Die weiße Frau
Es war einmal ein armes Weib, welches am Karfreitag nach dem Krudum ging, um Holz zu sammeln. Sie hatte ihr kleines Kind mitgenommen, damit es zu Hause nicht einen Schaden leide. Da sie zu einem Gestrüpp trat, sprang ein weißes, dreibeiniges Häschen heraus
Verwundert sah das Weib dem seltsamen Tiere nach, staunte aber über alle Maßen, als sie zwischen den Bäumen ein prächtiges Haus gewahrte, in dessen offene Türe das Häschen flüchtete. Sie trat näher und sah, daß in der Toreinfahrt Fässer und Kisten voll Gold und Silber standen. Sie gedachte ihrer bitteren Not, setzte ihr Kind auf eine der Kisten und trug Gold und Silber hinaus, so viel als jedesmal die Schürze fassen konnte.
Sie machte einem Gang noch, um den Korb bis an den Rand zu füllen. Als sie aber von demselben zurückkehrte, war das Haus samt dem Kinde verschwunden. Wehklagend lief sie durch den Wald, suchend zwängte sie sich durch Bäume und Hecken, das Kind war und blieb verschwunden. Sie verwünschte Gold und Silber und hätte alles hingegeben, wenn sie ihr Kind hätte wieder haben können.
Es verging ein Jahr und das hartgeprüfte Weib ging wieder einmal nach dem Krudum. Da erschien an derselben Stelle wieder das dreibeinige Häschen und da stand auch wieder das prächtige Haus. Mit klopfendem Herzen trat das Weib in das Tor und zu ihrer unaussprechlichen Freude saß ihr geliebtes Kind an der selben Stelle, an die sie es vor einem Jahr gesetzt. Das mitgebrachte
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Die Schätze im Krudum und der Tichtelhof
Die Schätze im Krudum
Unter den Schatzgräbern und Metallsuchern, die den Berg durchwühlten, scheinen die Venediger die glücklichsten gewesen zu sein. Sie wußten die verborgenen Lager der Metalle und Erze nach gewissen Kennzeichen auszusuchen, wie aus dem Buche des Josef Adagoni Pachamini aus Venedig hervorgeht:
" Wenn du nach Dreihäuser kommst, siehst du einen großen Berg liegen. Er heißt Krudum. In diesem Berg ist ein Silbergang, einen Arm stark. Am Berge findest du mehrere Gesähe (sumpfige Stellen), die halten alle gute Goldkörner. Von diesem Berge habe ich einmal zehn Pfund Gold weggetragen. In Lauterbach frage nach Miltau (ein Dörfchen, das zwischen der genannten Stadt und Kohling lag), da ist ein Hof neben dem Busch. Gehe dort den Weg gegen Mitternacht, da siehst du wieder den Krudum. Dieser Berg sollte der Silberberg heißen wegen des Silbers. Das Dörfchen gehört dem Grafen in Falkenau und ist (wegen des Erzes des Bodens) soviel wert, daß man jedes Haus mit Silber decken könnte."
Der Tichtelhof
Einstmals hatten es die Wegelagerer ausgeforscht, daß der Herr vom Tichtelhof, einem Rittersitze bei Schlaggenwald, sich zu einem Feste begeben hatte.
Sie drangen in den Hof, plünderten ihn, erschlugen die zu Hause gebliebene Tochter, des Ritters einziges Kind, und warfen den Leichnam in einen Schacht. Dann schritten die Räuber zur Teilung ihrer Beute, gerieten dabei in Streit und Rauferei, bei der nur einer übrig blieb. Der Besitzer des Tichtelhofes verzog sich und sein Anwesen verfiel. Der Leichnam der Ermordeten wurde später aufgefunden und bestattet, aber ihr Geist geht noch immer um. Da sie die letzte ihres Stammes war, muß sie als weiße Frau an der Stelle des Sitzes ihrer Ahnen umherwandeln bis zu ihrer Erlösungsstunde. Sie bringt niemand Schaden, führt aber jene irre, welche die in der Erde ruhenden Schätze heben wollen. Nur einem Weibe gelang es, am Karfreitag in den offen stehenden Berg zu gelangen und eine Menge Goldes herauszutragen. Da sie aber vergessen hatte, einen geweihten Gegenstand darauf zu legen, hatte sie am andern Morgen Hobelspäne statt des Goldes in ihrer Truhe.
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