Neues aus Schlaggenwald
In der Weihnachtsausgabe brachte ich den ersten Teil des Augenzeugenberichtes eines Landsmannes, der im Herbst 1962 Schlaggenwald besucht hat. Nachstehend folgt der Schluß dieses Berichtes: „Ich sprach auch mit Tschechen, wobei sie gleich die Frage stellten, ob man von Ost- oder Westdeutschland kommt. Dementsprechend sagen sie dann ihre Meinung. Angst haben sie vor der Bundesrepublik (Ergebnis der Prager Lügenpropaganda! Der Herausgeber). Was die Lebenslage betrifft, so kann man sagen, daß dieses einstige Agrarland heute nicht einmal in der Lage ist, die Bevölkerung ausreichend mit Kartoffeln zu versorgen. So gab es im Herbst pro Kopf nur 50 Kilogramm Einkellerungskartoffel. Dieser Mangel ist nicht weiter verwunderlich, wenn man die Disteln und das Unkraut sieht, das heute auf unseren einst so blühenden, heimatlichen Fluren wächst.
Doch weit schlimmer ist der Eindruck, den man von den Ruinen ehemals bekannter Wohnhäuser erhält. Zwischen den Grundmauern wachsen Hundsbeerstauden. Das ist schrecklich! So wie der abgebrannte Rote Hof ausgesehen hat, genau den gleichen Anblick bieten heute der einst so schöne Tichtelhof und andere Gebäude in der Stadt. Von manchen Häusern ist überhaupt nichts mehr zu sehen. Schon vor längerer Zeit war Schlaggenwald durch den überhitzten Bergbau plötzlich ohne Trinkwasser. In aller Eile mußte das erforderliche Wasser aus der Tepl bei Schönwehr mittels einer Pumpstation über Leßnitz nach Schlaggenwald geleitet werden. So könnte ich noch vieles berichten, aber mir sträubt sich die Feder, all die schrecklichen Eindrücke zu schildern, die der Verfall unserer Heimat bietet."
Soweit der Bericht des betreffenden Landsmannes. In der Jänner-Ausgabe der Bildbeilage „Unser Sudetenland" sind drei Aufnahmen enthalten, die den Verfall unseres alten Schlaggenwald zeigen. Es ist mir gelungen, diese und weitere Aufnahmen von der Verwüstung unserer Heimatstadt zu beschaffen. Es handelt sich dabei um einmalige Bilddokumente eines ausländischen Reporters, der unter großer Gefahr diese Aufnahmen gemacht hat. Es ist klar, daß er diese Bilddokumente nicht verschenken kann. Durch sein Entgegenkommen konnte ich jedoch dieses wertvolle Bildmaterial über das Sudetendeutsche Bildarchiv zu einem tragbaren Honorar für den Schlaggenwalder Heimatbrief erwerben. Mit der Veröffentlichung dieser eindrucksvollen Aufnahmen beginne ich im nächsten Heimatbrief. Damit wird der Wert unseres Heimatblattes bedeutend erhöht! Sorgt daher für eine weitere Verbreitung unseres Heimatbriefes!
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