Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 84
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Slavkovští „Berlíňané"

Die »Berliner« Schlaggenwalder

Was haben die Bewohner Berlins in den vergangenen Jahren nicht alles ertragen müssen: Die Teilung ihrer Stadt in vier Sektoren, Isolierung, Hungerblockade und seit dem 13. August 1961 die Ulbrichtsche Schandmauer, die Familie von Familie trennt. In dieser Stadt, von deren Schicksal auch das Schicksal Gesamtdeutschlands und Europas abhängt, leben viele Sudetendeutsche, die zum Teil schon vor 1945 dort wohnten, zum Teil durch die Vertreibung in die ehemalige Reichshauptstadt kamen. Unter ihnen finden wir auch einige Schlaggenwalder.

Nach den mir vorliegenden Unterlagen wohnen folgende Landsleute aus dem Schlaggenwalder Kirchsprengel in Westberlin: Marie Finger (Postbeamtin), Haberer Eduard (Zech), Häckerlich Marie (Seifertsgrün), Klement Ernst (Gfell), Leist Willi (Tanzlehrer), Ludwig Marie, geborene Dörfl (Kürschner Marie, Seifertsgrün), Frau Tyll, geborene Dörfel und ihr Bruder Josef (der Vater war nach dem ersten Weltkrieg Bürgermeister in Schlaggenwald und Konsumverwalter, später nach Chodau übersiedelt).

Früher wohnten in Berlin noch Reif Willi (Sohn von Reif Heinrich, Leßnitzgasse) und seine Schwester, sowie Loni Dohrow, geborene Marterer, die sich in der Bundesrepublik aufhalten. Ob sich auch in Ostberlin Landsleute aus dem Schlaggenwalder Kirchsprengel befinden, entzieht sich meiner Kenntnis. Nach Westberlin gehen fünf Schlaggenwalder Heimatbriefe.

Landsmännin Marie Häckerlich wohnt neben dem Schöneberger Rathaus, so daß sie Augenzeugin aller Ereignisse ist, die sich dort abspielen. In einem Brief schrieb sie mir: „...haben wir die schwere Zeit der Blockade 1948/49 überstanden, so werden wir auch diese Mauer überstehen." Obwohl ihr Berlin zur zweiten Heimat wurde, ist sie eine treue Egerländerin und Schlaggenwalderin geblieben, die 40 Jahre der Eghalanda Gmoi z'Berlin angehört und dafür mit der Bundesehrennadel ausgezeichnet wurde.

Es ist ein schöner Beweis der Standhaftigkeit, wenn in dem bedrängten Westberlin auch Schlaggenwalder Landsleute leben und dieser vorgeschobenen Bastion der Freiheit die Treue halten. Mögen sie und wir alle den Tag erleben, an dem Berlin wieder die Hauptstadt eines in Frieden und Freiheit wiedervereinigten Gesamtdeutschlands ist. Die Berlin-Kundgebung des Sudetendeutschen Tages 1961 in Köln hat gezeigt, daß die Berliner und die Sudetendeutschen das gleiche Anliegen haben: die Anerkennung des Rechtes auf Heimat und Selbstbestimmung.

Marterer

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