Faschingsschmankerln
Ältere Leute aus Schlaggenwald sind und bleiben der Ansicht, daß der Fasching nirgends so schön gefeiert wird, als vor Jahren daheim. Doch nicht vom Maschkern oder der Tanzerei und den Maskenbällen soll heute die Rede sein, sondern von den kulinarischen Genüssen zu dieser Zeit.
Da wären zuerst die Mohn- und Salzbrezen zu erwähnen, die durch Generationen von Schlaggenwalder Originalen zur Faschingszeit ausgetragen und abends in den Gasthäusern den anwesenden Gästen, die zum „Maschkererschauen" da waren, angeboten wurden. An den „Ibscher Girch" werden sich nur noch die ältesten Einwohner von Schlaggenwald erinnern können. Aber noch heute kursiert der Ausspruch, wenn im Zweifelsfalle nochmals gefragt wird: „Wer? Nu wer?" — „Da Ibscher Girch!" Dann gab es noch eine Spezialität: Die Pfeffernüßla! In der heimatlichen Sprache auch „Busserln" genannt. Diese gab es während der Faschingszeit beim Reif Vinzenz zu kaufen. Sie waren nicht teuer, für wenig Geld bekam man eine große „Guggern" (Tüte) voll. Sehr gut gewürzte Busserla soll der alte Mürling in der Neustadt hergestellt haben. Er wohnte in dem Haus, das Herrn Gareis Max und seiner Frau, der Siart Resi, zuletzt gehört hat. An den Mürling Zuckerbäcker werden sich ebenfalls nur noch wenige erinnern können.
Die Krönung des Faschings waren halt doch die Faschingskrapfen. Im heimatlichen Dialekt hießen sie „Kraoppen". Warum man das f durch ein zweites p ersetzt hat, wird wohl für immer ein Geheimnis unserer Schlaggenwalder Mundart bleiben. Dafür aber waren diese „Kraoppen" aus dem ff so gut. Also mit zwei ff. Lauscht man ein wenig zurück in die damalige Zeit, so hört man das heiße Ceres und's schweinerne Fett'n im Tiegl spruzln. In jedem Haus wurden zum Fasching Krapfen gebacken und der gute Geruch nach heißem Küchlfett drang bis in die nächste Nachbarschaft und lockte ein paar „Glustriche" an. Denn so wie heute, gab es in der damaligen Zeit nicht jeden Tag Krapfen in den Bäckereien zu kaufen, geschweige denn zu essen. Deshalb waren unsere Faschingskrapfen nur einmal im Jahr eine Rarität und besondere Spezialität. Das Rezept für die „Kraoppen" ging von der Mutter auf die Tochter über, so daß die Krapfen heute noch so gebakken werden wie vor hundert Jahren, als sie in Wien durch einen Zufall entdeckt wurden. Schon der Teig ist viel feiner, als ein anderer Hefeteig. Dazu muß alles schön warm gehalten werden. Beim Auswalken des Teiges gibt man auf die mit einem Glas vorgezeichneten Kreise ein Löfferl voll gute Marmelade. Dann wird ein Teigdeckel darüber gelegt, angedrückt und wieder mit einem Glas fertig ausgestochen. Der dazwischen liegende Teig wird wiederum mit ausgerollt, damit alles bis zum Letzten seine Verwendung findet.
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