Liebe Landsleute!
Es ist wieder Oktober geworden. Die Tage werden merklich kürzer, Nächte und Schatten länger. Die Früchte aus Feld und Garten sind längst eingebracht. Vielerorts feiert man frohen Sinnes Erntedankfest und Kirchweih. Wir Älteren genießen gerne noch die sonnigen Herbsttage und erfreuen uns an den bunten Farben in der Natur. Doch auch wir spüren, daß uns eine Wende bevorsteht. Die Zeit stimmt uns auf Abschied ein.
Über viele Jahrtausende hinweg – seit der ersten Bestattung eines „Homo sapiens“ (wörtl. „wissenden Menschen“) – bis in unsere Zeit entwickelte sich eine Trauerkultur. Die Totengedenktage im November, von unseren Altvorderen auch „Nebelung“ genannt (nomen est omen!), sind für uns ein besonderer Anlaß, sich einmal Zeit zur Besinnung zu nehmen, über Den Tod und die Vergänglichkeit nachzudenken und die Verbundenheit mit den Verstorbenen zu betonen. Wir schmücken ihre Gräber liebevoll mit Astern und Chrysanthemen, schließen sie in unsere Gebete ein, halten beim Lichterschein der Kerzen einsame Zwiesprache und sind ihnen in der Erinnerung hier und drüben in der alten Heimat nahe.
Wir gedenken ihrer an Allerseelen (2.11., kath.) – seit dem 10. Jh. Gedächtnistag für alle Verstorbenen – und am Volkstrauertag (16.11.). Seit dem Zweiten Weltkrieg steht die Mahnung zum Frieden im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. An diesem zweiten oder dritten Sonntag im Monat werden in öffentlichen Feiern und durch Niederlegen von Blumengebinden und Kränzen die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt geehrt.
[obr] Linolschnitt von Herbert Jakob, 1952.
Der Buß- und Bettag (19.11., ev.) dient der Besinnung. Der Totensonntag (23.11., ev.), auch Ewigkeitssonntag genannt, ist seit dem 15. Jh. ein weiterer Gedenktag für die Verstorbenen.
Wenig Sonnenschein, dafür Nebel und Nässe, vielleicht schon ein erster Schnee, bestimmen die Witterung in dieser Zeit. Die Volksmeinung weiß darüber zu urteilen: „Im November ist hinter jeder Staude ein anderes Wetter.“ Eine solche Szenerie ist dazu angetan, daß Melancholie das Gemüt erfaßt, und läßt gar manchen seufzen: „Wenn nur diese trüben Wochen wieder vorbei wären!“
Am Monatsletzten öffnet uns heuer ein Sonntag schon das Tor zum Advent. Landsleute, laßt es Euch nicht verdrießen! Denkt daran, daß hier auf Erden das einzige Beständige stets der Wandel ist. Dabei braucht unser Leben manchmal auch Zeiten, in denen wir in uns gehen, „einwärts“ schauen, zu uns finden, einkehren bei uns selbst; aus Besinnung und Ruhe jedoch wieder Kraft und Zuversicht schöpfen, damit wir nach der Licht- und Jahreswende wieder leichter „auswärts“ schauen können.
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In diesem Sinne wünsche ich Euch, liebe Heimatfreunde, wo auch immer Ihr unseren „Rundbrief“ lest, Wohlbefinden, den Kranken Besserung und Genesung, allen noch milde, „goldene“ Tage im Herbst und eine gute, gesegnete Zeit. Es grüßt Euch in alter Verbundenheit
Euer Landsmann Franz Pöttig
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## Grabpflege im Herbst
[obr] (bez popisku) (žena upravuje květinovou výsadbu u rodinného hrobu na slavkovském hřbitově)
Nur wenigen von uns war es nach der Vertreibung aus der Heimat möglich, die Gräber von daheim Verstorbenen weiterhin zu betreuen. Die Gründe dafür sind bekannt. Bemühungen indessen, Grabstätten von Verwandten möglichst lange in würdiger Form zu erhalten, verdienen Beachtung und Respekt.
Ein sonniger Herbsttag kam unserer Lmn. Eugenia Pirkl, geb. Jessl aus Gfell, die in der Oberpfalz lebt, zustatten, als sie wieder einmal die Ruhestätte der Familie am Schlaggenwalder Friedhof „richtete“, von lästigem Wildwuchs befreite und mit Blumen neu bepflanzte. Die Namen der Großeltern sind auf dem gesäuberten Grabstein wieder gut lesbar: Rosina Jessl, geb. Kempf, 1858-1922, Karl Franz Jessl, 1856-1925. Aus dem üppigen Grasteppich ragen vereinzelt noch andere Grabsteine heraus.
Das Foto stellte uns Lm. Dr. Oskar Jessl, Rothenburg o.d.T., zur Verfügung.
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