## Nachtrag zum Auerbacher Bürgerfest 2011
Der Auerbacher Lehrer i.R. und Chronist Rudolf Weber, hilfreich und uns stets wohlgesonnen, schrieb im Stadt-Anzeiger Monat Juli zum festlichen Thema u.a. einen Beitrag über uns, die Patenkinder der Stadt, mit dem Titel „Die Schlaggenwalder":
Sie sind die „dienstälteste" Gruppe, mit denen die Stadt Auerbach ein paten- bzw. partnerschaftliches Verhältnis pflegt; im Jahr 2006 konnte bereits „50 Jahre Patenschaft" gefeiert werden.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und nach der rechtswidrigen Vertreibung aus der angestammten Heimat kamen zahlreiche Heimatvertriebene auch nach Auerbach und sorgten hier mit dafür, daß es in unserer Stadt wieder aufwärts ging. Unter diesen, oft fälschlicherweise „Flüchtlinge" Genannten, befanden sich auch mehrere Bewohner der Stadt Schlaggenwald im Egerland. Schlaggenwald lag etwa 15 km südwestlich von Karlsbad in einem Talkessel des Kaiserwaldes. Die meisten der Bewohner wurden aus ihrer Heimat vertrieben, und Tschechen, die neuen Bewohner, haben das Gesicht dieses einstmals schmucken Städtchens grundlegend verändert! Horní Slavkov heißt der Ort heute.
Die Übernahme der Patenschaft über die Schlaggenwalder durch die Stadt Auerbach fand im Rahmen einer großen Feierstunde im (1995 abgebrochenen) Pfarrsaal beim Caritasheim (heute St. Hedwig) anläßlich des 6. Heimattreffens am Samstag, den 11. August 1956, statt. Der damalige 1. Bürgermeister Fritz Finsterer übergab an die Bürger von Schlaggenwald eine Urkunde. Darin heißt es u.a.: „Die Bürger der beiden Bergstädte werden für alle Zukunft bemüht sein, in inniger Freundschaft immer mehr zusammenzuwachsen ..." Diesem vor 55 Jahren festgelegten Ziel wird auch das Wiedersehen beim Auerbacher Bürgerfest 2011 dienen, selbst wenn der Kreis der Schlaggenwalder Patenkinder immer kleiner wird. Tod und zunehmendes Alter ermöglichen leider nur mehr wenigen ehemaligen Schlaggenwaldern die Teilnahme am Auerbacher Bürgerfest. Unseren Gästen aus dem früheren Schlaggenwald ein herzliches Glückauf!
Weitere Beiträge von Rudolf Weber im Stadtanzeiger bezogen sich auf die Patenschaft der Stadt über das Minensuchboot „Auerbach" der Bundesmarine (früher „Neptun") und seine Besatzung, auf die Partnerschaft mit der französischen Stadt Laneuveville devant Nancy (wörtlich übersetzt: Die neue Stadt vor Nancy) und auf die polnische Stadt Oswiecim (Auschwitz).
## Da ich die Heimat wiedersah ...
Jetzt weiß ich erst, woher ich komme,
da ich die Heimat wiedersah.
Ich bin ganz Wurzel ihrer Erde
und fühle mich dem Ursprung nah,
wie nie zuvor.
Jetzt bleibt mir, alles zu ermessen:
Wie tief man uns im Mark verletzt,
auch, daß das schönste Fleckchen Erde
der Heimat Zauber nie ersetzt,
die ich verlor.
Doch offenbart sich wie ein Wunder,
wie stark ihr Herz in meinem schlägt,
so daß ich Glück im Schmerz empfinde,
das sich als Dank nun weiterträgt
zu IHM empor.
Elfriede Frank-Brandler, *1927 in Neusattl b. Elbogen, Egerl. Lyrikerin
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## „Heimreise"
Unser Lm. Edmund Breitfelder (Jg. 1934), schreibt über eine Besuchsfahrt in die alte Heimat:
Am letzten Wochenende im Juli bot sich mir die Gelegenheit, mit der Familie meines Sohnes in unsere alte Heimat zu fahren und ihr, vor allem auch den Enkeln, die Orte ihrer Vorfahren und meiner Jugenderlebnisse zu zeigen. Leider wollte das Wetter nicht mitspielen, denn es regnete.
Von der Glatze durch den Kaiserwald kommend, vermittelte die Landschaft um die verschwundene Bergstadt Lauterbach den Eindruck einer einsamen, unwirtlichen Waldsteppe, einer „Taiga". Nur ein Gedenkstein und Informationstafeln erinnern noch an den Ort.
[obr] Unsere ehemalige St.-Georgs-Kirche am Friedhof. Oben am Kirchturm sieht man den erneuerten Rundgang um die frühere Türmerwohnung, am Fuße den holzverschalten Aufgang (mit Baugerüst); rechts – an der Ostseite der Kirche – verdeckt dichtes, dunkles Gerank (?) die eingebrochene Mauer um das hohe Kirchenfenster. Dort gähnt eine Öffnung (Loch). Die Szene wirkt leer und ausgeräumt, da die Bäume im Umfeld der Kirche entfernt wurden; es fehlen auch die Epitaphien an der südlichen Längsseite der Kirche. Der Zutritt zum Innern des Gotteshauses ist nicht möglich.
In Schönfeld überraschte uns die ansprechend renovierte Kirche. Ein erfreuliches Zeugnis für das Interesse an der Bewahrung des historischen Erbes! Auch der Markt bot einen recht sauberen, wenn auch wegen des Regens menschenleeren Eindruck. Die offene Kirchentür hatte uns neugierig gemacht und zu einem kurzen Zwischenhalt angeregt.
Schlaggenwald, die größte der drei ehemaligen Bergstädte, kündigte sich dann mit der alten Eisenbahnbrücke an der Oberen Gasse an. Dahinter ist von der Welt meiner Kindheit leider nur Bruchstückhaftes übriggeblieben, und vom neuen Stadtteil, entstanden in der sozialistischen Ära mit der Ausbeutung der Uranerzvorkommen, sieht man von der alten Straße aus so gut wie nichts.
Leider ließ der Dauerregen nur eine ausgedehntere Rundfahrt statt des geplanten Rundgangs zu. Die wenigen erhalten gebliebenen historischen Gebäude sind, zumeist äußerlich, in halbwegs ansehnlichem Zustand, und der deutsch-tschechische Stadtführer versäumt nicht, ausführlich darauf hinzuweisen. Umso enttäuschender ist der Zustand der zwei geschichtsträchtigen Kirchen, vor allem von St. Georg, einem der Wahrzeichen von Schlaggenwald. Der wiederhergestellte und zugängliche Umgang am Kirchturm wahrt den äußeren Schein, und das neugedeckte Dach verhindert den weiteren Verfall der bald fünfhundert Jahre alten Kirche. In das wohl immer noch ruinöse Kircheninnere war aber kein Blick möglich. Inmitten des verfallenden Friedhofs verblieb insgesamt ein Eindruck von Verlassenheit und Mangel an Verbundenheit mit den ehrwürdigen Zeugnissen der Heimat. Schade, auch Schlaggenwald hätte wohl sehenswerte alte Kirchen. Vom Bild der alten Stadt läßt noch der Ausblick vom Turm etwas erahnen. –
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