So wollen wir also diesesmal im Heimatbrief das Festessen zum hl. Abend zusammenstellen:
Man legt einige Tage vorher ein gutabgehangenes Stück Rindfleisch in einen Essigsud, dem allerlei Grünzeug und Gewürze beigegeben wurde. Zeitig am hl. Abend wird das Fleisch zugesetzt und gut weich gekocht. Welch' guter Geruch verbreitet sich da schon in der ganzen Wohnung. Die Soße bereitet man, indem man Soßenlebkuchen (Pfefferkuchen) einweicht. Das ergibt die sämige Soße mit Sirup abgeschmeckt und die so fertiggekochte Soße durchpassiert, dann werden Rosinen und gehackte Mandeln hineingegeben. Dazu gibt es Kartoffelknödel (rohe) oder unsere guten böhmischen Mehlknödel.
Beim Karpfen bereitet man dieselbe Soße — die bekannte „Fischbröih". Meine Großmutter — eine ausgezeichnete Köchin — verfeinerte diese Fischsoße mit einem Schuß dunklen Bieres.
Auch „Karpfen blau" ist sehr gefragt und etwas für Feinschmecker. Suppen waren verschieden. Wer Fisch liebte, dem schmeckte die ausgezeichnete Fischsuppe. Sonst war die übliche Erbsensuppe obligat, mit gerösteten Semmelbröcklein darin.
Einen Tag vorher wurde als Nachspeise der Apfelstrudel gebacken und für Kompott getrocknete Zwetschken und Birnen gekocht. Feine Salate zum Backfisch wurden auch vorbereitet.
Man soll bekanntlich am hl. Abend „Neunerlei" essen. Es läppert sich schon zusammen, wenn man auch noch die Äpfel und Nüsse dazu rechnet, die man knabbert.
Vor der Christmette noch ein Stück Stollen mit Butter und Honig, auch das schmeckt herrlich. Als Magenwärmer ein heißes Punschgetränk oder ein Glas Glühwein dazu. So wohlgesättigt und von innen gut eingeheizt, konnte man selbst im strengsten Winter in die kalte Kirche zur Christmette gehen.
Wie schön war der Nachhauseweg im Schnee. Viele Kirchenbesucher hatten sehr weit in die Dörfer hinaus. Damals wartete noch kein gutgeheiztes Auto vor der Kirche zum Heimfahren.
Weil wir nun auch die „Fischbröih'" in den Speisezettel einbezogen haben, so möchte ich noch erzählen, wie die Stadt Schönfeld zu ihrem Spitznamen kam.
So wie man uns Schlaggenwalder die „Antensoß" geheißen hat, so waren unsere Nachbarstadtbewohner eben die „Fischbröih".
Bekanntlich konnten sich die Schlaggenwalder und die Schönfelder nicht riechen. Es hieß gleich „döi Fischbröih'" — oder die Retourkutsche — „dirts Antensoß".
Wie es zu diesen Namen kam? — das war so:
Die Schlaggenwalder Ratsherren beschlossen in ihrem Ebnetteich der zwischen Schlaggenwald und Schönfeld lag, eine Karpfenzucht anzulegen. Trotzdem der Ebnetteich im Sommer der beliebte Badeweiher war, gediehen die Karpfen und Schleien recht prächtig. Im Spätherbst sollte gefischt werden. Aber die große Rechnung mit dem Fischfang ging leider nicht auf . . . . Die Schönfelder waren um eine Nasenlänge früher dran beim Zapfenziehen und folgendes Spottliedchen wird davon berichtet:
Amäl woll'n döi va Schlaggawal' sei Üanetteicherl fischen,
da kumma sa u toun durt grod d' Schönfeller Herrn dawischen.
Wöi'n döi Lump'n töif im Schluam drin san u d' Fisch ausraub'n . . .
„Manna höi'jatz, iss an su ra Frechheit z'glaub'n".
Dieses Liedchen hätte noch viele Strophen. Leider sind sie mir entfallen. Die Melodie ist mir nur noch bekannt.
So waren die Schönfelder die „Fischbröih" — wir Schlaggenwalder die „Antensoß" — es muß sich hierbei um Revanche gehandelt haben und mit Entendiebstahl zusammenhängen. Die Elbogner waren die „Lausbrenner" — weil ein Stadtrat und kleiner Landwirt seinen Ochsen, der Läuse hatte, mit Petroleum übergossen hat und dann anzündete.
Die Karlsbader waren die „Hasenbrüher". Unter dem siedendheißen Sprudelüberlauf brühten sie die Feldhasen ab, statt ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen . . . .
Doch wollen wir diese Spottliedchen jetzt sein lassen und lieber unseren schönen Weihnachtsliedern treu bleiben.
„
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
