Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 92
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Fotbalový klub Gfell

Fußballclub Gfell

Von Heinrich Heß, Gfell-Diendorf

Der Sport am Lande war seit jeher ein Waisenkind, das sich mühsam auf Krücken durchs Dasein schleppte. Die Sportenthusiasten unseres Ortes gaben sich alle erdenkliche Mühe, die sportlichen Triebe der männlichen Jugend zu mobilisieren; leider vergeblich. Es war die unverrückbare Ansicht der Alten, daß der Sport ein Feld für Tagediebe und Taugenichtse sei. So blieben für die ländliche Jugend die Turngeräte weiterhin der Senswart, die Axt und die Mistgabel. Mag die berufliche Arbeit auch noch so schwer gewesen sein, ein Restchen Energie blieb den Burschen immer noch übrig, die sich dann im Übermut oder — im kultivierteren Sinn — im Sport auszutoben suchte.

In Gfell wurde der Sport nach dem ersten Weltkrieg für kurze Zeit aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Jungen, die nach Karlsbad zur Lehre fuhren, hatten dort vom Fußballspiel etwas abgeluchst. So gab es eines schönen Tages eine Sensation im Ort: ein Fußball war da! Nun aber hinein ins Gefecht! In Zenkens Taaler begann das turbulente Treiben. Wenn Freund Ernst — welcher der Manager war — von einem Fußballclub träumte, der unter Umständen die Spitzenklasse erreichen könnte, so war dies seine Schuld. Die Spieler hatten jedenfalls keine so ehrgeizigen Pläne und hieben blind auf den Ball ein, wie und wo immer sie ihn erreichen konnten. Vergeblich suchte Ernst etwas Ordnung in den wilden Haufen zu bringen. Für diese Fußballer war weniger das Spiel als die Gaude maßgebend, und so kam es, daß oft Stürmer, Verteidiger, links und rechts Außen, wie auch die Tormänner beider Parteien in einem wüsten Klumpen übereinander lagen. Kam der Hahn Willi ans Leder, dann flog mit dem Ball meist auch ein Holzpantoffel an die harten Schädel der Gegner. Freund Ernst wird bei der Lektüre mit der Zunge an seinem falschen Eckzahn fühlen und sich denken: „Du sei man hübsch stille". Was hatte auch sein Mund an der Spitze meine Ackerstiefels zu suchen? Im übrigen habe auch ich ein Andenken von ihm in Gestalt einer Narbe am Kopf. Wer Eichhörnchen jagen will, sollte die Steine nach dem Ziel und nicht auf den Kürbis seines Jagdgenossen werfen.

Nach Schluß des Getümmels war die Taaler von allen Maulwurfs- und Ameisenhügeln freiplaniert und ein fröhlicher Haufen Invalider hinkte im Gänsemarsch über den Kuhsteig hinauf dem Orte zu. Alle Abgespanntheit und Müdigkeit war vergessen und alle Beulen aus dem Gemetzel wurden lachend in Kauf genommen. Es hat sich was mit dem Sport, auch wenn er nur ländlich geübt wird.

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