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der Stadt. Immerhin war es ein Weg von gut drei Stunden. Mit den Lasten dürften die Frauen schon länger unterwegs gewesen sein.
Natürlich habe ich den Plaudereien der Frauen aufmerksam zugehört. Welches Kind täte das nicht, noch dazu, wenn es wie ich in so großer Einsamkeit aufwachsen mußte. Aus den Gesprächen hörte ich heraus, daß die Wurzeln und Kräuter für ganz bestimmte Leiden von Vorzug seien. Besonders aber interessierte mich das Lob über die Ochsenzungen und zum schmackhaften Feldsalat oder „Rapunzel", wie er auch genannt wurde. So überkam auch mich die Lust nach solchen schmackhaften Kräutern zu suchen und dieses Gemüse im Haushalt verwenden zu lassen.
In der Osterzeit bat ich einmal eine Bekannte, mit mir nach Feldsalat suchen zu wollen, um den Osterfesttisch mit diesem Gemüse besonders herauszuputzen. Also zogen wir jede mit einem größeren „Henkelzisterer" los. Auf der Gfeller Seite sollte diese schmackhafte Pflanze ganz besonders reichlich gedeihen. Also gings beim Gfeller Kreuz quer feldein. Tatsächlich fanden wir in einer etwas feuchten Mulde recht saftige Blättchen und fleißig pflückten wir davon in unsere Körbe. Wir freuten uns und konnten uns nicht genug wundern über diese Fülle, die uns da entgegenlachte in dem saftigsten Grün. Vom vielen Bücken, auch der Korb wurde ja immer schwerer, tat mir der Rücken ordentlich weh. Aber der Eifer des Suchens und die Freude auf den schmackhaften Feldsalat ließ keine Unterbrechung zu. Nach einigen Stunden war der Korb voll und wir trabbten nun heim.
Voll Begeisterung schilderte ich der Großmutter von dem großen Fleck Feldsalat, den wir entdeckt hatten. Neugierig betrachtete sie unser gesammeltes Gemüse. Bedächtig wiegte sie den Kopf. Als aber der Großvater dazu kam, da konnten beide das Lachen nicht mehr zurückhalten. Es schallte über den Hof und brach sich an den dichten Fichten, die um das Anwesen standen. Mit dem ersten Blick hatten sie erkannt, welchen Salat wir gepflückt hatten. Es waren die ersten Blätter des Vergißmeinnicht, die dort in der feuchten Niederung ganz besonders gut gediehen sind.
Nicht einmal der Ziege konnten wir diese so anstrengend gerupfte Gemüseart vorsetzen.
Zu meiner Entschuldigung muß ich sagen, die ersten Blättchen des Vergißmeinnicht haben aber auch eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Salatgewächs Feldsalat. Leider hatte ich meine botanischen Kenntnisse nur von dem aus dem Korb der Frau Bräutigam hervorlugenden Pflanzen. Dieses Anschauungsmaterial hatte aber doch nicht genügt.
Ein ganz besonderes Erlebnis mit Frau Bräutigam ist mir heute noch gut in Erinnerung. Mein Großvater nahm mich oft mit zur Wildfütterung. Eines späten Nachmittages gingen wir gemeinsam zu den Rehfütterungen. Als es dämmerte und die Dunkelheit bald einbrechen mußte, führte er mich auf die breite Straße, die zum Hegerhaus führte und sagte: ich soll einstweilen den Weg nach Hause gehen, er wolle nur noch eine Stelle abgehen und etwas weiter vorne wieder auf mich treffen.
Obwohl ich im Wald aufwuchs und die ganze Umgebung mir vertraut war, war es mir doch nicht einerlei jetzt so allein weiter zu trabben. Die Furcht kroch mir doch langsam in die Glieder; denn es wurde rasch dunkel. Wer hat sich als Kind nicht gerne Märchen erzählen lassen und von Hexen und bösen Geistern gehört, die ja meistens im Wald ihr Unwesen trieben. Die guten Feen und Zwerglein waren nicht immer zur Stelle, wenn man sie dringend gebraucht hätte. So etwa ging es mir durch den Kopf. Da hörte ich auch schon das Schaben, als wenn jemand daherschleife mit den Füßen. Alle Heiligen, die mir gerade einfielen, habe ich angerufen, und welches Versprechen ich gegeben habe in meiner Pein weiß ich nicht mehr.
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