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einmal wieder 'reingefahren'. Aber keiner hat so richtig gesagt: 'Kumm, fahr amal mit ...' Ewig schade, jetzt ist es zu spät, alle sind verstorben. Anfang der 60er Jahre bin ich mit einem Freund an die Grenze gefahren, war auf dem Grenzlandturm und habe hinübergeschaut. Weiden, Waldsassen waren die Stationen, aber hinüber trauten wir uns nicht, sofern es überhaupt möglich gewesen wäre.
In den 70ern wollte ich dann mit meiner Frau endlich einmal 'heimfahren'. Da kam vom tschechischen Konsulat – ich glaube aus Köln – ein Fragebogen, warum ich denn 1949 die CSSR verlassen hätte. Das hat mich dann derart geärgert, daß wir uns Portugal als Urlaubsziel ausgesucht haben. Und so vergingen die Jahre, einzig der Heimatbrief erinnerte einen regelmäßig an seine Herkunft, ohne mit den Bildern oder Beschreibungen darin etwas anfangen zu können.
Jetzt, nach der Besuchsfahrt, ist alles anders. Alles ist nah und nachvollziehbar, ist nacherlebbar und daher Anlaß, Ihnen wieder einmal ein paar Zeilen zu schreiben und auch Dank zu sagen für die unermüdliche Arbeit als Schriftleiter zur Bewahrung unseres Egerländer Kulturgutes."
Soweit der Brief. Wie schon im letzten Hb angekündigt, folgt ein Reisebericht der besonderen Art: Endlich – nach ein paar vergeblichen Anläufen – haben wir's doch geschafft: eine Reise in die Geburtsstadt Schlaggenwald und – zum ersten Mal nach fast 60 Jahren – in die nicht bewußt erlebte alte Heimat!
Man hätte es früher tun sollen! Da war man mit dem Auto schier überall in Europa, nur eben nicht da. Man erinnert sich an die Erzählungen der Großeltern und hat doch keinen unmittelbaren Bezug.
Nun konnte es losgehen. Fünf Stunden Autofahrt bis zur Grenze lagen vor uns. Auf bayerischer Seite fiel auf, daß es – Ende August 2007 – auf den letzten 20 km keine Tankstelle mehr gab. Klar, Sprit ist drüben billiger. „Wir fahren alle rüber", erklärten Einheimische bereitwillig. Also weiter zum nächsten größeren Ort: Marienbad. Aber auf der neuen Landkarte sind alle Ortsnamen nur noch tschechisch; im 97er-Atlas war's noch zweisprachig. Das kann doch nicht wahr sein! Schon der erste Ärger! Ortsschilder überall, nagelneu, tschechisch natürlich, was denn sonst. Auf den gutausgebauten Straßen herrschte wenig Verkehr. Nach dem Tanken Fahrt durch Marienbad und am späten Abend über Schlaggenwald nach Karlsbad zur Übernachtung im Hotel „Humboldt". Die Unterkunft genügte mitteleuropäischen Ansprüchen. An der Rezeption sprach man lieber englisch als deutsch. Unangenehmer Zwischenfall: Trotz Zusicherung, daß man vor dem Hotel parken dürfe, fanden wir unseren Wagen am nächsten Morgen „krallenbestückt" vor. Nach unserer sehr heftigen Reklamation bezahlte das Hotel die Strafgebühr von 2.000 Kronen (etwa 75 €). Beim Umtausch von Euro in Kronen muß man höllisch aufpassen, daß man nicht übers Ohr gehauen wird! (1 € = 26,12 CZK). Am nächsten Tag fuhren wir über Elbogen nach Schlaggenwald zurück, u.z. gleich auf die Anhöhe über der Kirche (Kaunitz). Und da hatte ich das Gefühl, heimatlichen Boden unter den Füßen zu spüren.
Die erstmalige Begegnung mit dem Ort meiner Geburt, jetzt Horni Slavkov genannt, war schon etwas bedrückend, insbesondere der Besuch auf dem Friedhof mit den vielen deutschen Gräbern, deren Grabsteine oder Kreuze oft noch erhalten sind und die Namen und Daten erkennen lassen.
