Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 143
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„U nás doma": aneb „Dráha Kaiserwaldem"

„Bei uns daheim": oder: „Die Bahn durch den Kaiserwald"

Anläßlich des 75jährigen Bestehens und der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Schlaggenwald — Elbogen — Neusattl in den Jahren 1899 — 1901.

1. Bei uns daheim im Kaiserwald,
da fährt ein kleines Zügle,
sein Weg führt über Höhn und Tal
durch buntbeblumte Wiesen.
Es fährt durch Wälder hier und dort,
über Bäche über Flüsse,
streift manches Städtchen, manchen Ort
um freundlich sie zu grüßen.

2. Und steht ihm oft ein Berg im Weg,
dann ist's noch längst nicht aus,
dann fährt's auf einer Seite rein —
auf der andern wieder raus.
Es ist kein Talgrund ihm zu tief,
kein Fluß ihm je zu breit,
da fährt's eb'n übers Viaduct,
kommt so auf d' andere Seit.

3. Ja, wie bequem man darin fährt,
das müssens mal probieren,
die Bankerln, die sind frisch lackiert
und ebenso die Türen,
's ist alles modern eingericht,
's fehlt nicht das kleinste Dingerl
und wenn man so im Zügle fährt,
so ist's als hätt' man Schwingen.

4. Vor allem ist's die Sicherheit,
die mir so imponiert,
da gibt's kein' scharfe Kurve, nie!
die ein leicht konsterniert
und auch kein Eck, kein Straßenstein,
der ein'm im Wege steht,
an den man meistens dranifährt,
daß Hör'n und Sehn vergehn.

5. Ja, das ist unsre Eisenbahn
im schönen Kaiserwald,
und setz ich mich in diese rein,
komm ich in d' ganze Welt.
Ob Rom, ob Hamburg, Amsterdam,
steig lustig aus und ein
und sehnt's mich nach dem Kaiserwald,
dann fahr' ich wieder heim.

6. Ich brauch kein Auto, Aeroplan,
auch Raketen brauch ich nicht,
ich fahr mit unserm Zügelein,
weil 's so am schönsten ist.
Die Luft hat keine Balken nicht?
mit dem Auto ist's schnell g'schehn,
und wenn ich schon durch die Gegend fahr,
will ich auch etwas sehn.

7. Wenn ich oft so im Zügle sitz
bei größter Sonnenhitz
und manchen auf der Straß'n seh,
der sich abrennt, keucht und schwitzt,
denk ich: na so ein Hirschennest,
reuen den nicht seine Bein',
warum denn gehn wenn's Zügle fährt,
na, dös muß doch net sein.

8. Und wenn sie auch kein D-Zug ist,
unsere kleine Eisenbahn,
so fahr ich ganz nach Herzenslust,
wenn ich nur fahren kann.
Und wenn mir's jemand neiden sollt,
den lad ich herzlichst ein,
geteilte Freud ist doppelt Freud,
dann fahr'n wir halt zu zwei'n.

9. Und wenn einmal zu Ende geht
der schöne Lebenslauf,
so seid so gut, wenn's halbwegs geht,
setzt mich auf's Zügle drauf.
Fahr ich nochmals durch den Kaiserwald,
will ihn noch einmal sehn,
dann bin ich wunschlos, glaubt es mir,
dann will ich gerne gehn.

H. H., Frankfurt/Main

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