In der Zech legten wir beim Brandl-Wirtshaus noch eine Rast ein. Der Großvater hatte als Sattler unter Bauern und Fuhrleuten wegen der vielen zerrissenen „Untakummats" (Geschirre), Zügel und Peitschenstecken einen großen Bekanntenkreis. Einige von ihnen traf er in der Wirtsstube, beteiligte sich lebhaft an der Unterhaltung und ließ mir auch einmal einen Zug aus seinem Bierglas tun. Die Erlebnisse des Tages, das aufregende Gefühl, unter richtigen Männern zu sitzen, und der Schluck guten Bieres (Schlaggenwalder Bergbräu ließ grüßen!) mögen eine tiefe Wirkung ausgeübt haben, habe ich doch alles noch so frisch im Gedächtnis, als wäre es gestern gewesen.
Woher meine guten Kenntnisse „vom Gebrenn" kommen? Ich hatte die seltene Gelegenheit, Holzmachen in der Schule zu lernen. Manchen Meter mußte ich mitsägen und hacken, weil mein Vater während des Krieges dort Schuldener war. Schließlich sollten im Winter die eisernen Kanonenöfen in den Klassenzimmern Lehrer und Schüler ein wenig wärmen.
Der Einsatz von Holz als bewährtes Heizmaterial ist – man staune! – auch in unseren Tagen wieder sehr gefragt. Wer hat nicht Freude daran, wenn er es für die kalte Jahreszeit sicher unter Dach und Fach im Trockenen weiß? F.P.,
nach einem Beitrag unseres kundigen Lm. Herbert Jakob, Groß Umstadt, im Heimatbrief Folge 157 (Sept. 1979)
## Blick nach „drüben"
Es wird berichtet, daß
– das Rennen um das Amt des tschechischen Staatspräsidenten, der im März 2013 erstmals direkt vom Volk gewählt wird, bereits im vollen Gange ist. In der Gunst der Wähler steht ganz vorn der parteilose ehemalige Ministerpräsident Jan Fischer mit etwa 25 Prozent; danach folgen der frühere soz. demokr. Premier Miloš Zeman (18%), Jiři Dienstbier jun. (8%), soz. dem. Vizechef und Senator. Außenminister und Vorsitzender der mitregierenden rechtslib. Partei TOP 09, Karel Schwarzenberg, liegt in der Umfrage bei knapp sieben Prozent. (Stand: Mitte Oktober 2012)
– die tschechische Regierung den Ausbau der Uranförderung im eigenen Land plant. Die letzte Uranmine (in Mitteleuropa) befindet sich in Roschna (Rožná) in der Böhmisch-Mährischen Höhe. Förderleistung 2011 224 t Uranerz, wirtschaftlicher Abbau angeblich noch fünf Jahre möglich. Die Planung erstreckt sich auch auf neue Förderstätten. Das Konzept sieht in Zukunft eine verstärkte Nutzung der Kernenergie vor. (Anm.: Ob man auch am Rande des Kaiserwaldes noch einmal fündig würde?)
– Meinungsumfragen zufolge die überwiegende Mehrheit der Tschechen nicht daran glaubt, daß es gut und richtig wäre, sich über den Raub sudetendeutschen Eigentums überhaupt Gedanken zu machen. Nach Milan Kubes, tschechischer Journalist.
– der Rechtsstreit um die Erhaltung des „Kulturerbes", um das einst weltberühmte Kurbad Gießhübl-Sauerbrunn, nahe Karlsbad egerabwärts gelegen, nun vor einem Prager Gericht weitergeht. (Apropos „Kulturerbe": Kann jemand die Frage beantworten: „Wer von den vertriebenen Sudetendeutschen hat den Tschechen etwas 'vererbt'?") Die Kontrahenten sind: Firma „Karlsbader Mineralwasser AG" und die „Assoziation für den Schutz und die Entwicklung des Kulturerbes der Tschechischen Republik"; letztere erhält Unterstützung von Rudolf Mattoni, dem Urenkel des Gießhübl-Gründers Heinrich Mattoni. Die Sachlage ist reichlich verworren.
– die Stadt Eger (Cheb) großen Wert auf den sudetendeutschen Touristen legt. An mehr als 90 historischen Gebäuden wurden dreisprachige Schilder (Deutsch, Tschechisch, Englisch) mit Erläuterungen angebracht.
