Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 92
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Dvojí tvář rodného města – nové čtvrti a rozpadající se stará zástavba Horního Slavkova

Zweierlei Bilder

Von Ernestine Müller, Lehrerin

Vor mir liegen mehrere Ansichtskarten, die mir eine noch in der Heimat weilende Freundin übersandte. Alle zeigen das neue Viertel von Schlaggenwald mit den verschiedenen Häuserblocks, anscheinend auf der Hochfläche gelegen, wo einst die zwei Kapellen standen und der Weg am „Florian" vorbei zum Kohlinger Steig und nach Dreihäuser führte. Aus den Ansichten ist es natürlich nicht zu entnehmen, aber man weiß es ja von den Berichten. Die Häuser sehen gut aus, werden bequemere und modernere Wohnungen bieten als das alte Schlaggenwald; aber sie sind mir fremd, sagen meinem Herzen nichts, könnten ebenso gut in irgend einer anderen Stadt oder sonstwo stehen. Auf jeder der Karten fehlt der Blick zum Krudum und Spitzberg, der mich wenigstens etwas heimatlich berührt hätte. Soweit das neue Schlaggenwald.

Nun liegen sieben Aufnahmen des heutigen alten Städtchens auf meinem Tisch. Herr Marterer, der Herausgeber des Heimatbriefes, hat sie mir freundlicherweise zur Ansicht übersandt. Zwei von diesen Bildern der geschändeten Heimat hatte ich bereits in einem Heft „Unser Sudetenland" entdeckt und war tief erschüttert von dem Anblick des Verfalls. Gleich die erste Aufnahme zeigt ein Trümmergrundstück in der Schlaggenwalder Altstadt mit der Rückseite dreier Häuser. Vergebens suchte ich seinerzeit zu ergründen, um welche Gebäude es sich handelt. Daß es alte Häuser sein mußten, ließ sich schon aus den rundbogigen Fenstern der Hinterfront ersehen. Heute erhielt ich die Bestätigung durch Herrn Marterer, daß es sich nämlich um das Pflughaus (Friseur Dörfel) und die anschließenden Gebäude von Borkenstein-Gärtner und Wirlitsch-Fleischer handelt. Ich hätte beim Anblick der Häuserruinen, die durch Schuttberge und dazwischen wucherndes Gestrüpp noch trostloser wirkten, in Tränen ausbrechen können. Das sollen Wohnungen gewesen sein, in denen einst frohe Menschen lebten und schafften.

Die zweite Aufnahme scheint der Fotograf vom gleichen Standpunkt aufgenommen zu haben, denn sie zeigt wieder das teilweise verfallene Pflughaus und daneben nur Schutthaufen, die verraten, daß da Häuser standen, die man ohne Bedenken einriß. Aber auch die noch vorhanden sind, wirken ungepflegt und düster. Da auf der gegenüberliegenden Seite des oberen Marktplatzes die Gebäude fehlen, bietet sich ein Fernblick, der früher nicht vorhanden war.

Ich nehme das dritte Bild zur Hand, das den oberen Teil des Marktplatzes mit dem Rathaus zeigt. Aufgenommen ist es vom Alten Markt.

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