Schlaggenwälder Heimatbrief — duben / květen 2010
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Domov, který zcizověl

## Fremdgewordenes Zuhause
Welche Gefühle überkommen den „Heimkehrer“, wenn er sich seinem Geburtshaus nähert, das er vor über sechzig Jahren mit Eltern und Geschwistern zwangsweise verlassen mußte, und mit welchen Empfindungen betritt er es? Beklommenheit kommt auf, Unbehagen macht sich breit, das auch nach freundlicher Begrüßung nicht weichen will. Der lange zeitliche Abstand zu den schrecklichen Ereignissen von damals und die noch heute bedrückenden Erinnerungen an das erlittene Unrecht lassen eine eigenartige Fremdheit entstehen, die einen zu umfangen scheint. Vergangenes wird wieder lebendig, man sucht nach Vertrautem, Blicke verirren sich. Was man noch immer liebevoll im Gedächtnis bewahrt, ist nicht mehr da oder hat ein anderes Aussehen. Die Farbe der einmal braunen hölzernen Haustür ist verblichen, die gewundene Holztreppe ins Obergeschoß zu den Mansarden erscheint plötzlich so eng und steil. In der Erinnerung ist sie viel schöner und bequemer.
Man nimmt Umbauten wahr, die fremd anmuten. Eine Zwischentür steht im Weg; früher konnte man direkt in die Küche gehen. Keinerlei Bezug hat man zu den ganz anders eingerichteten Zimmern, in die man einen Blick werfen darf. Wo blieb der große Kachelofen, der sich in den kalten Wintertagen immer so angenehm warm anfühlte und neben dem Holzscheite gestapelt waren und der Kohleneimer stand? Kein Regal mit Märchenbüchern und den geliebten Karl-May-Bänden ist zu sehen. Ständig vergleicht der Besucher zwischen dem Damals und dem Jetzt. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Das Haus ist längst das Zuhause anderer geworden.
Etwas Bemerkenswertes bleibt von diesem Aufenthalt im alten Elternhaus. Es ist die Erkenntnis, daß die tschechischen Bewohner – meist sind es jüngere Leute – heute das Geschehen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunehmend neutral betrachten und den Menschen, denen das Land bis nach dem Krieg Heimat gewesen ist, eher unbefangen begegnen. Dazu kommt, daß so mancher die offizielle Darstellung der jüngeren Geschichte als unwahr erkennt – und Fragen stellt.
Die zweite Generation nach jenen, die sich als „Goldgräber“ (zlatokopči) brutal wie Räuber des deutschen Vermögens bemächtigten, ist im Egerland inzwischen heimisch geworden und hat dort Wurzeln geschlagen. Mit den früheren deutschen Bewohnern ins Gespräch zu kommen, scheint vielen jungen Tschechen ein Bedürfnis zu sein, es erweitert ihren Horizont auf die vielfach totgeschwiegenen Jahre vor der tschechischen „Landnahme“. Solchen Kontakten mit der jungen tschechischen Bevölkerung sollte man sich nicht verschließen.
Die Hausbesetzer der Jahre 1945/46 sind kaum noch anzutreffen. Die übernommenen Häuser und Wohnungen haben teilweise schon mehrmals die Besitzer gewechselt. In Schlaggenwald (Horní Slavkov) ist das nicht anders. Auch das Elternhaus steht wieder einmal zum Verkauf an: Ein junges Ehepaar, das bereits eingezogen ist, will es übernehmen. Die beiden, offen und unbefangen, gingen ohne langes Zögern auf das Ersuchen der vor der Tür stehenden Deutschen ein, einen Blick auch in den ehemals elterlichen Garten werfen zu dürfen. Sie luden sie ohne Aufhebens zum Tee am Tisch neben der alten Gartenlaube ein und schlugen dann – von sich aus – vor, doch auch einen Gang durch das Haus zu machen. Berührungsängste kannten die beiden nicht, die mangelnden Deutschkenntnisse wurden durch Englisch ersetzt, eine Sprache, in der man sich ebenso verständigen konnte. Die Leute kennenzulernen, denen das Anwesen in deutscher Zeit gehörte, betrachteten sie offenbar als nützliche Erfahrung. Nun hatte das Haus für sie keine dunkle, unbekannte Vergangenheit mehr. Und auch für die Besucher ist es, wenn auch mit gemischten Gefühlen, gut zu wissen, wer heute das Elternhaus von einst bewohnt.
Natürlich bleiben so manche Fragen offen. Wie stehen diese jungen Tschechen zur Frage der Vertreibung? War sie etwa Rechtens, oder war die Enteignung nicht doch menschenverachtendes Unrecht? Sehen sie sich nach der Enteignung der Deutschen durch ihren Staat als rechtmäßige Eigentümer?
F.P. (nach einem Beitrag von
Dr. W. Roth in der Karlsbader Zeitung Folge 7/2004)

