Auerbach ist Pate von Schlaggenwald
Standort der ältesten Porzellanfabrik Böhmens — Bedeutendes Zinnerzvorkommen
Im Jahre 1956 übernahm die Stadt Auerbach die Patenschaft über die böhmische Stadt Schlaggenwald, die 1298 zur Stadt erhoben wurde, aber deren Entstehung in das Jahr 1100 zurückgeht. Schlaggenwald liegt an den Ausläufern des Kaiserwaldes in einer Höhe von 584 Metern über dem Meeresspiegel.
Die Entwicklung der Stadt lag besonders in dem reichen Zinnerzvorkommen, welches oft bis an die Erdoberfläche reichte. Der Zinnbergbau wurde besonders von den eingewanderten Kelten betrieben.
Der Name der Stadt stammt von einem Herrn der Friesenburg, namens Schlakko, wovon später der Name Schlackenwald und hernach der heutige Name Schlaggenwald abgeleitet wurde. Als eine der ersten Ansiedlungen waren die sogenannte Seifen und die Seifertsgrün genannt.
Durch die reichen Erzfunde wurden viele Bergleute aus Sachsen, Bayern und dem Harz angelockt, wodurch sich später ein eigener Schlaggenwalder Dialekt bildete. Der Ort selbst entwickelte sich sehr stark und erreichte die 6000-Einwohner-Grenze. Später, als die Erzfunde nachließen, ging die Einwohnerschaft bis auf 3000 zurück. Besonders die Herren von Pflug brachten die Stadt durch große Leistung auf die Höhe: Durch die Anlage von künstlichen Teichen in den Glatzer Bergen und die Errichtung des sogenannten Flößgrabens, welcher das Wasser über Schönfeld nach Schlaggenwald brachte, wodurch die Industrieanlagen das nötige Wasser erhielten und auch die Stadt das Wasser zu ihrem Bach, der Fluth, bekam. Viele Häuser wurden gebaut, welche den Namen Pflughäuser trugen. Eine besondere Leistung vollbrachten diese durch die Anlage des Kaspar-Pflug-Stollens, welcher in einer Tiefe von zirka 100 Metern vom Bergbau auf der Hub drei Kilometer bis unterhalb der Stadt geleitet wurde und das Wasser vom Bergbau ableitete, wodurch sich der Bau eines Wasserhebewerkes erübrigte. Durch den Zinnbergbau wurde die Stadt eine der reichsten in der ganzen Umgebung.
Schon im 13. Jahrhundert hatte die Stadt eine eigene Gerichtsbarkeit. Ein Hochgericht war errichtet worden, welches heute noch als das einzige in ganz Mitteleuropa besteht. Es befindet sich auf der Flur in Richtung Poschitzau.
Schon 1525 bis 1529 wurde die Stadt gepflastert und erhielt auch eine Wasserleitung, welche in Holzröhren zu den zirka 30 Auslaufbrunnen in der Stadt geführt wurde. Diese Waserleitung hatte sich bis zu unserer Aussiedlung erhalten. Hervorzuheben ist, daß die Stadt ein besonders gutes Trinkwasser erhielt.
Durch die Türkenkriege mußte die Stadt öfters hohe Kontributionen zahlen. 1566 stellte die Stadt 400 Bürger und 700 Bergleute bewaffnet und besoldet ins Feld. Auch 1622 musterte Wallenstein 2000 Mann in der Stadt. So wurden eben immer wieder Kontributionen von Freund und Feind abverlangt, wodurch die Stadt verarmte, in Schulden geriet und ein Teil der Besitzungen verkauft werden mußte. Auch die Herrschaft Petschau, welche der Stadt gehörte, mußte wieder verkauft werden. Von 1583 bis 1607 wütet in der Stadt die Pest, wodurch wiederum ein zusätzlicher Aderlaß gegeben war.
1713 vernichtete ein Großbrand die ganze untere Stadt, was wiederum große Lasten zum Wiederaufbau brachte. 1616 wollte Kaiser Mathias die Stadt zerstören; sie blieb dadurch verschont, daß ein alter Bergmann eine Begnadigung erreichte. Zu dessen Gedenken wurde die sogenannte Häslersäule auf der Kirchstaffel errichtet. Von 1632 bis 1634 mußte die Stadt 4800 polnische Reiter einquartieren. Die Folgen dadurch waren Plünderung, Schändung und Verarmung.
Die letzte Hinrichtung am Galgen war im Jahre 1751. Eine Marmortafel, welche am Galgen angebracht war, später abgenommen und im Museum aufbewahrt wurde, lautet:
Schlaccenwald die kaiserliche Berckstadt
von Schlacco ihren Namen hat
geziert mit Thugent und Gerechtigkeit
davon ist Gott zu danken allezeit.
Schon im 16. Jahrhundert ließ die Zinnerzausbeute stark nach, weshalb viele Bergleute abwanderten. 1792 wurde dann die Porzellanfabrik Haas und Czjzek gegründet, sie war die älteste Porzellanfabrik in Böhmen. Viele Bürger fanden nun wiederum Arbeit — bis zur Aussiedlung.
Franz Hofmann
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