Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 85
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170 let slavkovského porcelánu

170 Jahre Schlaggenwalder Porzellan

Roman von Czjzek, Wien

War es zur Wende vom Mittelalter zur Neuzeit das Zinn, das die Kunstfertigkeit der Schlaggenwalder, ihre handwerkliche Tüchtigkeit und damit ihren Namen über die Grenzen des Landes hinaustrug, so war es vom Anfang des 18. Jahrhunderts an bis zu dem verhängnisvollen Jahr 1945 das Porzellan. 1792 entstand — zuerst klein und gar nicht verheißungsvoll — die erste Porzellanfabrik auf Schlaggenwalder Boden, zugleich die erste Böhmens überhaupt.

170 Jahre, kein besonderer Anlaß zu feiern, doch immerhin sich zu erinnern, wie es war, und vielleicht auch ein wenig wehmütig daran zu denken, wie es sein könnte. Zweimal schon haben die Schlaggenwalder Heimatbriefe (in den Nummern 3 und 21) die Geschichte dieser Fabrik erzählt. Ich will mich daher heute nur auf den Bericht über jene Zeit beschränken, da ich selber in innigem Kontakt mit dem Betrieb stand.

Nur eine sehr kurze Spanne Zeit war es mir vergönnt, die Geschicke dieses großen, so bedeutenden Werkes zu leiten. Als ich vor 30 Jahren meinen Wohnsitz von Wien nach Marienbad verlegte, um mich einer Reihe äußerst schwieriger Vermögensfragen der Familie anzunehmen, war ich in Schlaggenwald nahezu ein Fremder. Unter den Fragen, die zu lösen waren, stand nicht zuletzt jene der großen Verschuldung der Firma Haas & Czjzek, die großenteils in der Wirtschaftskrise ihre Ursachen hatte. In eingehenden Besprechungen mit Baronin Haas und Direktor Neidhart wurde nach Wegen gesucht, wie da abzuhelfen wäre. Ein Betriebsberater, den wir einige Wochen beschäftigten, konnte uns nicht helfen, wohl aber gewisse Andeutungen geben, welche Wege zu beschreiten waren.

Diese Tätigkeit brachte mich immer mehr in Berührung mit den Angestellten und Arbeitern der Fabrik. Als dann im Herbst 1934 Direktor Neidhart schwer erkrankte und ich mich der Geschäfte in zunehmendem Maße annahm, kannte ich wohl schon alle Mitarbeiter so weit, daß ich wußte, wer eine wertvolle Hilfe an dem Aufbauwerk, das ich mir vornahm, sein würde. Ja, denn aufzubauen gab es viel in dieser Fabrik.

Nach dem Tode Direktor Neidharts übernahm ich am 1. April 1935 die Leitung. Die beiden ersten Jahre stellten mir die schwersten Aufgaben. Genaue Kalkulationen ergaben, daß eine Reihe von Formen in der Herstellung zu kostspielig waren und aus dem Erzeugungsprogramm genommen werden mußten. Dadurch sanken vorerst einmal die Verkaufsziffern, es ergaben sich Umstellungen in den Absatzmärkten. Ein Teil der Belegschaft mußte in den schwersten Jahren der Wirtschaftskrise feiern. Es ist nur zu verständlich, daß da-

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