Kurz vor Weihnachten kam das alte Spinnrad von der Reparatur, ein neues wurde noch dazu gekauft und nach Neujahr brach der große Tag an, an dem die Rockenstube mit allem Drum und Dran Auferstehung feierte. Die ganze Familie stand um die Großmutter herum, als sie sich zum Rad setzte und mit großer Fingerfertigkeit den Faden laufen ließ. Ich entsinne mich noch gut, wie ihr dabei voll Stolz die Augen leuchteten. Oft mußte sie die Anlernerinnen tadeln. „Zu ihrer Zeit", erzählte sie, „war ein Dorfmädchen, das nicht spinnen konnte, ein schwarzes Schaf." Zur Erläuterung möchte ich anführen, daß daheim in unserer Gegend bis nach dem ersten Weltkrieg das sogenannte Geisenrad üblich war. Erst später wurde das Bockrad eingeführt, wie wir es im Titelbild des heutigen HB sehen können.
Oft erzählte uns die Großmutter, wie sie als junges Mädchen einer Theatervorstellung in Schlaggenwald beiwohnte, in welcher die Ratgeber Salie (Rosalia) ein Bauernmädchen darstellte. In einer Szene werkelte sie, zur Gaudi der Dorfmädchen, recht ungeschickt an einem Spinnrad herum und fegte es beim Aufstehen mit ihrem weiten Biedermeierrock über den Haufen. Das Dienstmädchen wiederum konnte die Geschichte vom jungen Ritter Heinrich von Eichenfels, der sein Kindermädchen heiratete, nicht oft genug hören. Das Strickzeug im Schoß liegend, blickte sie verträumt vor sich hin und dachte wohl daran, daß sie für so einen stolzen Adler auch in den Brunnen springen würde, um den Hochzeiter zu gewinnen. Vorläufig mußte sie sich mit dem Zenken Knechtl begnügen, der von der Ofenbank her wie ein Großwildjäger seine faustdicken Lügen verzapfte.
Gerne denke ich heute noch an die sorglos verschwätzten Rockenabende zurück, die von den Alten mit Erzählungen aller Art gewürzt wurden. Ein Hauch der Vergangenheit durchzog die geräumige Bauernstube. Und wenn der Wind an den Fenstern rüttelte, war es oft, als ob die Geister der Ahnen — schutzsuchend vor dem Getriebe einer fremden und feindlichen Welt — Einlaß begehrten. Wenn heute das entartete Sport- und Sexgepolter über den Bildschirm huscht und mir den Feierabend verekelt, überkommt mich eine Sehnsucht nach der Zeit der verträumten Rockenstuben, der Kindheit und den Märchen der Ahnen.
Ein Anschriftenverzeichnis aller Gfeller Landsleute wird von Frl. Emma Schuster erstellt, die weder Kosten noch Mühe scheut, die jetzigen Wohnorte (Anschriften), die Veränderungen im Familienleben, im Beruf usw. der vertriebenen Gfeller und ihrer Nachkommen zu erfassen. Der Herausgeber des HB bittet daher die Gfeller Landsleute, alle Anfragen von Frl. Emma Schuster lückenlos zu beantworten. Diese Arbeit kommt ja sämtlichen Gfeller Landsleuten zugute.
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