Als der kurze Prager Frühling 1968 innerhalb weniger Monate das bisherige kommunistische Regime unter Antonin Nowotny durch die massenweisen Veröffentlichungen der zu Hunderttausenden begangenen Verbrechen in den Gefängnissen des eigenen Landes und obendrein am eigenen Volk an den Pranger stellte, griff sofort die Sowjetunion ein, okkupierte das Land, stellte die aus dem Munde von Kommunisten kommenden Anklagen als Äußerungen der „Konterrevolution" hin, führte erneut die Zensur ein und verbot die im Entstehen begriffenen Organisationen, welche auf die vielen Justizmorde, tschechischen Vernichtungs-KZs, Schauprozesse usw. hingewiesen hatten (Klub 231 und KAN). Damit wurde aber ein weiteres Mal unter Beweis gestellt, daß Kommunismus und Humanität unvereinbar sind.
Die Welt darf nicht erfahren, daß es außer Hitler auch noch andere Verbrecher gab, und schon gar nicht, wenn es Kommunisten waren! Würde das die Welt wissen, könnte sie zu leicht der Versuchung erliegen, auch die polnischen KZs Lambsdorf und Auschwitz nach 1945, den Blutsonntag von Bromberg 1939, die Verschleppung aus rassischen Gründen in die Sowjetunion oder die Vertreibung 1945 als unter die Kompetenz dieser von der UNO angenommenen Konvention fallend betrachten.
In Deutschland wurden bereits Hunderte von Prozessen wegen Kriegsverbrechen durchgeführt. Zu Millionen sind Deutsche bei der Vertreibung ermordet worden, doch gab es für diese Art von Massenverbrechen noch keinen einzigen Prozeß, obwohl Recht doch unteilbar sein sollte. Im Gegenteil, in der Tschechoslowakei z. B. erließ man nach dem Krieg Amnestien, die sich auf all diese Verbrechen an Deutschen bezogen, während man mit rückwirkender Gewalt bis zum Mai 1938 Menschen, die sich keiner Verstöße gegen die Gesetze zu Schulden kommen ließen, nachträglich zu Verbrechern entsprechend der Retributions-„Justiz" stempelte und den Oberaustreiber Benesch für den Friedensnobelpreis vorschlug!
Nichts hat in den Frühjahrs- und Sommermonaten 1968 die Menschen in der Tschechoslowakei so gefesselt wie die Berichte über die Verbrechen, die durch 20 Jahre am eigenen Volk im Namen von „Fortschritt" und „Sozialistischem Humanismus" begangen wurden.
Das Prager Regime fühlt sich nun durch die sowjetischen Panzer stark genug, erneut die Deutschen — diesmal noch massiver als bisher — anzuklagen und man hat die Absicht, rund 300 000 „Kriegsverbrecher" in der BRD in nächster Zeit zu entdecken. Nach der alten Methode „Haltet den Dieb" erhofft man durch Massendiskriminierung auch weiterhin politische und wirtschaftliche Erfolge erzielen zu können. Man vergißt dabei in Prag, daß es in böhmischen Landen bereits landesüblicher Spruch geworden ist, die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, also die Zeit der kommunistischen Diktatur, als die Zeit der „Zweiten Finsternis" (temno) hinzustellen. Die Zeit der kommunistischen Diktatur in der Tschechoslowakei, in der angeblich das Volk die Demokratie ausgeübt hat, war in Wirklichkeit die Diktatur über das Volk, war die Zeit der größten Despotie in der Geschichte dieses Landes.
Es ist dem führenden Genossen und Mitglied im Plenum des Zentralkomitees der KPTsch, General Hecko, sicherlich nicht leicht gefallen, als er Mitte April 1968 dort erklären mußte, daß die schlimmste Zeit des tschechischen Volkes keinesfalls die Zeit der deutschen Okkupation während des Krieges gewesen ist, sondern die Zeit, wo man erfahren hat, daß Tschechen von Angehörigen des eigenen Volkes in gesetzwidriger Weise in so großer Zahl eingesperrt und so inhuman behandelt worden sind, „und das im Namen unserer Partei". Doch traf diese Erklärung den Nagel auf den Kopf!
Nicht umsonst mußte man in dieser humanen Tschechoslowakei ein eigenes „Rehabilitierungsgesetz" schaffen, bei dem man mit Geldforderungen von vielen Milliarden rechnet. Während aber die Wald- und Wiesenopfer nur höchstens 20 000 Kcs in bar erhalten, erhielt Genosse Dr. Gustav Husák, Erster Sekretär der KPS und wahrscheinlich künftiger slowakischer Regierungschef, bereits vor Jahren 125 000 Kcs ausbezahlt.
Bei der Behandlung dieses Gesetzes im Prager Parlament wurde u. a. auch die Forderung auf Aufhebung der Verjährungsfrist für die vom Nowotny-Regime begangenen vielen Verbrechen gestellt. Der Antrag wurde überstimmt, weil man darin angeblich
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