Sudetendeut-
schen, die Staatsbürger dritter Klasse, aus den nun wie Gespensterdörfer aussehenden ehemaligen schmucken Egerländer Orten in die Bundesrepublik übersiedeln möchten? Ganzstaatliche Verschönerungsaktionen (akce „Z"), unzählige „freiwillige" Brigaden nach Feierabend, „sozialistische Verpflichtungen" und wie die Namen dieser Abräumkommandos immer heißen mögen, sind nicht imstande, aus dem verwahrlosten und mit Tausenden von Ruinen übersäten Land wieder die einstmals blühende und bewunderte schöne Heimat zu machen, weil die Neusiedler einfach die notwendige Bindung nicht zu ihr haben.
Daß unsere Karlsbader Heimat glücklicherweise über dem Durchschnitt des Zustandes des Sudetenlandes liegt, hat vor allem zwei Ursachen: Karlsbad und Uran. Nicht Prag, Pilsen oder Brünn sind in der Welt, vor allem der westlichen, so bekannt, wie der einstige sudetendeutsche Weltkurort Karlsbad. Die äußerst propagandatüchtigen Tschechen haben daher früh versucht, aus Karlsbad das bevorzugte und privilegierte Schaufenster der Tschechoslowakischen Republik zu machen. Nachdem sie es erst gründlich ausplündern ließen, fehlt es nicht an ernsten Bemühungen, Karlsbad wieder etwas von seinem ehemaligen Glanz zurückzugeben. Man hofft, durch Karlsbad in den Besitz der so notwendigen westlichen Devisen zu kommen. Mit dem seit einigen Jahren veranstalteten Internationalen Karlsbader Filmfestival hofft man das seit 1945 ramponierte Ansehen Karlsbads aufzumöbeln. Man muß der Wahrheit die Ehre geben und zugeben, daß es ihnen gelungen ist, diese Filmfestspiele groß aufzuziehen und ihnen hohes Ansehen zu verschaffen. Für wenige Tage im Jahr treffen sich nun alljährlich tatsächlich auf der Posthofwiese und im Hotel Pupp Prominente der Filmleinwand.
Der nach 1948 einsetzende Uranrun zog, ähnlich einem Goldrausch, ein buntes Völkergemisch in das St. Joachimsthaler und Schlaggenwalder Gebiet. Zehntausende Uranarbeiter hausten in Holzbarackenstädten und verdienten nicht schlecht. Unsere Heimat hatte aber davon den wenigsten Nutzen und wurde ihres wertvollen Schatzes rasch beraubt. Orte wie Rabensgrün, Schlaggenwald, Elbogen und Petschau ebenso wie eine Reihe Orte südlich des Erzgebirges erlebten ehemals einen schnellen bevölkerungsmäßigen Strukturwandel. Durch das rasche Anwachsen der Bevölkerung wurde der Verfall etwas gebremst. Darüber hinaus erfuhren manche Orte sogar einen Neuaufbau. Neu-Schlaggenwald, Neu-Schlackenwerth und auch Falkenau sind dafür die besten Beweise.
Leßnitz, einstmals ein rein landwirtschaftliches kleines Dörfchen, wurde zum reinen Bergbauort. Schlackenwerth, einstmals nur als Bahnknotenpunkt bekannt, stellt heute eine „sozialistische Stadt" dar, mit
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