D' Milchweiwa
Von Heinrich Heß, Gfell-Diendorf
Wer kann sich noch an sie erinnern, an die sogenannten „Milchweiwa?" Tag für Tag konnten wir sie mit ihrem Hundegespann auf der Straße sehen. Schon in den frühen Morgenstunden mußten diese fleißigen Frauen und Mädchen losziehen, damit die vielen Abnehmer rechtzeitig mit frischer Milch versorgt wurden. Damals gab es noch keine zentrale Milchwirtschaft, wie wir sie heute kennnen. In jener Zeit waren die Milchweiwa die Makler und Mittler, die den Lebensmittelmarkt belebten und dafür sorgten, daß neben der Milch auch Butter, Eier, Geflügel und Obst den Weg zum Konsumenten fanden und so der Taler in das entlegenste Dorf rollte. Selbst Schlachtvieh und Winterkartoffel wurden durch die Milchweiwa vermittelt.
Ein Grübler errechnete einst, daß in den dreißiger Jahren während der Wiesendrainage und der Elektrifizierung des Ortes eine halbe Million tschechische Kronen innerhalb eines Jahres aus Gfell flossen. Dies wäre kaum möglich gewesen, wenn nicht die Händler zur Kräftigung der wirtschaftlichen Substanz des Ortes maßgebend beigetragen hätten. In Gfell gab es nach dem ersten Weltkrieg bis zu 15 Milchhändler, die neben der Milch auch andere bäuerliche Produkte nach Karlsbad, Elbogen, Grünlas und Neusattel verfrachteten.
Nun soll aber keiner glauben, daß der Milchhandel, wie er von unseren Milchfrauen betrieben wurde, eine Spielerei gewesen wäre. Bereits um vier Uhr früh begann für diese emsigen Frauen das Tagewerk. Der Hund wurde eingespannt, sofern er nicht auf Liebespfaden wandelte und erst gesucht werden mußte. Während der Fahrt waren die Milchweiwa das ganze Jahr über den Unbilden der Witterung ausgesetzt. Im Winter mußten sie auch bei grimmiger Kälte losziehen, wobei sie oft genug mit meterhohen Schneewehen zu kämpfen hatten. Die täglich zurückgelegte Wegstrecke betrug meist 30 Kilometer! Wenn sie dann um zwei oder drei Uhr nachmittags heimkamen, konnten sie sich nicht hinsetzen und ausruhen, sondern mußten schon wieder die Milch für den nächsten Tag zusammentragen. Dieses enorme Arbeitspensum wurde meist von alleinstehenden Frauen bewältigt, die ob dieser gewaltigen Leistung heute noch Anerkennung verdienen.
Daß es bei diesem Betrieb auch zu grotesken Zwischenfällen kam, sei hier nur am Rande vermerkt. Das Milchwagerl wurde stets von ein bis zwei Zughunden gezogen. Einst war in Gfell des Herrn Lehrers winzige Zwergpinscherhündin hitzig und erfreute sich eines regen Zuspruches aller großen Zughunde. Die kleine Hundedame stand allerdings unter Hausarrest. Dessen ungeachtet saßen die Köter der Reihe nach die ganze Nacht vor der Schule und warteten geduldig auf die
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
