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obr] Der Hueflhuaf in Leßnitz
Wir stürzten uns über die alte Frau und küßten sie und zerrten an ihr voller Glück und Seligkeit. Als wir uns dann endlich beruhigt hatten, ließen wir uns auf den herrlichen Fußboden nieder, der auf blanken Dielen dick mit Stroh und darüber mit „Bandeldecken" bedeckt war. Ach, wie war es in diesem kleinen Reich so wohlig warm und voller Geborgenheit! Im Herrgottswinkel leuchtete rot das „Ewige Licht" und flackerte über den Gekreuzigten. Aber wir waren dem Irdischen so kindlich nah und sahen immer wieder zur Großmutter, naschten von ihrem frischen „Striezel" die Rosinen und fischten uns die „Zwatschich" aus dem süßen Saft, der wunderbar nach Nelken und Zimt schmeckte. Großmutter erzählte und fragte und wir taten furchtbar wichtig.
Dann wurde es langsam finster und still. Wir fühlten, daß nun etwas ganz Besonderes kommen würde und drängten die alte Frau mit unserer Ungeduld. Nun war es endlich soweit, daß sie uns mit einem „Zistel" um die Hausecke nach Holz schickte. Ganz schnell erledigten wir diesen Auftrag und schlichen dann die Treppe hoch. Aus dem Stübchen hörten wir Getrappel, Rascheln und auch Poltern. Wir ließen uns Zeit und lauschten am Schlüsselloch, bis das Großmutterl die Kerzen auf dem Christbaum anzündete. Jetzt schlichen wir die Treppe wieder runter, um lärmend und lachend die gute, alte Frau zu warnen, daß wir nun kommen würden.
Da stürzte sie uns schon entgegen und rief: „Des Christkindl is kumma!"
Der schönste Baum, den man sich wünschen konnte, stand da. Er war ein Wunder mit roten Nikolausäpfeln, Goldnüssen, Lebkuchenherzen, Zimtsternen, Zuckerstückerln sowie Glaskugeln in allen Farben, Fantasievögelchen, Lametta, Girlanden, Engelhaar und leuchtenden Kerzen. Unter dem Baum lagen die Strümpfe, Mützen, Schals und Fäustlinge, die die fleißige Großmutter gestrickt hatte. Dann holten wir unsere selbstgebastelten Engel, Sterne, das Christkindl und die Maria hervor und legten sie für die Großmutter unter den Weihnachtsbaum. Sie lachte und weinte und streichelte uns weich über die Wange. Dann betete sie mit uns vor dem Herrgottswinkel.
Nachher aßen wir von den vielen Köstlichkeiten und betrachteten immer wieder den wunderbaren Baum. Wir wünschten uns, daß dieser Hl. Abend nie enden möge. Aber dann sind wir doch irgendwann müde geworden, so daß uns die gütige Großmutter noch ins Bett brachte.
Mit diesem Bild zwischen Wirklichkeit und Schlaf schließt die Erinnerung an einen Weihnachtsabend bei meiner Großmutter in Gfell. Weihnachten 1975.
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