Wenn Menschen schweigen, werden Steine reden
Von Heinrich Salzer, Weipert-Bensheim
Als ich im Jahre 1942 zwei Wochen in Elbogen auf Erholungsurlaub war, machte ich fast jeden Tag einen Ausflug in die Umgebung. Vor allem zog es mich oft nach der alten Bergstadt Schlaggenwald mit ihrer großen Vergangenheit. Zunächst begab ich mich zum ehemaligen Bürgerschuldirektor Rudolf Prosch, der das Schlaggenwalder Heimatmuseum betreute und zu einem Anziehungspunkt für die fremden Besucher gestaltet hatte. Er fühlte sich damals etwas unwohl. Ich wollte mich schon wieder entschuldigend entfernen, als er mich zurückhielt.
„Bitte bleiben Sie — das geht ja vorüber", drang er in mich. „Sie sagten, Sie möchten gerne etwas über den hiesigen Bergbau wissen. Nun, die alten Bergleute sind gestorben und die jungen wissen nichts mehr. Aber ich kann Ihnen doch einiges erzählen. Mein Sohn ist nämlich Berg-Ingenieur und ich habe mit ihm die meisten noch zugänglichen Stollen und Schächte untersucht, wobei wir allerhand Erzstufen und Mineralien ans Tageslicht gebracht haben, die Sie in unserem Heimatmuseum besichtigen können. Es gibt hier über hundert verschiedene Mineralien, darunter viele seltene Stücke, ja selbst solche, die man bis jetzt noch nirgends auf der ganzen Welt gefunden hat, wie z. B. den Kappenquarz, der aus lauter kleinen Kristallschälchen besteht, die haargenau übereinander gestülpt sind und aufeinander passen. Eine weitere Seltenheit ist der brennhaltige und ölhaltige Schiefer. Das Zinn, welches hier aus Zinngraupen und Zinnstein gewonnen wurde, war viel reiner und weißer als das englische Zinn, das bekanntlich immer rasch schwarz wurde."
Die Orgelpfeifen sowie der Taufstein mit der Jahreszahl 1581 in der Schlaggenwalder Kirche waren aus reinem Schlaggenwalder Zinn. Ich hätte mich auch gern mit dem letzten Schlaggenwalder Zinngießer unterhalten; aber leider traf ich ihn nicht an. Ich hatte in meiner reichhaltigen Abzeichensammlung noch drei verschiedene Abzeichen von ihm. Es wird heute nur noch wenige Männer geben, die diesen ehedem so verbreiteten Beruf ausüben.
Unter den vielen Schätzen und Kostbarkeiten, die Herr Prosch liebevoll im Schlaggenwalder Museum gesammelt und geordnet hatte, fiel mir eine Wiege besonders auf. Bald aber bemerkte ich, daß dies gar keine Wiege war, sondern ein Butterfaß. Die Bäuerin konnte also mühelos mit dem Fuß Butter ausrühren und gleichzeitig stricken oder eine sonstige Handarbeit verrichten. Ein Beispiel dafür, daß unsere Alten klug und fortschrittlich dachten und handelten — während die heutige Jugend oft mit einer verächtlichen Handbewegung das Alte leichtfertig abtut. Dutzende von Ofenkacheln mit allen möglichen pla-
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