Man gerät ins Grübeln. Bei uns findet man kaum Grabstätten, die nach so vielen Jahren noch erhalten sind; sie werden meist nach 20 Jahren aufgegeben. Wer soll hier die Gräber pflegen nach so langer Zeit? Die Angehörigen wurden vertrieben und in alle Winde verstreut. Und so macht der Friedhof insgesamt einen ungepflegten Eindruck. Auch die jetzt dort lebenden Bewohner benutzen ihn, nur ein wenig anders als bei uns. Es werden reichlich Kunstblumen und Plastikschmuck verwendet, und die wohl in sozialistischer Ära gebauten Kolumbarien (Urnenfelder) tragen meist je ein Bild des Verstorbenen. Die Urne steht hinter
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Glas, das manchmal auch fehlt. Gleich am Eingang steht – ein wenig zurückgesetzt – ein Denkmal mit rotem Stern. Da kann man sich schon denken, wofür das angelegt wurde. Und ein paar Spätkommunisten wird es wohl im Ort geben, denn auf dem Stein liegen Blumen. Zur Rechten befindet sich eine recht würdevolle und symbolträchtige Erinnerungsstätte für die Opfer des Kommunismus – so jedenfalls haben wir die beiden Anlagen interpretiert. Das „Versöhnungskreuz" auf dem Weg zur St.-Georgs-Kirche hingegen ist eher dem Zahn der Zeit überlassen worden: ein Kreuzesarm hängt herunter, während die Inschrift der Platte noch gut leserlich ist und den Sinn der Widmung erkennen läßt. Die Kirche selbst und die Renovierungsarbeiten daran vermitteln jedoch einen trostlosen Eindruck. Putz- und Mauerwerk bröckeln, die Fenster sind größtenteils zerbrochen und das Stahlrohrgerüst für den vorderen Teil des Kirchenschiffes, also beim Kirchturm, sieht auch nicht mehr vertrauenerweckend aus. Der Umwehrungsrundgang hoch oben und das Dach scheinen fertiggestellt zu sein, das Betreten des Turmes oder auch nur der Kirche war leider nicht möglich.
Ein wenig Kenntnis und Trost gab uns das große Hinweisschild oben am Eingang zum Friedhof: Da war die Rede von der wunderbaren, reinrassig barocken Anlage des Marktplatzes, über Jahrhunderte erhalten und gepflegt. Doch dann hätten einige Jahre sozialistischer Planwirtschaft genügt, um diese zu einem guten Teil zu zerstören. Das steht wirklich so dort! Schade nur, daß die Einsicht so spät kommt.
Dann folgte die Fahrt durch „Alt-Schlaggenwald". Wir haben uns am Marktplatz umgesehen und das Rathaus gesucht. Wo ist die Porzellanfabrik? Aus der Erinnerung der Erzählungen von früher wohl irgendwo bei einem Viadukt? Außerdem muß es einen Bach gegeben haben, der sich irgendwo aufstauen ließ. Großvater David war Werkmeister, Schlosser und Kraftfahrer gewesen. War er eventuell auch für die Stromerzeugung zuständig? Fragen über Fragen. Wo würden wir denn fündig?
Da kommen dann echte Zweifel auf. Warum bloß bin ich nicht mitgefahren, als die kundige Verwandtschaft noch lebte? Die sind ja oft genug „reingefahren"! Von meinen unmittelbaren Angehörigen lebt nur noch meine Mutter, Jahrgang 1920. Verpaßte Gelegenheiten! Zu ärgerlich, dieser Gedanke wühlt mich innerlich auf.
Als dann das Heimatmuseum an der früheren Hauptstraße öffnete und eine junge Frau gut deutsch sprach, ließen sich verschiedene Einzelheiten klären. Nun erfuhren wir einiges über die Fabrik. Unsere Verwandten hatten immer von einem langen Schulweg erzählt und dabei über den „Floutbooch" berichtet. Dieser allerdings war am Ortsausgang von Schlaggenwald (gegenüber der St.-Anna-Kirche) übelrüchig und übelfarbig, also sicherlich kein Forellenwasser, wie der Großvater gern erzählt hat. Ein Stück weiter abwärts stießen wir auf die „Erbstollenmündung" mit neuer, erklärender Schautafel, für uns „Nicht-Bergleute" ein ganz neues Wissen.
Einige Häuser tauchen auf, eines davon könnte mein Geburtshaus sein. Danach stehen linker Hand die direkt an der Straße aufgereihten Fabrikgebäude, am Ende ein großer Giebel mit dem mir bekannten Markennamen „Haas & Czjzek". Wir suchten den Verkaufsraum auf, alles etwas triste Fabrikatmosphäre, im Angebot Gebrauchsporzellan, nichts Besonderes. Die Verkäuferin, ein dralles Weibsstück, deutsch sprechend nur, was nötig war, gehörte wohl zur alten sozialistischen Garde – so jedenfalls unser Eindruck.
Die Bahnlinie Schönwehr-Elbogen ist seit Jahren stillgelegt, es fahren keine Züge mehr. Überlegungen zur Rentabilität mögen irgendwann eine Rolle gespielt haben, nachdem nach 1945 offensichtlich nichts mehr investiert wurde. Bahnanlagen sind noch vorhanden, auch die Viadukte, und die Streckenführung blieb erkennbar. Da läge doch der Gedanke an eine Art „Museumsbahn" nahe. Doch wer legt neue Gleise?
Anschließend ein kurzer Besuch in Elbogen, von der Eger um-
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