Schlaggenwälder Heimatbrief — srpen / září 2010
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61. Sudetoněmecký den

[obr] ST 2010 in Augsburg: In Halle 5 freuten sich über das Wiedersehen und tauschten Erinnerungen aus, v.l.: Franz Pöttig, Weilheim i.OB; Ewald Weinhart, Roßhaupten; Heinz Wesp, Landau a.d. Isar; Günter Fechter, Gfell-Sonnefeld. Helga Fechter „schoß“ das Foto, Annemarie Pöttig traf sich mit ihren Landsleuten aus Duppau. Die Halle war zu dieser Stunde noch wenig besucht. Viele Gäste nahmen an den Ansprachen der Repräsentanten in der Schwabenhalle teil.

Bundesvorsitzenden der SL Franz Pany und den weiteren Verlauf berichteten Presse, Rundfunk und Fernsehen zwar sachlich, jedoch nur in kurzen Beiträgen.
Waren am Sonntagvormittag in Halle 5 (Heimatgebiet Egerland) die Tische nur dünn besetzt, füllte sich nach Gottesdienst und Hauptkundgebung in der Schwabenhalle noch so manche Reihe. Offenkundig fällt die Besucherzahl in Augsburg immer etwas geringer aus als in Nürnberg. Der „Stammtisch“ blieb mit gerade mal sechs Teilnehmern unterbesetzt. Einige hatten kurzfristig absagen müssen. Es hätten ruhig ein paar mehr sein können! Die bedauerlich geringe Resonanz hat ihre bekannten Ursachen: Viele, leider zu viele Landsleute aus der Erlebnisgeneration sind schon in die ewige Heimat eingegangen, andere erkrankt und nicht mehr reisefähig, manche fühlen sich den Mühen weiter Wege nicht mehr gewachsen. Ebenso ist nicht zu verkennen, daß es – von einigen Ausnahmen abgesehen – nicht gelungen ist, unsere Nachkommen als Bekenntnisgeneration für unsere Anliegen zu gewinnen und einzubinden.
Einige Einzelheiten verdienen noch Erwähnung:
Viele Besucher des ST reisten mit Omnibussen an; es mögen an die 60 gewesen sein.
Der Gottesdienst beider Konfessionen war gut besucht, ebenso die Hauptkundgebung.
Landsleute als Spätaussiedler berichteten Interessantes aus der Zeit, als wir Vertriebene bereits die Heimat verlassen hatten. So kam ein reger Gedanken- und Erlebnisaustausch mit ehemaligen Bewohnern von Neusattl, Petschau, Poschetzau u.a. zustande.
Buntes Leben und Treiben herrschte am Sonntag in Halle 7. Überreichlich war das Angebot an Informationen und Unterlagen, aber auch an Köstlichkeiten aus böhmischen Landen: Kolatschen, echte Karlsbader Oblaten und Streuselkuchen.
Wie zu vernehmen war, soll der ST 2011 wieder in Nürnberg stattfinden.

Byla to touha po dálkách...

