Als das Heimattreffen 2002 in Auerbach i.d.Opf. am Sonntag, den 8. September zu Ende gegangen war, setzten wir, mein Freund und ich, unsere Absicht in die Tat um, die bisher weite Anreise zu nützen und auch einen Abstecher in die alte Heimat zu unternehmen.
Der Grenzübertritt bei Waldsassen und die Weiterfahrt über Eger und Elbogen verliefen bei herrlichem Wetter ohne Probleme. Als wir am frühen Abend im erst unlängst renovierten Hotel „U Karkulky" („Zum Rotkäppchen"), früher „Zum roten Ochsen", Zimmer zum Übernachten mieten wollten, bekamen wir Schwierigkeiten. Ich hatte mich nach den Angaben im Heimatbrief Juni/ Juli 2002 gerichtet und wollte diese, neugierig wie ich war, vor Ort überprüfen. Jedenfalls weiß ich bis heute nicht, ob man uns nicht verstehen konnte oder wollte! (Später wurden wir aufgeklärt, daß wir im Bierlokal im Parterre und nicht, wie es richtig gewesen wäre, im ersten Stock gefragt hatten.) Warum gab man uns nicht den erforderlichen Hinweis? (Über diese offensichtlich fehlende Kommunikation haben sich schon mehrere Landsleute beklagt. Anm. d. Red.)
Nach diesem Fehlschlag begaben wir uns, wie schon mehrmals vorher, in die frühere Bahnhofstraße und erhielten sogleich im Haus Nr. 326 (Gröschl/Reinhold) das gewünschte Quartier: Übernachtung zufriedenstellend mit reichlichem Frühstück, zu mäßigem Preis; Parken im abgeschlossenen Hofraum. Na also!
Wir waren noch durstig und wollten partout im „Ochsen" noch etwas zu uns nehmen. Es war so gegen 20.30 Uhr, wieder in der Bierstube. Ein ganz junger Mann stand hinter der Theke, einige Tschechen spielten Karten. Mein Sinn stand nach einem Glas Rotwein. Der Schankkellner verstand wohl kein Deutsch, zeigte uns einige Flaschen Schnaps oder Likör, bis ich nach langem Hin und Her einfach zwei Bier bestellte. Das klappte dann. Aber fünf Minuten vor 21.00 Uhr war Schluß! Mit Handzeichen und Fingerzeigen auf die Uhr bedeutete er uns, daß er Feierabend machen wollte. Beim Gehen bemerkte ich die mir flüchtig bekannte Wirtin; sie saß in einer Ecke und war in ein Gespräch vertieft. Verstimmt ob der frühen „Sperrstunde" gingen wir nach draußen.
Auf dem unteren Marktplatz fielen mir die vielen Autos auf – es mögen zwanzig oder mehr gewesen sein, die dort ständig, auch tagsüber, parkten. Wir rätselten, wo die ganzen Leute waren.
Anschließend schlenderten wir über den Markt und bemerkten beim „Café Reinhold" Licht. In zwei großen Fenstern war zu lesen: BAR. Nach kurzem Zögern gingen wir hinein. Die Gäste, lauter junge Leute, spielten „Dart" (ein Wurfspiel), bedienten eine Musikbox mit Überlautstärke; in einer Ecke lief ein Micky-Maus-Film. Ein freundlicher Wirt brachte uns Gläser guten böhmischen Bieres. Wir hatten Glück und kamen mit einem gebürtigen, offenbar heimatverbliebenen Deutschen namens Rudl Egerer vom Gänsdörfl ins Gespräch, der sich noch gut in unserem Dialekt ausdrücken konnte. Um 23.00 Uhr öffnete der Wirt die Türen und forderte zum Verlassen des Lokals auf. Ein langer, ereignisreicher Sonntag ging nun auf heimatlichem Boden zu Ende.
