## Liebe Landsleute!
Unablässig verrinnt die Zeit. Sie vergeht mit unabänderlicher, ja unerbittlicher Konsequenz. Kaum ist das Frühjahr vorüber, drängt in der Natur das keimende, werdende Leben zur üppigen Fülle und Reife in einem immer wiederkehrenden Gleichmaß geheimnisvoll ineinanderfließenden Entwicklungen. Auch in der herbstlichen Reife des menschlichen Lebens wird man rückblickend mit Verwunderung feststellen, daß nach dem Durchschreiten zahlreicher Veränderungen, in körperlicher und geistiger Hinsicht, die Unruhe des Herzens einer tiefen Beruhigung, Gelassenheit, einer Zufriedenheit und Harmonie im Gemüt gewichen ist.
Für den alternden Menschen zählen verstärkt die Ereignisse der Gegenwart, während ein Kranz schöner Erinnerungen Vergangenes aufleben und glänzen läßt. Seine Dankbarkeit für die reichlichen Gaben der Natur, die der Erhaltung des Leibes dienen, kommt aus heißem Herzen und gilt auch für die reifen und späten Jahre des Lebens. Er registriert mit Gleichmut, daß die Zeit, die ihm noch verbleibt, stetig von einem Tag in den anderen übergeht; er hat sich längst an die undramatische Vorstellung gewöhnt, daß seine Angehörigen, Freunde, Tiere und Dinge auch ohne ihn weiterleben werden.
Er vermag sich an einem hübsch gedeckten Tisch, einer brennenden Kerze, einem Glas guten Weines, zu zweit oder allein, an einem Kinderlächeln oder einem herzlichen Wort doppelt zu erfreuen, weil er den Wert der Zeit erkannt und schätzen gelernt hat, so wie sie eben ist. Er hat auch verstanden, als Teil der Natur zeitlos wie sie zu sein im Bewußtsein, daß er dem Geheimnis des Lebens und der Zeit ein wenig näher gerückt ist.
Besinnliche Gedanken wie diese stammen aus der Feder unserer Egerländer Lyrikerin Zita Ladwig, geboren 1909 in Rothau bei Graslitz, verstorben 2007 in Waldkraiburg.
Ich wünsche Euch frohe, unbeschwerte Sommertage und allen eine gute Zeit.
Mit heimatlichem Gruß
Euer Landsmann Franz Pöttig
Noch eine Bitte:
Bleibt unserem Heimatbrief gewogen und sein Bezieher!
## Aus dem Kalender
Im August – Ernting:
10.8. (Fr) Tag des hl. Laurentius. Spruch: „Laurenzi kommt in finst'rer Nacht ganz sicher mit Sternschnuppenpracht" im Volksglauben gerne „Laurentiustränen" genannt. In den Nächten huschen Meteoritenschwärme über den Himmel. Wetterregel: Laurenzi schön – Herbst schön.
15.8. (Mi) Festtag Mariä Himmelfahrt, Mutter Jesu von Nazareth, Fürbitterin der Glaubenden
24.8. (Fr) Tag des hl. Bartholomäus, Ende der hochsommerlichen „Hundstage" (ihr Beginn am 22.7.). In dieser Zeit steht die Sonne im Zeichen des hellsten Fixsterns Sirius (Hundsstern) im Sternbild „Großer Hund".
Im September – Scheiding:
8.9. (Sa) Festtag Mariä Geburt. Volkes Stimme reimt: „... zöiha d'Schwalbm wieda furt."
15.9. (Sa) Tag der hl. Ludmilla († 921), Herzogin und Patronin von Böhmen
21.9. (Fr) Tag des hl. Matthäus, Apostel und Evangelist. Wetterregel: Wöis da Matthäus treibt, es vöia Wochn bleibt.
22.9. (Sa) Herbstbeginn, Tag- und Nachtgleiche
29.9. (Sa) Tag des hl. Michael, Schutzheiliger der Kirche und der deutschsprachigen Völker F.P.
## Im frühen Herbst
Wenn die Vögel südwärts ziehen,
auch späte Apfelsorten reifen,
und wir die Zeit, die uns geliehen,
als Vergänglichkeit begreifen,
wirft die Sonne lange Schatten.
Doch sie wirkt noch wunderbar,
schenkt fruchtige Süße den Trauben
und lockt am Abend Paar um Paar
in die weinumrankten Lauben,
wenngleich sie schwere Arbeit hatten.
Ein strahlender Altweibersommer
übergab dem Herbst Tagwerk und Zeit.
Der lächelt gütig über frommer,
fideler Senner Heimkehrfreud'.
Geschmücktes Vieh verläßt die Matten.
Anne Bahrs, aus „Jahrbuch der Egerländer 2001"
## Freunde von daheim –
viele davon inzwischen um die achtzig und darüber – trafen sich wieder Ende April im vertrauten fränkischen Städtchen Altdorf bei Nürnberg.
Die meisten reisten auch dieses Mal mit der Bahn an, wird doch das Autofahren immer beschwerlicher. Das fast sommerliche Wetter sorgte für einen angenehmen Rahmen.
Die Teilnehmer feierten im Gasthof „Alte Nagelschmiede" am oberen Marktplatz ein frohes Wiedersehen. In angeregter Unterhaltung vergingen die Stunden des Beisammenseins viel zu rasch. Man versuchte, zwei aktuelle Themen möglichst zu meiden, was nicht immer gelang: Krankheit und Politik. Zu sehr beherrschen sie den Alltag. Wir gedachten der verstorbenen Landsleute, erinnerten uns an Erlebnisse aus der Jugendzeit und Ereignisse in der alten Heimat.
Mit großem Bedauern wurde festgestellt, daß auch dieser Freun-
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