Schlaggenwald eine der ältesten Bergstädte Westböhmens, liegt 584 m über dem Meer, in den östlichen Ausläufern des Kaiserwaldes, ungefähr 11 km südwestlich von Karlsbad. Wandert man egeraufwärts bis zur Burgfeste Elbogen, so gelangt man von dort nach ungefähr eineinhalbstündiger Wanderung durch das an Naturschönheiten überaus reiche Zechtal nach Schlaggenwald.
Schlaggenwald ist zufolge seiner gesunden Lage, als auch seiner reinen Bergluft wegen, für den Sommerfrischler bestens zu empfehlen. Es ist und war ein Städtchen, das ferne vom Weltengetriebe, vom Industrierauch und vom Autolärm, seine damalige Gegenwart in seiner von Natur aus herrlichen Lage verträumt hat; ein Städtchen, das jedem Fremden den richtigen Genuß seiner ruhigen Sommerfrische bot. Die weit ausgedehnten Waldungen mit ihren wunderbaren Fichten und Kiefernbeständen, die saftigen grünen Wiesen und die zahlreichen größeren Teiche in der Umgebung, verbargen besondere Reize und unvergänglichen Eindruck. Auch die markantesten Bauten aus der Zeit des Bergbaues verbargen den damaligen Reichtum und die Wohlhabenheit unserer damaligen Stadt.
Die Stadt selbst ist in das Tal des sogenannten Flutbaches eingebettet und zählte zu unserer Zeit cirka 3500 Einwohner. Besondere Sehenswürdigkeiten sind das Rathaus. Die Erbauung dieses Gebäudes geht zurück bis auf das Jahr 1521, in seiner heutigen Form, stammt es aus dem Jahre 1583. Eine Gedenktafel an der Straßenseite des Gebäudes besagte, das Goethe im Jahre 1811 und 1818 hier abgestiegen war. Im Rathaus befand sich das städtische Museum mit ziemlich reichen Sammlungen aus der Vergangenheit der Stadt. Dasselbe wurde später in der Nähe der Knabenbürgerschule gut untergebracht. Die St. Georgskirche als Dekanalkirche besaß besonders schön gemalte Glasfenster, und wunderbar geschnitzte Kreuzwegbilder aus dem Grödnertal in Tirol. Besonders erstrahlte in der Weihnachtszeit die einmalige in lebensgroßen Figuren erstellte Krippe. Die Erbauung der Kirche fällt um das Jahr 1400. In der jetzigen Form (zum Teil baufällig) stammt sie aus dem Jahre 1520. Von der Galerie des Kirchturmes hatte man einen herrlichen Rundblick über die Stadt und deren nächste Umgebung. Der alte Türmer Gaßner, mußte von oben aus, bei Gefahr Meldung machen, besonders wenn es in der Umgebung brannte. Erwähnenswert waren die Pflughäuser aus dem Jahre 1510 und das Niedermannshaus aus dem Jahre 1536. Im Stadtgebiete waren einige Statuen wie der hlg. Florian – der Welterlöser am Markt – die Dreifaltigkeitssäule – Standbild von Johann von Nepomuk und einige größere und kleine Kapellen in der Umgebung. Schlaggenwald besaß 2 Volksschulen und 2 Bürgerschulen für Mädchen und Knaben – eine gewerbliche Fortbildungsschule, Post und Telegrafenamt – Gendarmeriestation – städt. Sparkasse usw. Leider steht vom alten Schlaggenwald nicht mehr viel und in den noch verbliebenen Häusern hausen Zigeuner, Slowaken und verschiedene andere Rassen. Im 1600. Jahrhundert ließ die Ausbeute der Erzgruben langsam nach und die alten Bergleute verzogen sich in das Erzgebirge, wo noch genügend Schürfgelegenheit war. Mit diesem Rückgang des Erzbaues kam für Schlaggenwald eine schwere Zeit, da auch die verschiedenen Bergrechte von den Machthabern abgelöst wurden. Religionsstreitigkeiten und Kriegswirren schädigten seinerzeit die Stadt sehr. Als Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, der Landesherr der Oberpfalz, für kurze Zeit König von Böhmen wurde, huldigten ihm auch die Schlaggenwalder Bewohner. Dafür wurden sie nachher vom Kaiser schwer bestraft. Der 1623 nach Schlaggenwald entsandte kaiserliche Kommissar stellte die Einwohner einzeln vor Gericht, entzog der Stadt die meisten Sonderrechte. In einer der nächsten Folgen, will ich versuchen, von dem Übergang der Erzzeit zur Porzellanzeit im Jahre 1792 überzugehen.
Wilh. Neidhart, Auerbach/Opf.
(Teilweise entnommen aus Unterlagen von Herrn Rud. Hanischdörfer sen., Elbogen.)
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