder in diesem Gremium nicht sehr eilig haben, wenn überhaupt sie dieser Sache ihre Aufmerksamkeit schenken. Was bedeutet schon die Austreibung von 3 Millionen Deutschen aus ihrem Siedlungsraum, gegen die radikalen Palästinenser, die zwar ein Gebiet bewohnten aber eine eigenständige Kulturleistung nicht vorweisen können. Oder weiß jemand, daß es dort Erfindungen, Entdeckungen oder große Denker und Dichter gegeben hat? Ich ließ mir sagen, es gäbe dort sehr viele Märchenerzähler auf den Plätzen und Straßen, aber viele „Terroristen", was man ja erleben konnte. Mit Leuten der Gewalt verhandelt die gesamte Weltpolitik, mit Gewaltlosen jedoch braucht man nicht zu verhandeln. Ob es heute einem Ghandi gelingen würde mit Hungerstreik allein seinem Volke die Freiheit zu erringen? Aber wo ist die Freiheit des indischen Volkes heute? Was hat sich dort gebessert. Doch bleiben wir in unserer Nähe. Sind wir dankbar, wenn der Friede noch recht lange erhalten bleibt, wir die Früchte unseres Wirkens noch etwas genießen können, uns älteren die Renten gesichert bleiben, den jungen Leuten der Urlaub in ferne Länder möglich ist und sie von Arbeitslosigkeit verschont werden. Die Wirtschafts- und Weltlage ist zur Zeit gespannt. Hoffen wir, daß diese düstere Wolke sich bald über unserem Volke auflöst und wir wieder zuversichtlicher sein können.
Am 22. Januar 1976 gab es in der Abendschau eine Fernsehdiskussion über die Eingabe der Vertreibungen. Teilnehmer waren Minister.-Dir. Klotz von der SPD, Abgeordn. Schmid von der F.D.P., und die Bundestagsabgeordneten Dr. Walter Becher und Czaja, beide CSU und CDU. Alle sind sie Flüchtlinge. Klotz ist Egerländer, Schmid stammt aus der Ostzone-Sachsen — nehme ich an. Zwischen Czaja und Becher hatten die anderen Kontrahenten ganz erhebliche Meinungsunterschiede über das Flüchtlingsdasein. Während Becher und Czaja für das Recht auf Heimat plädierten, meinte Klotz, er brauche diese Heimat nicht mehr, deshalb sei auch die Schrift der Vertriebenen an die UNO unnötig und belaste nur die Ost-West-Beziehungen. So kann man es natürlich auch sehen. Auf die Frage: „Ob das auch die Bundesregierung so sehe", wich Klotz aus. Auf den Vorhalt, daß diese Resolution von 4 Ministerpräsidenten in der Bundesrepublik unterzeichnet und für gut befunden wurde und 2 Bundeskanzler sie befürwortet haben, wußte Klotz nichts zu sagen. F.D.P.-Schmid zeigte nur auf, wieviel Gutes die Bundesrepublik den Flüchtlingen erwiesen habe. 90 Milliarden seien bereits für die Flüchtlinge aufgebracht worden.
Nun, von diesen 90 Milliarden hat der Staat inzwischen einen ganz schönen Patzen eingestrichen. In 30 Jahren hat der Fleiß der Vertriebenen erheblich zum Aufbau dieses Deutschlands beigetragen. Wir haben die Hungerjahre noch nicht vergessen, von 1946 bis in die ersten fünfziger Jahre. Noch immer gab es die Lebensmittel rationiert und der Verdienst reichte nur zur Deckung des primitivsten Lebens. Von den Wohnverhältnissen gar nicht zu reden. Wer aber damals Lebensmittelkarten haben wollte, mußte eine Tätigkeit nachweisen. Also waren es vor allem die Vertriebenen, die jede Tätigkeit annehmen mußten, wollten sie nicht zugrunde gehen. Damit begann aber auch der Wiederaufbau der Bundesrepublik. Wieviele von uns sind damals mit den kaum zu entbehrenden Habseligkeiten in die Dörfer gepilgert, um etwas Eßbares einzutauschen. Die Landbesitzenden haben damals keine Not
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