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man sie früher im Erzgebirge gekannt hatte. Unten gemauert und oben aus Holz, davon stehen schon viele. Auch den Friedhof haben wir besucht. Die Kindergräber werden alle aufgelassen. Die Kirche wird renoviert. Sogar am Sonntagabend, in der 8. Stunde, haben die Zimmerleute den Dachstuhl ausgebessert. Der Verputz an der Kirchenmauer ist vollkommen entfernt und wird neu erstellt. Angeblich wird diese Arbeit durch den Vatikan finanziert.
Am ehemaligen Hotel „Roter Ochsen" sind die Fenster entfernt. Was dort geschehen soll, haben wir nicht erfahren. Vielleicht soll diese Seite abgerissen werden, um die Straße zu verbreitern. Nun ging es wieder in meinen Geburtsort Gfell. Wir versuchten den zu unserem einstigen Anwesen führenden oberen Gartenweg zu begehen. Als wir diesen verwuchernden mit mannshohen Brennesseln und anderem Gestrüpp verwachsenen Weg begingen, kamen wir an zwei größere Bienenhäuser, die jetzt auf der ehemaligen unteren Kirlas-Peint aufgestellt sind. Auf diesem Weg begegneten wir keinem Menschen. Unweit davon war unsere Peint gewesen. Dort stehen noch einige Obstbäume, aber getragen haben sie nicht. An der Grenze des Simonschen Anwesens befindet sich eine schön gewachsene Linde, auf der ein Hochsitz errichtet ist. Ein Zeichen dafür, daß sich dort Wild aufhalten muß. Die Felder rings um das ehemalige Dorf waren bestellt; es stand ein ganz ansehnlicher Getreidewuchs darauf. Man konnte die gute Düngung feststellen. Alle Hänge sind mit Anflug bewachsen. Auf den einstigen Hutweiden des Tala steht heute ein kräftiger Waldbestand. Die Kohlmühle ist verschwunden. Nicht einmal ein Weg zeigt, daß dort einst ein stattliches Anwesen stand. Auf unserer Wiese oberhalb des Wächterhäusels steht ein Wochenendhaus. Der Besitzer hatte uns auch dieses Mal wieder zu sich eingeladen. Ihm gehörte auch die Jagd vom Gfeller Gewann. In Gfell selbst ist das ehemalige Kriegerdenkmal dem Verfall preisgegeben. Die Namen der Gefallenen Gfeller des ersten Weltkrieges konnte man noch lesen. Nur die Hoschek-Villa und das Bahnwächterhäuschen sind die einzigen Gebäude, die an Gfell erinnern. Wir setzten uns auf Hiafls-Acker und schauten zum gewesenen Dorf hinüber. Ich ließ meine Kindheit, die ich in dem Ort erlebte, nochmals an mir vorüberziehen. Es war damals ein karges Leben auf diesem Heimatboden und trotzdem lebten wir dort alle gern. Meine beiden Mädchen hörten interessiert zu, als ich ihnen von diesem Fleckchen Erde und meine früheren Erlebnisse erzählte. Ihre ganze Erziehung habe ich auf die alte Heimat abgestellt und ihnen viel Brauchtum vermittelt. Sie sind heute begeisterte Tänzerinnen bei der Egerländer Sing- und Volkstanzgruppe in Ingolstadt.
Den letzten Tag verbrachten wir in Prag. Auch dort wurden wir herzlich aufgenommen. Da in dieser Zeit ein Jugendtreffen aus allen sozialistischen Ländern stattgefunden hat, war auch die Stadt festlich geschmückt. So waren auch die Schaufenster der Geschäfte mit Waren aller Art ausgestattet. Allerdings waren Lebensmittel knapp. Aber Olmützer Kaserln gab es und die ließen wir uns schmecken. Unsere Verwandten zeigten uns die Stadt. Noch immer marschieren beim 12. Stundenschlag die 12 Apostel um die Altstädter Turmuhr wie einst. Im „Deutschen Haus" wurde Mittagsrast gehalten. Das Essen war reichlich, billig und sehr schmackhaft. Damit war unser Aufenthalt beendet und über Petschau, wo wir uns von unseren Verwandten verabschiedeten, ging es zurück in unsere jetzige Heimat. —
Alle Gfeller, die noch nie auf einem Treffen waren, sollten sich einmal aufraffen und sich sehen lassen. Es ist immer ein freudiges Wiedersehen mit den ehemaligen Dorfbewohnern.
Ich möchte hiermit alle grüßen
Euere
Elsa Zenkler, jetzt Germersheim.
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