Die ehemals freie Bergstadt Schlaggenwald (4. Fortsetzung und Schluß)
Die ehemals freie Bergstadt Schlaggenwald
Von Universitäts-Professor Dr. R. Schreiber, Gießen
4. Fortsetzung und Schluß
Wegen der übertriebenen Forderung des Wirtes zu Schlaggenwald wandte sich Goethe bereits am nächsten Tag nach dem Besuch der alten Bergstadt in einem „Promemoria" an den Kreishauptmann J. von Weyrother nach Elbogen mit einem „unmaßgeblichen Vorschlag". Schon vier Tage später, wie dies bei einer so hoch gestellten Persönlichkeit, dem „Minister und Geheimrat" Goethe nicht anders zu erwarten war, also bereits am 25. Juni 1811, bekam Goethe von Elbogen die Erledigung seines „unmaßgeblichen Vorschlages". Der Wirt erhielt 10 fl. (= Gulden) Strafe, die äußerst übertriebene Zeche von 76 fl. wurde auf 41 fl. 20 kr. (= Kreuzer) herabgesetzt; den Rest von 34 fl. 80 kr. bekam Goethe mit einem freundlichen Schreiben des Kreishauptmannes zurück.
Einige Jahre später, am 25. August 1818, hat Goethe mit seiner Begleitung noch einmal Schlaggenwald besucht. Diesmal aber ging er natürlich nicht in den „Roten Ochsen", sondern man speiste im Gasthof „Rathaus". Auf dem Marktplatz in Schlaggenwald, den man besichtigte, erwartete die Gesellschaft den Schichtmeister Beschoner, der Goethe und seiner Begleitung in seinem Hause eine sehr instruktive Mineralsammlung zeigte. Der Schichtmeister hatte einige schöne Erze für Goethes Mineraliensammlung mitgebracht. Goethe und seine Gäste gingen in Richtung Schönfeld, wobei sie durch den Schichtmeister einen tiefen Einblick in den Zinnerzbau bei Schlaggenwald erhielten. Auf der Rückfahrt nach Karlsbad wurde die Porzellanfabrik in Elbogen besucht, die im Jahre 1815 von den Brüdern Rudolf und Eugen Haidinger gegründet worden ist. Die Entstehung der Porzellanindustrie des Egerlandes war nur durch die neuen und reichen Funde von Kaolin bei Zettlitz in der Nähe von Karlsbad, sowie durch die großen Braunkohlenvorkommen im Egergraben möglich. Die reichen Kaolinlager bei Karlsbad ersetzten den Verlust der Kaolinlager bei Passau, die durch den Frieden von Schönbrunn im Jahre 1809 verloren gegangen waren, nachdem dieses Gebiet von Napoleon an die damals mit Frankreich verbündeten Bayern abgetreten werden mußte. Die Zettlitzer Kaolinlager erwiesen sich von einer ausgezeichneten Reinheit und sie zählen mit zu den besten Kaolinlagerstätten der ganzen Erde.
Bei diesem Besuch in Elbogen bot sich Goethe auch noch die Gelegenheit, den berühmten Meteorstein zu besichtigen, den man leider nicht in seiner vollen Größe gelassen, sondern in drei ungleiche Teile
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