Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 132 (květen 1973)
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Školní výlety

Schulausflüge

„Das Wetter ist heiter, der Tag ist schön, wir bitten den Herrn Lehrer ins Freie zu geh'n." Diese Bitte an den Schulleiter stand mitunter bei Beginn des Nachmittagsunterrichtes an der Schultafel aufgezeichnet.

Nachdem Herr Porsch selbst eine Schwäche für die Landschaft hatte, wurde diesem Wunsche oft stattgegeben und ein Nachmittag der Naturgeschichte im Freien gewidmet. Außer Schlangen, Blindschleichen und Vögeln lernten wir bei der Gelegenheit auch eine ganze Menge eßbarer Pilze kennen, die wir vordem nicht beachtet hatten. Herr Porsch verstand es bei diesen Wanderungen ausgezeichnet, unseren Blick für die Natur und deren Geschöpfe zu schärfen. Grün-, Bunt- und Schwarzspechte sowie Greifvögel und Eichhörnchen boten reichen Stoff für den Unterricht, da sie noch in rauhen Mengen anzutreffen waren. Heute hängen diese Geschöpfe präpariert und verstaubt in den Zimmern von Leuten, die vorgeben, edles Waidwerk und Naturschutz zu betreiben. Wie lange noch und die letzte Zier der Landschaft liegt im Müllhaufen begraben.

Um den Sport genüge zu tun, wurde ein Wettrennen veranstaltet, oder Herr Porsch teilte die Rabauken in zwei gleichstarke Gruppen und ließ sie gegeneinander los. Mit einem schmissigen Wanderlied wurde schließlich der Heimweg angetreten.

Auch Ausflüge in die weitere Umgebung scheute Oberlehrer Porsch nicht. So besuchten wir in Begleitung vieler Erwachsener das Stift Tepl. Ich entsinne mich, daß uns beim Eintritt ins Museum ein komplettes menschliches Knochengerüst gegenüberstand, welches den Tod verkörpernd, eine Sense geschultert hatte. Weiters war ein ausgestopfter weißer Rehbock zu bestaunen und vieles andere mehr, was für einen 7jährigen Buben gar nicht zu überblicken war. Eine Bibliothek mit 30 000 Bänden und alten Schriften unter Glas konnte mir wenig Interesse entlocken. Am Weg zu den Clausuren mußten wir durch einen Kreuzgang, der für Frauen jeglichen Alters verboten war. Als sich die alte Klurzin und die Putzn Rola doch einschlichen, wurden sie vom führenden Pater mit giftigen Worten des Ortes verwiesen. Im Gang waren Randmalereien zu sehen, deren eine mir wegen der bestialischen Darstellung noch heute im Gedächtnis haftet. Brutale Kriegsknechte stießen mit den Füßen nach weinenden Müttern, deren Säuglinge auf den Hellebarden der Unmenschen aufgespießt waren. „Menschliche Bestien in jedem Zeitalter".

Jahre später führte uns Herr Porsch über „Hans Heiling" nach Karlsbad zu einer Gastvorstellung des Zirkus Henry. Unter den tierischen Künstlern gab es selbstverständlich auch Elefanten und gerade auf diese Kolosse mußte ich in der Bürgerschule hereinfallen. Mitten im Unterricht fragte Schuldirektor Porsch nach der Haarfarbe der Elefanten und ohne zu überlegen sagte ich „grau", womit ich in seine Falle getappt war. Unter den vielen Exoten war mir gar nicht aufgefallen, daß Elefanten unbehaart sind.

Ausflüge mit religiösem Charakter wurden ferner mit den Müttern nach Maria Kulm und Altkynsberg (Loretto) gemacht. Letztere von uns Jungen weniger aus Glaubenseifer als vielmehr wegen des Gaffens bzw. der Renommie aufgesucht. Die Räuberhöhle in Kulm und den hohen Turm in Loretto — wo der Stifter des Tepler Klosters „Hrosnata" gefangengehalten wurde — mußte man einmal gesehen haben, um angeben zu können. Bis Eger wurde mit der Eisenbahn gefahren. Dort habe ich zum erstenmal ein vollständiges Infanterie-Regiment mit Tschingderassa vom Übungsplatz einrücken sehen. Waren dies keine Erlebnisse?

Wem immer es zu danken ist, auch die Kindheit auf dem Lande hatte ihre Reize, deren Eindrücke bis ins reifere Alter reichen.

Heinrich Hess

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