Eine kleine, aber wahre Schnapsgeschichte
Bei den Maurern war es eine alte Gewohnheit, die Arbeit jeden Montag mit einem Viertel Weißen (Kornschnaps) auf Pump zu beginnen und jeden Freitag am Zahltag die Arbeit wieder mit einem Viertel zu beenden. Eine alte Unsitte, die heute im Zuge der Mechanisierung Gott sei Dank der Vergangenheit angehört.
Als Feuerungsmaurer wurden wir in den zwanziger Jahren zu meiner großen Freude wieder einmal in die heimatliche Nähe nach Schlaggenwald zur Ofenreparatur der Porzellanfabrik Sommer & Matschak abgestellt. Ich muß hier erwähnen, daß wir als Essenmaurer übertariflich bezahlt waren und daher ein Ankreiden nicht mehr in Frage kam. Wie üblich, hatte der Hilfsarbeiter jeden Tag vier Viertel Weißen beim Waldert Mani abzuholen, brachte aber eines Tages infolge eines Mißverständnisses vier ganze Liter von diesem köstlichen Getränk. Waldert Mani hatte sich zu seinen Ungunsten geirrt, der Jubelschrei der Maurer war daher berechtigt.
Ein Liter wurde sofort getrunken, die restlichen drei Liter im Porzellanofen versteckt, und zwar im gleichen Ofen, der von uns repariert wurde. Infolge des erhöhten Alkoholgenusses war das Gleichgewicht der Maurer etwas gestört, das verbrannte Gemäuer stürzte ein und die drei Liter gingen in Scherben. Gleich darauf erschien der Fabrikbesitzer, der sich täglich vom Gang der Arbeit überzeugte. Als er die Scherben der Schnapsflaschen sah, meinte er fragend: „Früher war es eine Porzellanfabrik und ihr macht wohl jetzt eine Schnapsfabrik daraus?"
Alois Breitfelder, Töppeles-Haslach
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Lesenswerte Bücher
Dr. O. Schweighart: Fotobuch der Wiesenpflanzen. 328 Seiten (Kunstdruck), 316 Fotos, davon 32 farbig, Ganzleinen 27,— DM. BLV Verlagsgesellschaft, München 3, Postfach 299. — Zu jedem Pflanzenbild sind der Futterwert und andere wichtige Angaben vermerkt, so daß dieses Buch für Landwirte und Naturfreunde gleichermaßen lehrreich ist. Die ausgezeichneten Fotos ermöglichen das Bestimmen von Grünlandpflanzen schnell und sicher. All die vielen unscheinbaren Pflanzen, die wir Jahr für Jahr auf den Wiesen sehen, werden uns hier in botanischer Hinsicht nahegebracht. M.
Das verlorene Gewissen. Von Kurt Ziesel. 8. Auflage, 232 Seiten, gebunden, 17,80 DM. J. F. Lehmanns Verlag, München 15, Paul-Heyse-Straße 26/28. Ein wahres, mutiges und notwendiges Buch, das dazu beiträgt, die einseitige Bewältigung der Vergangenheit zu verhindern und heilende Funktionen in unserem Volkskörper auszuüben. Es gibt nämlich in der bundesdeutschen Publizistik eine ganze Reihe von Leuten, die sich als demokratische Apostel gebärden und andere des braunen Ungeistes bezichtigen. In dem vorliegenden Buch wird an Hand von Belegen nachgewiesen, daß diese demokratischen Schreihälse von heute bis 1945 auf der Klaviatur der Tausendjährigen spielten. Ziesel bringt in seiner erweiterten neuen Fassung nicht nur eine Reihe von neuen Dokumenten, sondern er schildert auch die oft kläglichen Versuche der durch das Buch Betroffenen, sich der darin dokumentierten Wahrheit zu entziehen und die wirklichen Absichten des Verfassers zu verfälschen und ihn zu diffamieren. Es ist erfreulich, daß immer mehr Politiker und staatliche Stellen die Bedeutung dieses Buches erkennen und würdigen. M.
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