Meine erste Rundfunksendung über Schlaggenwald
Von Ingenieur Ernst Horner
Bereits vor dem ersten Weltkrieg und auch während desselben fanden an verschiedenen Stellen und von mehreren Nationen allerlei Versuche für drahtlose Übertragungen statt. Da man zu jener Zeit der Ansicht war, daß derartige Übertragungen über glatte Flächen die besten Resultate ergeben, versuchte man solche Sendungen gerne an der See. Soviel mir aus den Vorlesungen meines verehrten Physiklehrers an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag, Prof. Dr. Tuma, in Erinnerung ist, beteiligte dieser sich ebenfalls an derartigen Forschungsarbeiten. Sein Arbeitsfeld hatte er unten an der Adria zwischen zwei Inseln eingerichtet.
Zur Aufnahme eines regelrechten Sendebetriebes in unserem heutigen Sinn kam es aber erst in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre Da wuchsen dann die Sender in allen Kulturländern hintereinander und nebeneinander wie die Pilze nach einem warmen Sommerregen aus der Erde. Selbstverständlich baute man auch für die damalige Tschechoslowakei in der Umgebung von Prag einen Rundfunksender, der von Prag aus das Programm zur Ausstrahlung übernahm. Es ist klar, daß man in erster Linie tschechische Sendungen brachte. Nach verschiedenen Verhandlungen mit den Prager Stellen ist es dann doch gelungen, auch für deutsche Sendungen jeden Tag zunächst eine Zeit von 45 Minuten zu erreichen.
Der Prager Volksbildungsverein „Urania", dessen Leiter der Gymnasialprofessor Dr. Frankl war, wurde mit der Zusammenstellung des Programms betraut. Die Kanzlei der „Urania" befand sich damals im Gebäude des „Handwerkers" in der Prager Smeckagasse, einer Seitengasse zum Wenzelsplatz. Als Mitglied dieser „Urania" kam ich immer wieder in deren Kanzlei und erfuhr auch ständig die Zusammenstellung des Sendeprogramms. Dabei reifte in mir der Gedanke, einmal etwas über unsere eigene Heimat zu bringen. Da man Städtebilder allein nicht besonders liebte, sondern mehr geschlossene Landschaftsbilder mit kurzer Beschreibung der darin liegenden Städte und sonstigen Siedlungen bevorzugte, entschloß ich mich für das Thema über den Kaiserwald unter besonderer Berücksichtigung der vulkanischen Erscheinungen dieses Gebietes, der zahlreichen Säuerlinge und schließlich auch der alten Bergstädte, unter denen Schlaggenwald eine ganz besondere Rolle als Zinnbergbaustadt im Mittelalter spielte. Ein kaiserliches Bergoberamt regelte den ganzen Bergbaubetrieb und Schlaggenwalder Zinn ging in die ganze Welt. Nunmehr liege der Bergbau still. Schlaggenwald hat aber eine wunderschöne landschaftliche Lage und sei nun als Sommerfrische sehr zu empfehlen.
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