Zwischenspiel in Schlaggenwald
Ein Auszug aus dem Roman
„Es hebt uns die Welle ins letzte Geheimnis" von Ernst Frank
(Clemens Stephani hat mit seiner Frau Margarete einen Spaziergang in die Umgebung Schlaggenwalds unternommen. Beide waren glücklich. Denn Margarete fühlte sich Mutter werden. Was sie sieben Jahre in Eger herbeigesehnt hatte, war ihr in Schlaggenwald erfüllt worden. Du, kleine Stadt, sei gelobt!)
Über die Huben kehrten sie nach Hause zurück. Von dem Tal herauf sang die Glocke der Pfarrkirche den Mittag ein und aus dem Werk tönte das Schichtzeichen herauf, das Clemens bewog, mit Margareten an den Rand des eingestürzten Berges zu treten.
Die Gesellen fuhren aus. Wie sie aussahen! Mit einem Holzschaber schabten sie sich den fingerdick anklebenden Staub und Schweiß vom Leibe, der sich ihnen in der unerträglichen Hitze unter Berg angelegt hatte, dann stürzten sie lechzend zum Wasser und schienen sich nicht genug tun zu können. Viele wankten nur so einher und legten sich, als überwältigte sie die wiedergewonnene Erde und das Licht, nach Luft schnappend auf den Boden nieder. Andere fielen vom erquickenden Quell ab wie vollgesogene Zecken und blieben beim Ausguß liegen und rührten sich nicht mehr.
Margarete war erschüttert; sie sah zum ersten Male, wie schwer der Reichtum errungen werden mußte, der tausend Schritte talab in dem Städtchen seine Wirkung nur von der angenehmen Seite zeigte. So fand am Weiterwege Clemens Erzählung von seiner Einfahrt ins Werk eine gespannte Lauscherin. Er erklärte ihr, wie tief unter der Erde mit Meißel und Feuer, bei ständiger Todesgefahr gearbeitet würde, er schilderte die Hitze nach dem Feuersetzen und wie die Männer im bloßen Leibe, nur mit Grubenhütlein, einem Fleck und Schuhen bekleidet, arbeiteten, auch von der Schönheit der unterirdischen Gewölbe, die da manchmal durch Menschenhand erzeugt wurden und der Gewalt ihres Zusammenbrechens, wenn das Feuer, nachdem es seine zerfressende Wirkung getan, den Berg einsturzreif gemacht habe. Ein Krachen, Schnappen und Drucken im Berginnern zeige die Zeit an, daß der Bruch reif sei. Dann fliehen die Männer. Mit einem Geprassel, wie Donner und Kartaunen, geht das Gebirge nieder, und wehe dem Gesellen, der sich nicht rechtzeitig zu bergen gewußt. Er wird von den Wettern an den Fels geschleudert, daß ihm der Seelsack zerbirst. Es ist eine harte Arbeit, die da tagaus, tagein unter der Erde vollbracht wird.
„Sollten auch diese gehetzten Arbeiter glauben, daß ihre Arbeit zu Gott führt?" Clemens schaute seiner Frau überrascht ins Auge. Dann bejahte er ihre Frage mit einer so selbstsicheren Überzeugung, daß Margarete den Gedanken nicht weiterzuspinnen wagte.
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