Ein echtes Erlebnis auf dem Schulweg
Von Anna Kempf
Nachdem ich die fünf Jahre Volksschule hinter mir hatte, schickten mich meine Eltern nach Schlaggenwald in die Bürgerschule für Mädchen. Wohl klopfte mir mein Herz die ersten Tage in der mir fremden Umgebung, aber bald hatte ich an meine Klassenkameradinnen Anschluß gefunden und bald Freundschaft geschlossen.
Das Lernen in dieser gehobenen Schule fiel mir gar nicht schwer. Nur im Winter war der Weg von meinem lieben Leßnitz zur Stadt oft recht beschwerlich. Oftmals waren die Hohlwege vom Schnee zugeweht. Viele Male begleitete mich mein Vater bis zum Gowes-Hüawala. Dort traf ich dann meistens auf meine Schulfreundin. Auf ebenem Wege kamen wir dann gut voran. Nur unterhalb des Bahnüberganges, bei dem Stadl, war der Schnee zu einer hohen Mauer aufgeweht. Dort hatte der Schneesturm oftmals ein schier unüberwindliches Hindernis aufgebaut. Gerne machten wir da einen Augenblick Rast und drückten unseren hinteren Körperteil in die steilen Schneewände.
Unsere Figur konnte man dann tagelang abgedrückt im Schnee bewundern. Danach ging es aber hurtig weiter der Schule entgegen.
Froh war ich stets, wenn ich die Leßnitzgasse durcheilt hatte und das enge Stengelgasserl vor mir sah. Schnell waren die wenigen Schritte zum Schultor getan. Bei den Schuldienerseheleuten gaben wir unsere mitgebrachten Kaffeekannen ab, die uns diese braven Leute warm hielten, denn ein Mittagessen gab es damals noch nicht für uns Dorfkinder, die die Bürgerschule in Schlaggenwald besuchten. Nach der Schulordnung war auch an den Nachmittagen Unterricht. Nach dem Morgengruß bei der Familie Kraft ging es dann ins Klassenzimmer. Angenehm war es, wenn gerade Herr Direktor Hahn die erste Stunde unterrichtete, und wir uns etwas verspätet hatten. Er hatte nie eine tadelnde Bemerkung ausgesprochen, sondern er bemitleidete uns.
Seine Frage war stets: „Habt ihr denn so viel Schnee da draußen? Ihr seid ja die reinsten Schneemänner. Hängt schnell euere Mäntel zum Ofen." Dieser wurde mit Holz und Kohlen geheizt, eine Zentralheizung gab es damals noch keine.
War es dann 12 Uhr und das Pausenglöcklein ertönte, da stürmten wir zur Familie Kraft und holten unseren schön gewärmten Kaffee, den uns die lieben Menschen für ein Dankeschön bereithielten. Hei, wie gut schmeckte da das von der Mutter selbst gebackene Brot mit gutem Schweineschmalz bestrichen. So manches Stück meines Bauernbrotes tauschte ich mit der Stöhr Resi gegen eine von ihrem Vater geflochtene Mohnsemmel ein.
Kam dann der Frühling und jagte den oft sehr harten Winter in die nordwärts gelegenen Berge des Erzgebirges, da war es eine Lust diesen Schulweg zu wandern. Kaum waren die Schneewasserpfützen ausgetrocknet, reckten die Grießblümchen und gleich darauf die Gänseblümchen ihre Köpfchen aus den feuchten Wiesen, die links und rechts unseren Weg säumten. Das Jubilieren der Lerchen ließ auch nicht lange auf sich warten. Das war eine wunderbare Zeit. Ein solches Frühlingserwachen konnte man nur daheim erleben. So manches Sträußlein Veilchen, Schlüsselblumen oder andere Blumenarten wurden auf dem Schulweg gepflückt, um damit der Lehrerin eine Freude zu bereiten . . .
Ging es dann der Ferienzeit entgegen, so habe ich oftmals die Sensen der Mäher der Windhofwiesen erklingen hören. Das Rauschen durch das saftige Gras habe ich heute noch in den Ohren. Der Heuduft erfüllte dann die Luft und begleitete mich ins Dorf. Schwankend kamen die hochbeladenen Heuwagen des Wegs daher. So manchen Ortsbewohner habe ich schwitzend gesehen, wenn er mit der Gabel das Heu
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