Der Montag, ein warmer Spätsommertag, führte uns zunächst in die Orte Kohlhau und Schneidmühl. In diese Gegend ziehen mich meine Erinnerungen besonders hin, denn dort erlebte ich als Soldat das Ende des Zweiten Weltkrieges. Danach ging es weiter zur Ortschaft Engelhaus mit seiner beeindruckenden Burgruine am markanten Vulkankegel und für einige Stunden wieder in die Bäderstadt Karlsbad. In den nächsten Tagen standen Kurzbesuche des restaurierten und sehenswerten Schlosses Petschau und Abstecher nach Theusing und zum Stift Tepl, wo ich mich einige Tage in amerikanischer Gefangenschaft befand, auf dem Programm. In der Heimatstadt Schlaggenwald selbst, wo ich auch Bekannte in der neuen Siedlung treffen wollte, strebten wir dem Friedhof und der St.-Georgs-Kirche zu. Auf der Südseite des Gotteshauses gewährte ein Guckloch in einem der großen Kirchenfenster ein paar Blicke in das Innere. Seit meinem Bericht im Heimatbrief 5/2002 hat sich, soweit erkennbar, etwas verändert: Es wurde aufgeräumt. (Andere Besucher berichten, daß der Kirchenraum besenrein gekehrt ist und die Seitenaltäre entfernt sind. Auch das Durcheinander in der Sakristei ist beseitigt. Anm. d. Red.) Was wird da geplant? –
[Foto] Die beiden Gebäude Hs-Nr. 211 (Gareis/Schröck) und Hs-Nr. 497 (Pflughaus) im September 2002. Das Foto stellte Lm. Josef Hahn zur Verfügung.
Im neuen Museum an der früheren Hauptstraße (heute: Pluhová ulice = Pflughausgasse) im Gebäude Nr. 211 (Wirtshaus Georg Gareis/Emma Schröck), innen wie außen gekonnt renoviert, ist gegen geringen Eintritt so manch Interessantes aus der Bergbauzeit, wie Mineralien, Geräte, Werkzeuge, sind Erzeugnisse aus Porzellan, historische Dokumente zu besichtigen. Eine Fahne des k.u.k. Schützenvereins Schlaggenwald stimmt nachdenklich. Im oberen Stockwerk zieht ein ansehnliches Uhrwerk im Glasgehäuse die Aufmerksamkeit auf sich, das die Uhrzeiger im Dachtürmchen und den Glockenschlag steuert. Im Erdgeschoß befinden sich Büro, Verkaufsraum für Zinngegenstände und der Nachbau einer „bürgerlich schwarzen Küche" (uralte Rußküche). Eine Abbildung des Gebäudes zeigt der Heimatbrief 5/2001.
Eine weitere Fahrt, diesmal ins Erzgebirge (Keilberg) endete dann wegen schlechter Witterung bereits in Neudek.
Noch einige Anmerkungen: Die Mahlzeiten nahmen wir im Hotel „Aktus" in Elbogen ein. Einmal in der alten Kreisstadt, ließen wir uns die Ferienwohnungen zeigen, auf die im Inserat des EHB 4/2002 Rückseite hingewiesen wird. Diese Quartiere sind empfehlenswert, die Angaben sind zutreffend. – Es hat den Anschein, als ob das abgeräumte Grundstück „Schmieger-Schneider/Bräutigam" gegenüber dem „Ochsen" als zusätzlicher Parkplatz hergerichtet wird. Tanken des Pkw ist auch in Schlaggenwald oberhalb der Bahnbrücke in Richtung Schönfeld möglich. Bezahlung in Kronen, auch die neue Euro-Währung wird fast überall im Grenzland gerne angenommen (28 Kc für einen Euro).
Hier endet mein Bericht. Mit vielen neuen Eindrücken aus der alten Heimat, aber auch eingedenk ungetrübter Erinnerungen an unser Leben in der alten Bergstadt und ihrer Umgebung traten wir die lange Rückreise an. Und die Zweifel an einer Wiederholung solcher „Heimreisen" erscheinen bei einem Alter von über achtzig Jahren gar nicht so abwegig.
In alter Verbundenheit
Euer Josef Roth
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Landsleute! Heimatbrief, das Treffen beim Sudetendeutschen Tag und in der Patenstadt halten uns Vertriebene aus Schlaggenwald und Umgebung fest zusammen. Dadurch bleiben die Erinnerungen an unsere unvergeßliche Heimat lebendig und wir in Treue verbunden!
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