Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 90
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Vánoce v Töppeles

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nes. Viele der alten Weihnachtsbräuche, von denen mir mein Vater noch erzählte, haben wir als Kinder nur mehr vom Hörensagen gekannt. Der Mühe, in der Christnacht eine Stunde zu Fuß über den tiefverschneiten Kirchberg nach Schlaggenwald in die Christmette zu gehen, unterzogen sich in unserer Kindheit nur noch wenige Frauen und Männer. Für die Menschen, die diese Mühe auf sich nahmen, wurde der mitternächtliche Gottesdienst immer zu einem großen Erlebnis. Der weihnachtliche Kirchgang am ersten Feiertag war aber für die meisten Menschen noch ein Familienfest. Welche Augen haben wir als Kinder gemacht, wenn wir die Krippe mit den mannshohen Figuren in der Schlaggenwalder Kirche sehen konnten.

Schmerzhaft berührte es mich als Kind, daß in den meisten Familien der Tannenbaum wegen Platzmangel schon nach dem Heiligen Dreikönigstag wieder abgeschmückt werden mußte. Um so erfreulicher empfand ich es, daß im Lehrerhaus, das mir nach dem frühen Tode meines Vaters zum Vaterhaus geworden war, der Tannenbaum nach alter Tradition und Sitte bis Lichtmeß stehen durfte. In der Lehrerfamilie Rödl, in der in seltener Eintracht Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Kind zusammenlebten, habe ich die Sonntage nach Weihnachten bis zum zweiten Feber im Lichterglanz erlebt. Unseren ganz alten Landsleuten wollen wir zur Weihnachtszeit immer wieder sagen, daß die Krippe in der schönen Pfarrkirche in Schlaggenwald zu den erlesensten Kunstwerken unserer Heimat zählte. Wenn ich Weihnachten in Rußland, in Frankreich, in England und in den Vereinigten Staaten feiern mußte, dachte ich stets an diese Krippe mit den lebensgroßen Figuren, wie ich sie nirgends in der Welt gesehen habe.

Aus der Töppeleser Kartei

Zwei Nachrufe. Zunächst zum Ableben von Anton Janker (Haus Nr. 21) und Julius Neuerer (Haus Nr. 9) einige Worte des Gedenkens. Anton Janker war in seinem Fach — wie alle seine Brüder — ein tüchtiger und bekannter Baupolier des Egerlandes. Schon im Jahre 1922 verlor er auf einem Bauplatz in Teplitz ein Bein, seither war er Prothesenträger mit Unfall- und Invalidenrente. Er hatte 5 Kinder, sein ältester Sohn Alfred ist 1942 im Osten gefallen, seine Frau 1943 in Donitz (Hampelhaus) verstorben. Dort wurde er im Frühjahr 1945 ausgebombt und 1946 mit den Töppeleser Ortsbewohnern aus der Heimat vertrieben. Der Transport endete in Lauterbach (Hessen). Kurz darauf siedelte er nach Berlin-Ost um, kam dann im Jahre 1955 nach Frankfurt a. M., von dort 1960 nach Köln und 1962 nach Miesenheim bei Andernach (Rheinland), wo er gestorben und beerdigt ist. Im Jahre 1902 hatte Anton Janker maßgeblichen Anteil an der Renovierung der Schlaggenwalder St. Georgskirche. Auf Anordnung des damaligen Dechant Emanuel Hoyer wurde mehrere Tage lang nach verborgenen Schätzen gesucht, man fand aber in den tiefen Gewölben nur große Stapel von Totengerippen. Toni hat mir viel von der Töppeleser Schützengilde um die Jahrhundertwende berichtet; diese Mittei-

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Vzpomínky z töppeleské kartotéky – Vánoce, dva nekrology a pozdrav čtenářům

Aus der Töppeleser Kartei

nes. Viele der alten Weihnachtsbräuche, von denen mir mein Vater noch erzählte, haben wir als Kinder nur mehr vom Hörensagen gekannt. Der Mühe, in der Christnacht eine Stunde zu Fuß über den tiefverschneiten Kirchberg nach Schlaggenwald in die Christmette zu gehen, unterzogen sich in unserer Kindheit nur noch wenige Frauen und Männer. Für die Menschen, die diese Mühe auf sich nahmen, wurde der mitternächtliche Gottesdienst immer zu einem großen Erlebnis. Der weihnachtliche Kirchgang am ersten Feiertag war aber für die meisten Menschen noch ein Familienfest. Welche Augen haben wir als Kinder gemacht, wenn wir die Krippe mit den mannshohen Figuren in der Schlaggenwalder Kirche sehen konnten.

Schmerzhaft berührte es mich als Kind, daß in den meisten Familien der Tannenbaum wegen Platzmangel schon nach dem Heiligen Dreikönigstag wieder abgeschmückt werden mußte. Um so erfreulicher empfand ich es, daß im Lehrerhaus, das mir nach dem frühen Tode meines Vaters zum Vaterhaus geworden war, der Tannenbaum nach alter Tradition und Sitte bis Lichtmeß stehen durfte. In der Lehrerfamilie Rödl, in der in seltener Eintracht Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Kind zusammenlebten, habe ich die Sonntage nach Weihnachten bis zum zweiten Feber im Lichterglanz erlebt. Unseren ganz alten Landsleuten wollen wir zur Weihnachtszeit immer wieder sagen, daß die Krippe in der schönen Pfarrkirche in Schlaggenwald zu den erlesensten Kunstwerken unserer Heimat zählte. Wenn ich Weihnachten in Rußland, in Frankreich, in England und in den Vereinigten Staaten feiern mußte, dachte ich stets an diese Krippe mit den lebensgroßen Figuren, wie ich sie nirgends in der Welt gesehen habe.

Aus der Töppeleser Kartei

Zwei Nachrufe. Zunächst zum Ableben von Anton Janker (Haus Nr. 21) und Julius Neuerer (Haus Nr. 9) einige Worte des Gedenkens. Anton Janker war in seinem Fach — wie alle seine Brüder — ein tüchtiger und bekannter Baupolier des Egerlandes. Schon im Jahre 1922 verlor er auf einem Bauplatz in Teplitz ein Bein, seither war er Prothesenträger mit Unfall- und Invalidenrente. Er hatte 5 Kinder, sein ältester Sohn Alfred ist 1942 im Osten gefallen, seine Frau 1943 in Donitz (Hampelhaus) verstorben. Dort wurde er im Frühjahr 1945 ausgebombt und 1946 mit den Töppeleser Ortsbewohnern aus der Heimat vertrieben. Der Transport endete in Lauterbach (Hessen). Kurz darauf siedelte er nach Berlin-Ost um, kam dann im Jahre 1955 nach Frankfurt a. M., von dort 1960 nach Köln und 1962 nach Miesenheim bei Andernach (Rheinland), wo er gestorben und beerdigt ist. Im Jahre 1902 hatte Anton Janker maßgeblichen Anteil an der Renovierung der Schlaggenwalder St. Georgskirche. Auf Anordnung des damaligen Dechant Emanuel Hoyer wurde mehrere Tage lang nach verborgenen Schätzen gesucht, man fand aber in den tiefen Gewölben nur große Stapel von Totengerippen. Toni hat mir viel von der Töppeleser Schützengilde um die Jahrhundertwende berichtet; diese Mittei-

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