[obr] Das Foto (vom Mai 2007) zeigt einen ehemals heimeligen Winkel am früheren Zehenplatz mit den beiden noch übrigen Häusern Nr. 330 (Therese Krautzberger, Mitte) und Nr. 331 (Anna Pöttig, links: mein Elternhaus), das seit 1946 schon mehrmals den Besitzer gewechselt hat und umgebaut wurde. Beide Anwesen sind bewohnt und in äußerlich ansprechendem Zustand. Die anderen Häuser in der Runde fehlen. Haus-Nr. 330 verdeckt die Knabenvolks- und Bürgerschule unserer Zeit. Im Hintergrund rechts ist die instandgesetzte Steinmauer mit der Brunnengrotte (frühere Schulgartenbegrenzung) zu erkennen; Wasser indes fließt keines mehr! – Die Teerstraße führt in Richtung Bahnhof und neue Siedlung.

Pohled na druhou stranu

## Blick nach drüben
Alkoholkontrollen. Wer auf tschechischen Straßen in eine allgemeine Verkehrskontrolle gerät, wird künftig auch immer auf Alkohol am Steuer überprüft. Grund: Starker Anstieg schwerer Verkehrsunfälle unter Alkoholeinwirkung. Im Nachbarland gilt eine strikte 0,0-Promille-Grenze.
Maut. Die Jahresvignette 2010 für die Fahrt auf tschechischen Autobahnen kostet für Pkw nunmehr 1.200 Kronen, umgerechnet rund 45 Euro, die Monatsvignette 350 Kronen, etwa 13 Euro.
Pragreisende! Die Goldene Gasse auf der Prager Burg wird ab Mai 2010 voraussichtlich für ein Jahr gesperrt. Grund: Restaurierungs- und Kanalarbeiten sowie archäologische Grabungen.
Achtung Autofahrer! Bei Reisen in der CR immer das Tagesfahrlicht (Abblendlicht) einschalten, sonst drohen Geldbußen!

Milé vaření

## Die liebe Kocherei
Es kam daheim immer wieder vor, daß die Hausfrau am späten Vormittag noch nicht wußte, was sie an diesem Tag auf den Tisch bringen sollte. Auf die Frage der lieben Nachbarin, was es denn zu Mittag gebe, lamentierte die Gute: „Manna, manna, is dees a Kreiz, woos koch i denn heint wieda?“
Nun war „schnelle Küche“ gefragt. Und manchmal war guter Rat gar nicht teuer, wenn sich die Küchenfee rasch besann, was aus Resten noch alles werden kann. So ließ sich z.B. ohne großen Aufwand ein Pfannengericht aus Semmeln und Milch unter Zusatz von Eiern zubereiten, unser bekannter „Semmlwawa“, auch „Ei(ngschniena Semmln“ genannt. Ein Rezept dazu gefällig? Bitte sehr!
Sechs bis acht Semmeln werden in Scheiben geschnitten, Äpfel geschält und ebenfalls in Scheiben geteilt. In eine mit Fett bestrichene Pfanne legt man eine Schicht Semmel, eine Schicht Äpfel, Semmel, Äpfel usw., bis obenauf Äpfel liegen. Die Zugabe von Rosinen verfeinert das Gericht. Nun werden drei Eier, drei Eßlöffel Zucker, etwas Vanille mit einem drittel Liter Milch

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