Im Schaukelstuhl
Vorweihnachtliche Betrachtung von und mit Anna Neidhart
In einer alten Egerländer Zeitschrift fand ich einmal nachfolgendes lustiges Gedicht:
Mir hab'm daham an Schauklstöhl, der stöiht am hintern Buad'n;
der stöiht schu seit'n Kröi'ch dou uab'n und is nöi ang'schaut wuorn.
Dirn hab'n amal die Hamsterer bracht. Was will ma mit dirn Scherb'n?
Da hat man halt am Buad'n naufg'stellt. Der wird schu kröig'n sein Herrn.
Der Vota haout am Buad'n zatou und sieaht dirn Stöll dau stöih.
Er spekaliert a ganza Waal . . . und denkt dös könnt doch göih . . .
Wenn ich mir dirn mit öihi nahm, was kann da weiter sein,
man kann sitzen drauf und schaukeln schöi — darum steht er allein.
So wie er denkt hat — hat ers g'macht und packt gleich an dös Trumm
und zaarz's mit G'walt öi van Buad'n und stellt ihn mitten in die Stub'n.
Da machen alle groußa Aug'n, als wenn's was giftig's wa . . .
Da Vota sagt: „Dirt's werd's schu seh'r — dou find ich mich scho drein."
Er lacht a weng und draht sich ümm — und bröiht sich a schu ei'n.
Schaukelt a weng hin und schaukelt a weng her — wird immer kecker fei(n).
Auf einmal hat ers wie verseh'r und flöigt, es ist za dumm,
mit z'ammt'n Stöll nach hinten üm und stangenlang in die Stub'n.
Da Vota steht ganz ruhig auf, als wa nan nix passiert.
Setzt sich ein zweitsmal drauf. Einmal wird's noch probiert . . .
Er schaukelt wieder fest drauf lou's und hat bei all'n noch Glück.
Denn diesesmal hat's ihn vorn naus'g'haut, sonst hätt's ihm kost sein Gnick.
„Na", sagt er, was zuviel ist, ist zuviel . . .", — der Vota ist sonst gout —
nur der verflixta Schaukelstöll, der hat ihn bracht in d' Wout.
A Hackl ist glei bei der Händ', er fackelt dou niat lang,
und haut dös alte Krippeng'stell af kurza klana Stückla z'amm . . .
*
Nun ist der ehemalige Schaukelstuhl wieder in unsere Wohnungen eingezogen und hat sich erheblich gemausert. Er steht nicht nur in den Wohnzimmern weich gepolstert als Fernsehsessel, sondern auch in klobiger Form in rustikalen Bauernstuben der Neubauten. Ganz besonders in dieser Jahreszeit lieben wir es, darin zu sitzen und zu träumen, wenn am frühen Nachmittag die Dämmerung hereinbricht.
Für die ältere Generation werden diese Abende recht lang, bevor nicht das Fernsehen eingeschaltet wird. Die Oma's und Opa's haben viel Zeit zum Sinnieren. Bald bricht die Hektik der Vorweihnachtszeit herein — wie alle Jahre wieder . . .
Für die Schenkfreudigen eine liebe Not. — Was und Wie soll man schenken, um damit Freude zu machen? Weiß man doch manchmal selber nicht, was man mit den „neumodischen Zeich' " anfangen soll!
Die kleinen Knirpse stehen nun auf Astronauten Look, dabei würde ein pelzgefüttertes Mäntelchen viel praktischer und wärmer sein.
Die jungen Damen lieben modische Kleidung und wollen „i n" sein! Um den Hals tragen sie sechs und sieben Ketten übereinander oder ellenlange Schaal's, so als häten sie das ganze Jahr unter Halsschmerzen zu leiden.
Dem Schwiegersohn so „Mirnichts — Dirnichts" eine halbmeter breite Krawatte zu schenken, ist erst recht ein Risiko. Wer kennt schon welche Schockfarben und zu welchem Anzug passend.
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