Die ehemals freie Bergstadt Schlaggenwald
Von Universitäts-Professor Dr. R. Schreiber, Gießen
1. Fortsetzung
Die Herstellung von Zinngegenständen erfolgte in früherer Zeit durch die Verwendung von Metallformen aus Bronze oder Temperguß. Um einen Zinnteller herzustellen, brauchte man zwei Formteile, die im Zinnbad vorgewärmt und dann in eine Holzpresse gespannt wurden. Das flüssige Zinn wurde hierauf in die Presse gegossen, wobei man das Abkühlen durch Auflegen von feuchten Lappen beschleunigte. Nach dem Erkalten der Form wurde der Teller herausgenommen, auf einer Drehbank abgeschliffen und poliert. Andere Gegenstände waren natürlich wesentlich schwieriger herzustellen, besonders wenn sie aus mehreren Teilen bestanden. Das Zinngießen und die Nachbearbeitung setzen eine große Erfahrung voraus, die nur durch eine langjährige Praxis erworben werden kann. Die Schlaggenwalder Zinngegenstände sind durch eine eingeschlagene Zinnmarke leicht zu erkennen. Sehr häufig findet man in den deutschen Museen, besonders im Germanischen Museum zu Nürnberg, aber auch im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart noch zahlreiche, sehr wertvolle Gegenstände aus den ehemaligen Zinngießereien. Eine besonders schöne Sammlung von Zinngegenständen befand sich im Museum von Schlaggenwald.
Die in Schlaggenwald geförderten Erze waren aber nicht nur reich an Zinn, sondern auch an Silber und sogar Wolfram; dieses sonst in ganz Deutschland seltene Metall wurde ebenfalls in Schlaggenwald gewonnen. Während des ersten und besonders auch während des zweiten Weltkrieges wurden die alten Halden und Stollen nach Wolframerz wieder umgegraben und durchsucht. Als die Blütezeit des Zinnbergbaues vorüber war, entstand in Schlaggenwald die erste Porzellanfabrik des Sudetenlandes, die vielen Bewohnern Arbeit und Brot gab.
Doch nicht nur auf dem Gebiet des Bergbaues und der dadurch entstandenen Gewerbe war Schlaggenwald im Mittelalter berühmt, auch auf kulturellem Gebiet stellte Schlaggenwald vor allem durch seine Lateinschule eine Berühmtheit dar. Aber bei der Gründung einer bloßen Lateinschule blieb es in Schlaggenwald nicht, sondern auch Griechisch und sogar Hebräisch wollte man jetzt erlernen. Auf diese Weise kam die kleine Bergstadt Schlaggenwald im Egerland zu einer Art „Hohen Schule", an deren Gründung der protestantische Prediger Philipp Melanchthon regen Anteil nahm. An dieser Schule wirkte auch ein damals berühmter Orientalist, also ein Kenner des Orients, Christoph Crines, vorher Magister, das heißt Professor an der damaligen Universität Wittenberg. Crines ist der Verfasser des ältesten
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