Mein Heimatort Rabensgrün
Von Josef Jessl, zuletzt Oberlehrer in Grün
Soweit es mir nach dem Gedächtnis möglich ist, will ich nachstehend einiges über meinen Heimatort Rabensgrün erzählen. Rabensgrün ist ein Dorf, das auf einer Hochfläche östlich vom Kaiserwald und nordwestlich vom Tepler Hochland zwischen den Städten Schlaggenwald, Schönfeld und Petschau liegt (Seehöhe 680 m). Es gehörte zum Landkreis Elbogen und hatte etwa 200 Einwohner. Rabensgrün dürfte schon um 1600 bestanden haben, wobei der Name sicherlich von den grünen Fluren abgeleitet wurde, die von Wald umgeben waren. Wie die geschichtlichen Aufzeichnungen beweisen, hat ein gewisser Haberdietzl in Rabensgrün um das Jahr 1792 das erste Porzellan in Böhmen hergestellt. Diese Erzeugung befand sich im letzten Haus an der Straße nach Schlaggenwald, wo später der Bauernhof des Herrn Anton Christl stand, der langjähriger Gemeindevorsteher von Rabensgrün war. Während sich Haberdietzl mit seiner Porzellanerzeugung nicht durchsetzen konnte, führten die zur gleichen Zeit im Schlaggenwalder Zechtal von Johann Georg Paulus unternommenen Versuche zur Porzellanherstellung zur Gründung der ersten, lebensfähigen Porzellanfabrik in Böhmen, aus der später das weltberühmte Unternehmen Haas & Czjzek hervorging.
[obr] Die Rabensgrüner Kapelle zum Festgottesdienst
In der Nähe von Rabensgrün, in Richtung gegen Schlaggenwald, lag der „Alte Teich" und gegen Schönfeld zu der „Lange Teich", die mit dem von Neudorf kommenden „Flößgraben" in Verbindung standen und dem Bergbau sowohl wie der Fischzucht dienten. Auf der Anhöhe gegen Schönfeld, die man „Das Gericht" nannte, befanden sich zwei hohe Pappelbäume und ein Kreuz. Dort soll früher auch ein Galgen gestanden sein, der auf die mittelalterliche Gerichtsbarkeit der alten Bergstadt Schönfeld schließen läßt. Rabensgrün gehörte zur Pfarrei Schlaggenwald, mit dem es durch eine direkte Straße verbunden war. Um 1930 wurde eine neue Straße von Müllersgrün nach
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