## Sonnenwende
Wie auf den Bergen der Heimat die Väter entfachten (?)
den Feuerschein der Johannisnacht,
das Böse zu bannen, vom Guten zu künden,
so wollen auch wir die Flamme entzünden.
Laßt heller sie leuchten über Täler und Höhen,
mit brennendem Herzen um das Feuer stehen!
Allvater der Weise hat aufgetragen,
gegen Lokis Schläue den Kampf zu wagen;
denn Finsternis muß untergehen
und Friedenserde neu erstehen.
Zita Ladwig (1919-2007), Egerländer Schriftstellerin
Anm. Loki =
listenreiche Gestalt der altnordischen Mythologie
Mit dem Abbrennen des Sonnwendfeuers (Johannisfeuer, mundartlich bei uns „Khonasfeia“ genannt) erreichte das heimatliche Brauchtum seinen sommerlichen Höhepunkt. Fröhliche Stunden der Gemeinsamkeit mit Tanz, Gesang und Mutproben verbanden sich mit diesem Volksbrauch. Die Johannisnacht ist auch eine „Losnacht“, mit der manch geheimnisumwitterter Brauch verbunden ist. Übrigens ist Johannes der einzige Heilige, dessen Geburtstag gedacht wird, bei den anderen gilt das Sterbedatum als Gedenktag. Das Christentum stellte ihn, den „Vorläufer“ Jesu Christi, bewußt als markante Symbolgestalt in den Vordergrund, um dem heidnischen Sonnwendkult zu begegnen. Johannisfeuer entbehrten nicht einer gewissen Feierlichkeit, wobei Volkstum und Nationalgefühl eine besondere Rolle spielten.
Zu erwähnen ist auch das Annafest, das man am 26. Juli gerne bei Kaffee und Kuchen feierte. Selbstredend sind alle weiblichen Personen mit den vertrauten Vornamen Anneliese, Annemarie, Marianne usw. zur Kaffeetafel eingeladen! Der Vorname Anna (so hieß die Großmutter Jesu, Frau des Joachim) war für Mädchen so verbreitet wie Franz und Josef bei den Buben.
Liebe Heimatfreunde! Genießt die schönen Sommertage!
Ich wünsche allen eine gute Zeit und grüße Euch herzlich.
Euer Landsmann Franz Pöttig
věta pokračuje na dalším listu ⟶
## Heumahd
Der herbe Duft des frischen Heues weht
bis her zur Straße, drauf ich heimwärts schreite.
Befreiend ist die wunderbare Weite
gemähter Wiesen, eh' die Sonne geht.
Den lichten Teppich, der gebreitet liegt,
begrenzt des Waldes dämmerdunkler Saum.
Aus tiefgefurchtem Wege wiegt und biegt
sich eine Fuhre hinterm Deichselbaum.
Die Welt wird stiller. Leise, weihevoll
verklingt des Tages helle Melodie,
verstummen Eifer, Lachen, Kummer, Groll –
der Abend breitet Frieden über sie.
Elfriede Brandler, Egerländer Lyrikerin
věta pokračuje na dalším listu ⟶
## Fronleichnamsfest 1936
Es war Brauch, daß an diesem kirchlichen Feiertag auch die Kleinen aus dem Kindergarten am festlichen Umzug teilnahmen und diesen sogar anführten. Die Mädchen in weißen Kleidern trugen Blumen im Haar und in den Handkörbchen.
[obr] Vor dem Anwesen Nr. 38 (Franz Heinzl, Schuhmacher) am unteren Marktplatz beaufsichtigen drei Damen die Kinder, die sich am „Trottoir“ aufgestellt haben. Die Erwachsenen v.l.: Therese (Resi) Gareis, Schneiderin, Marie Bräutigam (Schmieger-Schneider) und Marie Fischer (Gattin des Abgeordneten Josef Fischer, wohnhaft am Zehentplatz Nr. 508). Vor den beiden Frauen Gareis-Bräutigam schauen mit ernsten Mienen zum Fotografen: Anneliese Veit (mit Schleife im Haar), davor v.r.: Marianne Bräutigam, Gudrun Hubl und Franziska (Fanni) Ott. Die Namen der anderen Mädchen und Buben sind nicht mehr bekannt. Wer erkennt sich vielleicht wieder?
Das Foto stellte uns Marianne Schnappauf, Schirmitz, zur Verfügung. F.P.
## Die Vergangenheit in Bildern
Die zentrale Stelle der Bergstadt bildete der langgestreckte Marktplatz. Zum Stadtbild, wie wir es noch kennen, gehörte auch ein zweiter, in etwa rechteckiger Platz, der „Alte Markt“. Ihn umgab ein Kranz ansehnlicher Häuser. In einer von Hecken umschlossenen Grünfläche stand ein Gedenkstein für die Gefallenen der kriegerischen Auseinandersetzungen der Jahre 1848/1866 (s. Heimatbrief 5/2000). Die Straße, vom Marktplatz kommend, führte anschließend als „Neia Strauß“ kurvenreich bergan in Richtung Gfell und Poschitzau, Wege zweigten ab zur Leßnitzgasse und Kirchstaffel.
Die beiden Bilder zeigen einen Teil der vertrauten Gebäude am Alten Markt.
[obr] Die Häuserzeile umfaßt v.l. die Hs-Nr. 90 (Möhler Konrad), 91 (Tippmann Max, Tischler), 92 (Stowasser Anna, Fechter Josef) – das schmale Gäßchen führte zum Schulplatz (Mädchenschule) – Nr. 93 (Stöhr Josef) und 94/95 (Haus der Gemeinde, „Braunes Haus“). Hohe Dächer, mit Teerpappe gedeckt, und spitze Giebel waren für die Anwesen kennzeichnend und erlaubten oft zweigeschossige, geräumige Dachböden. Das Gebäude im Bild ganz links bleibt unerwähnt.
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
