Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 112
/ 32
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 16
Sousedská výpomoc

Die Nachbarschaftshilfe

Von Heinrich Hess, Gfell-Diendorf

Im großen und ganzen war ein Bauernhof auf dem Lande unabhängig, nachdem so ziemlich alles da war, was man im Laufe der Zeit verbrauchte oder verzehrte. Nur bei den Leistungen wurde diese Autarkie mitunter durchlöchert. Ich meine hier die unbezahlten Leistungen, die unter den Begriff „Nachbarschaftshilfe" fallen. Auf Gegenseitigkeit fußend, war diese Hilfe ein segensreicher Zug im ländlichen Brauchtum, der beim Kuhkalben, beim Brotborgen, beim Schweineschlachten und in unzähligen anderen Variationen zum Ausdruck kam. Die Menschen gelangten auf diese Weise in nähere Beziehung zueinander, lernten den Charakter des Nachbarn kennen und pflegten unbewußt Volksgemeinschaft im engeren Rahmen.

Eine solche uneigennützige Kameradschaft bestand auch zwischen mir und meinem Nachbar, dem Zenk. Es soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, als ob diese Nachbarschaftshilfe sehr einseitig gehandhabt wurde, wenn ich das „Ich" etwas öfter gebrauche. Ich möchte vorwegnehmen, daß ich dem Zenk in dieser Hinsicht sehr viel Dank schulde und nicht den geringsten Anlaß habe, über „Soll und Haben" zu feilschen. Die Hilfsbereitschaft meines Nachbarn war unerschöpflich und fast jeder im Dorfe hat sie schon in dieser oder jener Form in Anspruch genommen.

Es gab kaum ein Feld der ökonomischen Wissenschaft, das wir nicht gemeinsam beackert hätten. Bis in die veterinär-chirurgische Fakultät sind wir vorgedrungen und erzielten damit praktische Erfolge. Beim Zenk hatte sich eine Kuh mit Jungklee dick gefressen, so daß sie jeden Moment zu platzen drohte. Nachdem alle Mittel gegen Blähung versagten, blieb uns nur noch der Eingriff oder die Notschlachtung. Wir wählten den Eingriff und die Operation gelang, das Tier mußte nicht geschlachtet werden.

Als fortschrittlicher Bauer war der Zenk stets mit einer Bürde von Ämtern belastet und daher häufig unterwegs, so daß das Hauswesen ausschließlich vom weiblichen Anhang gemeistert wurde. Kein Wunder, daß unter diesen Umständen die Nachbarschaftshilfe oft einspringen mußte. Die Folge war, daß ich als der näheste Zünftler auch mit den Tieren des Nachbarn in Berührung kam.

Von seinen vierbeinigen Hausgenossen erwähne ich besonders den Moritz, die Senta und den Mohler, weil ich deren Abneigung in ganz speziellem Ausmaß genoß. Der Moritz war eine Roßinande, die bei jeder Schönheitskonkurrenz kläglich abgeschnitten hätte. Ein kleiner Kopf saß auf einem normalen Rumpf, der von unbändig langen Stelzen mit klobigen Hufen getragen wurde. Wollte man dem Moritz das Tempo der Gangart diktieren, fing er am Platz zu treten an, leierte mit dem Schweif und war um allen Hafer der Welt nicht zu bewegen, auch nur einen Schritt nach vorn zu tun. Erst wenn er von weitem den Schrei seines Herrn und Meisters vernahm, tauchte er an und entwickelte dann Kräfte, die man ihm kaum zugemutet hätte.

Die Senta war eine Jagdhündin, die mich schon zweimal heimtückisch in die fünf Buchstaben gezwickt hatte. Beim 3. Versuch konnte ich ihr einen gezielten Kinnhaken mit der Stiefelspitze verpassen. Aus Rache verweigerte sie mir das Apportieren der Hasen und Rebhühner auf der Jagd. Ihr boshaft schielender Blick, den sie mir dabei zuwarf, sollte dann ausdrücken: „Weißt du, was du mich kannst? Jawohl: Das kannst du mich!"

Der Mohler war der Gemeindestier, dessen Haltung dem Zenk oblag. Im Kuhstall benahm er sich wie ein Sittlichkeitsverbrecher, weshalb er in einen kleinen Pferdestall umgesiedelt werden mußte. Bei diesem Umzug war ich gezwungen, seine Störrigkeit mit dem Ochsenziemer zu brechen. Dies und die erzwungene Trennung von seinem Harem nahm er mir sehr übel. Denn sobald er meiner ansichtig wurde, fing er wutschnaubend zu gröhlen an, wobei er mir am liebsten die Hörner in den Bauch gerannt hätte. Die Haare standen mir daher immer zu Berge, wenn ein Zenkenmädel an mein Fenster kam und mir atemlos meldete, daß ich schnell kommen

věta pokračuje na dalším listu ⟶

list 16 z 32
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.