## War es Fernweh ...
(Ein Reisebericht)
Mit der gespannten Erwartung neuer Eindrücke, oder regte sich doch wieder das alte, tiefgründige Heimweh, die uns bewogen, Ende April an einer Kurzreise in die Tschechei (pardon: nach Tschechien) teilzunehmen? Wie dem auch sei, wir konnten uns einer Gruppe von Landsleuten aus Duppau und Umgebung anschließen, die erneut ihr heimatliches gleichnamiges Bergland aufsuchen wollten. Außerdem sollte die Busfahrt in Gegenden führen, deren näheres Kennenlernen uns damals Jugendlichen vor der Vertreibung versagt geblieben war. Ein Besuch meiner engeren Heimat im Kreis Elbogen a.d. Eger jedoch war dabei – leider – nicht vorgesehen.
Der IC-Expreßzug brachte uns rasch zur Frankenmetropole, ein Schnelltriebwagen anschließend zügig nach Eger (Cheb). Hier erzwang der nach wie vor fehlende unmittelbare Anschluß nach Karlsbad (Karlovy Vary) einen längeren Aufenthalt. Nun gut, wir waren eben in einem anderen, uns fremdgewordenen Land. Diese Grenzzone namens Euregio Egrensis zeigte auch im Fahrplan noch ihre Mängel! (Um die bisher so euphorisch gepriesene grenzüberschreitende Entwicklung ist es auch medial merkwürdig still geworden!)
Nach mehr als einer Stunde ging es mit dem Prager Schnellzug endlich weiter. An den unübersehbaren häßlichen Kohlenabbaugebieten vorbei, gemütlich entlang im Tal der noch jungen Eger, über die Stationen Falkenau (Sokolov) und Chodau (Chodov) erreichten wir in einer knappen Stunde (für 40 km), dafür pünktlich, unser Reiseziel, die Perle des Bäderdreiecks: Karlsbad!
Das Bahnhofsgebäude bietet noch immer den gleichen trostlosen Anblick, das Milieu erinnert fatal an alte Reichsbahnzeiten. Noch immer harrt der Ende des Zweiten Weltkrieges teilzerstörte, früher „Buschtiehrader“ genannte obere Bahnhof seiner längst fälligen Erneuerung. „Hier wendet sich der Gast mit Grausen“, so ließe sich urteilen (Schiller). Tschechen bestätigen den massiven russischen Einfluß im Wirtschaftsleben des ehemaligen Weltkurortes. Die Rubel der Neureichen fließen offenbar in den Ausbau anderer Verkehrsmittel, landen doch die komfortablen Düsenflugzeuge aus Moskau inzwischen im benachbarten Espenthor unter der Burgruine Engelhaus. Ein Kleinbus brachte uns zum nahen Ortsteil Pirkenhammer im Tepltal, wo uns der Gasthof „Alte Mühle“(Starý Mlýn) freundlich aufnahm.
Am nächsten Morgen, es war der Erste Mai, meinte es das Wetter, entgegen allen Vorhersagen, gut mit uns und unseren Vorhaben. Wir fuhren, den vielen Windungen der Eger folgend, abwärts bis Gießhübl-Sauerbrunn. Die Kuranlage längs der Uferstraße ähnelt einer Ruine: mit Brettern vernagelte Fenster, abgebröckelter Putz, verfallene Dächer. Die stark beschädigte Kuppel der einstigen Kolonnade bedeckt eine Kunststoffolie. Der Kurort verdankte seine weltbekannte Berühmtheit dem Freiherrn Heinrich von Mattoni (1830-1910). Ein schmales Sträßchen windet sich in östlicher Richtung bergwärts. Wir folgten ihm, vorbei an der modernen Abfüllanlage der „Mattoni“-Mineralquellen (alkalischer Sauerbrunnen) bis Unterlomnitz. Dort weist ein Sperrschild auf das Manövergelände im Duppauer Gebirge hin, das nur mit besonderer Genehmigung der tschechischen Militärverwaltung in beschränktem Umfang zugänglich ist. Vom Standort des ehemaligen Dorfes Sachsengrün aus, das wie viele andere Orte der Einebnung anheimfiel, öffnet sich der von Laubgehölzen dicht überwachsene weite Talkessel, an dessen Hängen und Sohle sich bis Mitte der fünfziger Jahre die Kleinstadt Duppau befand. Hangabwärts stand auch, flankiert von stattlichen Buchen, allein in der Feldflur die Buchenkapelle „Maria hilf“, die einmal Ziel vieler Bittprozessionen und unserer („großen“) St.-Josephs-Kapelle – auf dem Weg zum Florian – wohl ähnlich gewesen war. Dort, wo jetzt die kahlen Äste einer hohen und mächtigen, knorrig-alten Buche wie anklagend in den Himmel ragen, hielten die angereisten Landsleute, wie bei jedem Besuch, mit Gesang und Gebet eine Andacht ab. Ein Marienbild am Stamm der Buche und ein Gedenkstein erinnern an diese Stätte.
Wir erreichten den Talgrund. Der Bus hielt an der Stelle, wo einmal der Marktplatz gewesen war. Von der Heimatstadt meiner Frau ist außer von kärglichen Mauerresten nichts mehr übrig, die Suche nach Spuren von Haus und Hof, von Gärten und Gräbern meistens vergeblich. Man bewegt sich im unebenen Gelände auf eigene Gefahr, das jahrelang von Granaten umgepflügt und von Panzerketten zerwühlt wurde. Unser verstorbener Landsmann Fritz Götzl war nach eigenem Bekunden Mitte der fünfziger Jahre als tschechischer Soldat zugegen, als die Artille-

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