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führte mich ein Mitschüler in die Schule. Auf keinen Fall durfte ich den Unterricht versäumen, denn ich war kein guter lernbeflissener Schüler und hätte das Versäumte nie aufgeholt, wenn ich über die gesamte Krankheitsdauer dem Unterricht fern geblieben wäre. Ich war damals im dritten Schuljahr. Der Herr Lehrer war ein gar strenger Pädagoge und achtete darauf, daß seine Buben etwas lernten. Da saß ich nun mit meinen verpflasterten Augen und hörte — nur mit halben Ohren — weil mich das viele Dämmern ab und zu einschläferte, wie aus weiter Ferne die Stimmen an meinen Ohren vorbeirauschen. Jeder Sonnenstrahl, der sich auf meinem Gesicht niederließ und durch die Binde auf meinen Augen zu spüren war, tat empfindlich weh. Das in den Schulstunden gehörte blieb auch gar nicht lange in meinem Kopfe haften.
Es war Ende Februar oder Anfang März, auf alle Fälle hatte die Schneeschmelze eingesetzt. Der Schnee blendete bei dem Sonnenglanz, der in der Heimat viel kräftiger war als anderswo und setzte mir ganz gehörig zu. Dazu hatte ich noch einen weiten Schulweg zurückzulegen, denn nach dem Tode meiner Mutter war ich eine Vollwaise geworden und fand nun Aufnahme bei meiner Großmutter auf der Hub. Der Schnee glänzte in dem hellen Sonnenschein. Wie ein großes weißes Tuch bedeckte er die Hügel. Nur ab und zu hatte die Wärme der Sonnenstrahlen einen dunklen Fleck geleckt, auf dem sich das Schneewasser glitzernd sammelte. Langsam besserte sich auch meine Augenentzündung.
Eines Tages sagte meine Großmutter zu mir: „Bub wenn Du am Mittwochmittag von der Schule heimkommst, dann gehen wir zusammen in die Seifertsgrün und holen Wasser für Deine Augen. Du weißt doch wo die Quell' ist". Die gute Alte war der Meinung, weil ich in der Stadt aufgewachsen war, mußte ich auch alles kennen was darum herum war. Natürlich hatte ich von diesem Wunderwasser früher einmal von einer Wohnungsnachbarin etwas gehört, aber wo sich diese Stelle befand, hatte mir niemand gesagt. Da meine Großmutter eine resolute Frau war und Widerspruch meinerseits nie duldete, außerdem hatte ich das Gefühl, daß ich ein Eindringling in ihre Lebenssphäre war, hütete ich mich, ihr zu widersprechen. Sie selbst stammte aus Schönfeld und dieser Nachbarvolksstamm hatte schon immer seine Eigenheit unter Beweis gestellt. Es mag wohl daran gelegen haben, daß die Hub ein Zwischending war und die Ausstrahlung unserer etwas kulturell entwickelten Stadt dort auf geheimnisvolle Weise einen Kompromiß vollzog. Also sah ich diesen Mittwochnachmittag mit ganz besonderen gemischten Gefühlen entgegen. Gerne bin ich nie mit der Großmutter irgendwohin gegangen. Ihre knöcherne harte Art war nicht dazu angetan, großes Vertrauen von einem Buben meines Alters zu gewinnen. Außerdem hörte sie sehr schlecht und ihre Augen, die eine Nickelbrille stets behüteten, konnten ganz sonderbare Blicke verschicken. Wenn ich ihr Schauen auf mir fühlte, so war es mir, als zweifle sie daran, daß ich ihr Enkelkind sei. Nun, sie mußte sich halt mit mir abfinden, denn alle Leute behaupteten immer, ich sähe meinem gefallenen Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich.
Es kam der besagte Mittwoch. Ein kräftiges Mittagsmahl — gut kochen konnte die Großmutter und an Essengeben war kein Mangel — hatte sie mir vorgesetzt, und danach gingen wir los. Eine große „Blesch" — es müssen an die 5 Liter in dieses Gefäß hineingegangen sein, so groß kam es mir vor, ein Flaschner hatte sie nach ihren Angaben angefertigt, aber nicht nur für das Seifertsgrüner Wasser — bekam ich in die Hand. Eine große „Mäsch" hatte sie schon fertiggepackt vorbereitet, denn es sollten auf diesem Wege verschiedene Geschäfte erledigt werden. So trottelte ich an ihrer Hand, die fest wie ein Schraubstock mein Handgelenk hielt, dahin. Erste Station war am Koppelhof bei der Frau Agler, eine geb. Unterstab — Agler Otto seine Mutter — eine gute Frau. Ich sehe sie heute noch immer mit ihrer Wasserbutte am
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