BAY.
Million Betroffener der „Gesetzwidrigkeiten" gibt, wie es der „Spiegel" vom 13. Mai 1968 feststellte und Menschen einzeln oder in Gruppen in rund 60 000 Prozessen als „politische Verbrecher" abgeurteilt worden sind, dann versteht man, warum Tschechen und Slowaken, wie die anderen die Tschechoslowakei bewohnenden Volksgruppen, sich so tapfer gegen die Panzer der „sozialistischen Freunde" gewehrt haben, weil sie die Rückkehr zur Rechtlosigkeit befürchten müssen.
Seitdem eine verschärfte Zensur gar nicht einmal den Gedanken von Unrecht in einem kommunistischen Regime aufkommen läßt und das Volk von neuem einen Maulkorb umgebunden bekam, wähnt man sich so sicher, daß man erneut lautstark auf die Alleinschuldigen, die Deutschen, hinweisen kann. Es wird an den Deutschen selbst liegen, ob sie in alle Ewigkeit nur entweder Watschenmann oder Melkkuh abgeben wollen. Freilich, eine sachliche und überzeugende Aufklärung erfordert Geschick, Wissen und Zivilcourage, vom Geld ganz abgesehen!
Nachrichten aus der Heimat und von den Landsleuten
Das Windhoflager bei Schlaggenwald
Dieses Nachkriegs-KZ für Deutsche wurde jetzt staatliche Erziehungsanstalt.
Unterschriftenaktion in Schlaggenwald
In Schlaggenwald hat die Bevölkerung eine Unterschriftenaktion durchgeführt, an der sich 1600 Personen beteiligten. Die Unterzeichneten verlangten die Neutralität der CSSR (ähnliche Aktionen fanden auch in vielen anderen Städten der CSSR statt).
„Wir befinden uns auf sudetendeutschem Gebiet"
Die tschechische Zeitung „Pruboj", die in Aussig erscheint, berichtete in ihrer Ausgabe vom 24. August 1968 über ein Gespräch, das der Milizfunktionär Josef Linka mit sowjetischen Soldaten im Raume Leitmeritz führte. Es heißt da: Ich frage die Burschen — „und wißt Ihr auch, wo Ihr Euch befindet?" „Ja", sagt einer, „auf sudetendeutschem Gebiet (na sudetském území)." „Nein", sagen wir, „auf dem Boden der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik und Ihr kommt ohne Einladung." — Die Russen wissen also, daß wir noch ein Anrecht auf die Heimat haben und bezeichnen sie als sudetendeutsches Gebiet. Die unmittelbaren Austreiber hören das aus begreiflichen Gründen weniger gern. Die Antwort des russischen Soldaten sollte uns zu denken und neuen Mut geben, für uns immer wieder die Heimat zu fordern.
Sudetendeutsches Treffen in Kanada
Ein großes Treffen sudetendeutscher Sozialdemokraten findet in diesem Jahr vom 11. bis 14. Juli in Edmonton statt. Daran werden Mitglieder der Seliger-Gemeinde aus allen Teilen Kanadas, den USA, Südamerika, Australien, Skandinavien, England, Österreich und der Bundesrepublik Deutschland teilnehmen. Das größte Teilnehmerkontingent soll die Bundesrepublik stellen. Das hat der Bundesvorstand der Seliger-Gemeinde am 1. Februar in Böblingen beschlossen. Es sind Gruppenflüge vorgesehen, und die Teilnehmer aus der Bundesrepublik werden Gelegenheit haben, sich insgesamt 20 Tage in Kanada aufzuhalten. Zu den Teilnehmern aus der Bundesrepublik wird auch eine Sing- und Spielgruppe gehören. s. u. e.
Hauptentschädigung für fünf weitere Jahrgänge
Mit Wirkung vom 1. Februar 1969 hat der Präsident des Bundesausgleichsamtes in Bad Homburg fünf weitere Jahrgänge, 1921 bis 1925, für die Barerfüllung der Hauptentschädigung freigegeben. Diese allgemein mit Beifall aufgenommene Entscheidung geht auf die Empfehlung zurück, die der Kontrollausschuß beim Bundesausgleichsamt erteilt hat. s. u. e.
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