## Liebe Landsleute!
Wenn dieser erste Heimatbrief des neuen Jahres zu Euch ins Haus kommt, haben wir den an sich winterlich-strengen Jänner, den unsere Altvorderen deswegen auch „Hartung“ nannten, wieder hinter uns gebracht. Der Monat erhielt seinen Namen vom zwiegesichtigen römischen Gott Janus, der mit einem Gesicht in die Vergangenheit, mit dem anderen in die Zukunft blickt ... Seit Gaius Julius Caesar im Jahre 46 v. Chr. einen neuen, den julianischen Kalender einführte, ist der Januar (Jänner) von der elften an die erste Stelle unserer zwölf Monate gerückt. Doch das nur nebenbei.
Vierzig Tage nach der Geburt Christi schließt der kirchliche Feiertag Mariä Lichtmeß (2.2.) den weihnachtlichen Festkreis endgültig ab. War es auf dem Lande um die Vorräte für das liebe Vieh gut bestellt, so konnte sich der Bauer zufrieden zurücklehnen, denn: „Zu Lichtmeß noch das halbe Futter, so fehlt's dir nicht an Milch und Butter“
Heuer reicht „d'Foosnat“, die bei uns auch „die Fasching“ hieß, bis weit in den Monat Feber hinein. Das närrische Treiben, vom 11.11. des Vorjahres an gerechnet, dauere wieder viel zu lange, klagt mancher Zeitgenosse mürrisch. Hartgesottenen „Karnevalisten“ und trinkfesten Zechern hingegen wird die lustige Zeit viel zu kurz sein. Måch's amål an jedn recht!
Uns Egerländern sagt man wohlmeinend nach, wir seien „ein ganz passables Völkchen“, das auch zu feiern verstehe. Erinnerungen an die Faschingszeit daheim bestätigen dies. Die Fröhlichkeit indes kann man nicht erlernen, sie muß aus dem Herzen kommen, um zum Herzen zu finden; sie ist ein Geschenk. In jeder Gesellschaft und jedem Verein gab es viele Frohnaturen, die mit ihrem Frohsinn bei jeder Gelegenheit ungezwungen und schlagfertig ihr Publikum begeisterten. Sie hatten nichts gemein mit jenen Spaßmachern, die Witz so leicht mit Taktlosigkeit verwechseln und selber lachen müssen, weil sie die anderen nicht zum Lachen bringen können. Wir kennen sie zur Genüge, z.B. aus dem Fernsehen. Damals war der Humor unserer „Künstler“ echt, er kam aus dem Innern heraus und konnte nicht beleidigen, weil er immer in den Grenzen des Anstandes blieb. Sie brauchten keine Narrenkappe, und sie wurden für ihr Auftreten bei Vereins- und Hausbällen, auf der Bühne oder beim Faschingszug nicht bezahlt! Sie reimten und erzählten, sie sangen und rezitierten, sie mimten und gestikulierten, und immer blitzte der Schalk aus den Augen, der ihnen die Worte eingab und alle mitriß.
Etwas anderes. Die letzten Wochen mit den kurzen, auch recht düsteren Tagen und den langen Nächten drückten so manchem aufs Gemüt und ließen die Sehnsucht nach mehr Licht und Wärme wachsen. Ich hoffe, Ihr habt Muße gefunden, in neuen Büchern zu lesen, gute Musik zu hören, mit den Enkeln zu spielen, „aah a wing Hutschn za göih“, und hattet Zeit zum Innehalten, zum Nachdenken, Erinnern und Kräftesammeln für den weiteren Weg.
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