In Schlaggenwald vor 50 Jahren
Ein Lebensbild unserer Heimatstadt vom Jahre 1912. Nach Meldungen in der „Elbogener Zeitung", zusammengestellt von Ingenieur Ernst Horner. (3. Fortsetzung und Schluß)
Schlaggenwald, 18. Oktober 1912: Am vergangenen Sonntag wurde der k. u. k. Oberst i. R. Reif von Schlaggenfels unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Schlaggenwalder Friedhof beigesetzt. Auch das Schützenkorps nahm mit Fahne und Musik an dem Begräbnis teil und gab am offenen Grab eine General-Decharge ab. Der Verstorbene stand im 82. Lebensjahr und diente von der „Pike" auf. Er kämpfte 1864 in Schleswig-Holstein, 1866 in Böhmen und erwarb sich hierbei das Offizierspatent. Als Major wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben. Er war Dragoneroffizier und in seinen letzten Dienstjahren Kommandant der 1. Train-Division in Premysl (Galizien).
Mitte November kehrte der Stadt- und Distriktsarzt Dr. Gustav Singer von einem Studienurlaub in Berlin zurück und nahm seine Praxis wieder auf. Auch setzte er seine durch die Reise unterbrochenen Übungen der Sanitätsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr jeden Donnerstag in Schöberls Gasthaus (Sacher) fort. — Im November wurde der k. k. Gendarmerie-Wachtmeister Anton Unger aus Graslitz zum Kommandanten des Gendarmeriepostens in Schlaggenwald ernannt. — In ihrer Sitzung vom 27. November beschloß die Direktion der Städtischen Sparkassa in Schlaggenwald, ab 1. Jänner 1913 den Zinsfuß bei Spareinlagen von 4 auf 4½ Prozent, den Zinsfuß für Hypothekdarlehen und für eskomptierte Wechsel um ½ Prozent zu erhöhen.
Mit einem traurigen Ereignis schließen die Notizen über Schlaggenwald für das Jahr 1912: Die Gattin des auf der Hub wohnenden Schneidermeisters Müller, Mutter von sechs Kindern, wollte am Weihnachtsmarkt von einem Wagen verschiedene Waren abladen, um damit den Verkaufsstand herzurichten. Sie stürzte dabei so unglücklich vom Wagen, daß sie eine Gehirnerschütterung mit Gehirnblutung erlitt und nach drei Tagen starb.
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