Das Hausbankerl
Von Heinrich Heß, Gfell-Diendorf
So manche schöne Erinnerung im Kreise der Vertriebenen ist an eine schlichte Hausbank geknüpft. Warum sollte man dieser Dienerin süßen Nichtstuns nicht auch einmal einige Zeilen widmen. Die Überschrift könnte eigentlich „Am Brunnen vor dem Tore" heißen, obwohl dieser Vergleich etwas hinkt. Ein Brunnen war da, doch das Tor befand sich auf der anderen Hofseite. Der Lindenbaum wiederum war ein uralter Riese von einem Birnbaum; wer in seine Rinde ein liebes Wort schneiden wollte, hätte an der dicken, eisenharten Borke bestimmt die Klinge abgebrochen.
Dessen ungeachtet ließ sich aber unter einem Birnbaum genau so süß träumen wie unter einer Linde, zumal in seinem Schatten eine bequeme Hausbank als „Traumbett" stand. Auf ihr streckten an schwülen Sommerabenden einige Gfeller Burschen die müden Beine von sich und verzapften ihre Weltanschauung beim blauen Dunst der vielgeliebten „Zora". Hier war der strategische Punkt, von wo aus die Welt erobert werden sollte. Zu jener Zeit träumten die jugendlichen Schwärmer noch von Abenteuern in der weiten Welt und nicht wie heute, in ihren älteren Tagen, von der friedlichen Heimat.
In den Wigwams der Apachen rauchten sie mit Cooper die Friedenspfeife, mit Sven Hedin krochen sie in die transtinkenden Iglu der Eskimos und Lappen. Mit Freiherr von Perfall jagten sie den braunen Bären in der sibirischen Tundra, mit Stanley pirschten sie durch den afrikanischen Busch und mit Fremdenlegionären kämpften sie gegen die Annamiten (Vietnamesen). Auf diesem Bankerl gab der Reservist den ausgemusterten Rekruten Unterricht über das Kasernenhofleben, der junge Weidmann spann sein Jägerlatein und der Student brachte seine Schulweisheit an den Mann. Es wurde fachgesimpelt, politisiert, kritisiert und nicht zuletzt auch das „Thema eins", die Liebe und ihre Folgen gestreift.
Selbst der stille Träumer litt nicht an Langeweile, sofern er für die Reize der Natur empfänglich war. Vom Weiher war im zeitigen Frühjahr die Serenade der Frösche zu hören, Fledermäuse haschten lautlos nach Mücken und im Gestrüpp des nahen Teichdammes balgten sich zwei eifersüchtige Kater. Der Hofhund mischte sich ins Duell und vertrieb die nächtlichen Raufbolde. Aus der Scheune trippelte eine Igelin mit ihren vier Babies. Schmatzend machte sie sich über das Fallobst her und lehrte ihren Nachkommen, wie man sich ohne viel Mühe das Bäuchlein füllt. Auch hier wollte der Hund eingreifen, um den frechen Diebstahl zu rächen. Ein knapper Verweis seines Herrn hielt ihn davon ab. Vorwurfsvoll blickte er seinen Gebieter an. Was
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