– der im Jahre 1884 am Keilberg (1.244 m) erbaute Aussichtsturm vom Eigentümer, der Gemeinde Gottesgab (Boži Dar), renoviert wird. Dazu fließen auch Fördergelder der EU. Bauende: Spätsommer 2013.
– viele Autofahrer, weil die Schnellstraße R6 von Eger nach Karlsbad gebührenpflichtig ist, nun Straßen durch kleinere Orte benutzen, um Maut zu sparen. Die verärgerten Anwohner fordern die Aufhebung der Gebührenpflicht oder zumindest die Einführung einer verbilligten Vignette. Auch „Heimat-Touristen" aus der BRD werden jede Preissenkung begrüßen. F.P.
## Politik für Vertriebene – ohne Chance?
Die Mitgliedsländer der EU haben sich 2008 verpflichtet, „das öffentliche Billigen, Leugnen oder gröbliche Verharmlosen von Völkermord (Vernichtung der Existenz, Zerstörung des Sozialverbands, kollektive Entrechtung und Vertreibung ...), Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen", unter Strafe zu stellen. (Anm.: Auch rückwirkend gültig?)
Die Vertreibung von rd. 15 Millionen Ost- und Sudetendeutschen mit über zwei Millionen Todesopfern ist jedoch seit diesem brutalen Geschehen der Jahre 1945/46 noch keinem Strafverfahren unterzogen worden. Auch von führenden Politikern Deutschlands – Außenminister, Bundespräsident usw. – wird dieses unerledigte Thema vermieden, statt dessen betont, daß die Beziehungen zu Polen und Tschechien noch nie so gut waren wie heute.
Über ein Viertel des Volkes, dessen Zeitzeugen bald abgetreten sein werden und dann nur noch mit dem Thema vertraute Politik- und Rechtskundige aufweist, konnte unbeschadet hinweggegangen werden!
Doch Unrecht, das nicht beim Namen genannt wird, ist nicht aus der Welt geschafft, wenn auch z.B. das Prager Parlament einstimmig 2002 die kollektive Beraubung, Massenmord und brutale Vertreibung sanktionierte, indem es die auslösenden Dekrete des Präsidenten als legitim, notwendig und unabänderlich erklärte.
Wie aber erklärt sich das Verhalten der bundesdeutschen Politik und der Justiz? Wie erklärt sich die auffällige Machtlosigkeit von uns Vertriebenen von Anfang an? Ist es nur die Aussicht auf wirtschaftliches Wohlergehen oder ist es nach Ausbleiben des Friedensvertrags der Verzicht auf eigenes souveränes Verhalten? Ist politisches Duckmäuser- und Kriechertum im Spiele? Ist es vielleicht gar politische Naivität, die eine entsprechend entgegenkommende Reaktion der Gegenseite erwartet? Man denke an die seinerzeitige Vertröstung einer Lösung gegenüber den Vertriebenen, sobald die Vertreiberstaaten Polen und Tschechien in der EU Aufnahme gefunden hätten.
Weitgehend entgangen ist dem fleißigen, aber politisch weitgehend uninteressierten Volk, daß wichtige Inhalte des Kontrollratsgesetzes von 1945 im sog. 4+2-Vertrag von 1992 zu deutschem Recht gemacht wurden (Ära Kohl-Genscher-Regierung): Dazu gehört die Bestimmung, daß Deutschen angetanes Unrecht von Deutschen nicht verfolgt werden darf! (S. dazu Schlußanmerkung!)
Dadurch konnte der 1945/46 erfolgte Völkermord schon zur 1951 beschlossenen UN-Völkermordkonvention von deutscher Seite nicht angemeldet werden (Ära Adenauer-Regierung). Für die Welt bleibt dadurch das Problem ohne Kenntnis!
Dazu kam 1969 die Preisgabe des Deutschen Ostens als Teil des sog. Reparationsschädengesetzes (Ära Brandt-Kiesinger-Regierung). Besonders beklagenswert ist, daß diese existentiellen Fragen von politischer Seite absichtlich unerwähnt bleiben und mit „politisch korrekt" funktionierender Presse bis heute allgemein unbekannt sind.
Eine späte Chance für die Vertriebenen bzw. nicht mehr vorhandenen Zeitzeugen wird es danach wohl erst geben können für die Nachkommen, wenn das Öffnen der Restarchive (England 2027,
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