## Liebe Landsleute!
Nun sind schon wieder etliche Wochen ins Land gegangen, seit der 65. Sudetendeutsche Tag an Pfingsten in Augsburg stattfand. Das große Treffen in der schwäbischen Metropole, die auch Patenstadt von Neudek und Reichenberg ist, stand diesmal unter dem Leitspruch „Geschichte verstehen – Zukunft gestalten". Ich muß zugeben, daß sich mir Bedeutung und Konsequenzen dieses Mottos auch bei längerem Nachsinnen bis dato nicht so recht erschließen.
Leider konnte ich an dieser jährlichen, traditionsreichen Veranstaltung der heimatvertriebenen Sudetendeutschen und ihrer Nachkommen nicht teilnehmen, so daß die gewohnten Ausführungen darüber entfallen müssen. Presse und Fernsehen brachten ja dazu ausreichend Informationen.
Die Besucherzahl dürfte wieder kleiner geworden sein, Gott sei's geklagt. Aus unserer Gegend kamen nicht einmal genügend Teilnehmer für einen Omnibus zusammen. Einige wenige benutzten den eigenen fahrbaren Untersatz, um nach Augsburg zu kommen. Es gab durchaus Landsleute, die gerne dabeigewesen wären, sich aber nicht reisefähig und den Strapazen nicht gewachsen fühlten. Zudem war es an diesem Wochenende sehr heiß! Und wer die Altersangaben in den Geburtstagslisten der Heimatbriefe liest, muß dafür Verständnis aufbringen.
Zeitungsberichten zufolge standen auch bei diesem Pfingsttreffen die nicht nur in der Politik umstrittenen Beneschdekrete, mit denen damals wie heute die Entrechtung, Enteignung und Vertreibung von uns Sudetendeutschen begründet wurde, und die nachdrückliche Forderung an die Tschechen, sich davon „zu distanzieren", erneut zur Diskussion. Prompt trat der amtierende Ministerpräsident der ČR, Bohuslav Sobotka, auf den Plan und wies, wie immer, die Forderungen zurück. Seine Regierung, so hieß es, sähe keinen Anlaß, die Beneschdekrete in irgendeiner Weise anzuzweifeln und eine Debatte über diese Frage zu eröffnen. Es bestünde kein Grund, warum die Vergangenheit die derzeit ausgezeichneten Beziehungen sowohl mit Deutschland als auch mit Bayern belasten sollte!
Na also, und damit Punktum!
Heimatfreunde! Sehen so Einsicht, ehrliches Aufarbeiten der belastenden Vergangenheit, Zeichen der Verständigung oder gar „Versöhnung" aus?
Die Tschechen wissen genau, weshalb sie sich so vehement gegen eine Aufhebung der besagten Dekrete – ex nunc, d.h. von jetzt an oder ex tunc, d.h. von Anfang an? – wenden, und wir wissen es auch!
Zur Einführung eines besonderen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Verschleppung (Deportation) – in Bayern ist dafür der 14. September ausersehen – fast 70 Jahre nach den unheilvollen Ereignissen: Besser spät als nie!
Über die festlichen Veranstaltungen unserer Patenstadt Auerbach i.d.Opf. – das Altstadtfest fand vom 4. bis 6. Juli statt – wird erst im nächsten Heimatbrief zu berichten sein, sofern Teilnehmer aus dem Kreis unserer Landsleute mich darüber informieren. –
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