Unwetter im Wandelhof. Unter diesen Schutzsuchenden befand sich auch ein Mönch aus dem Waldsassener Kloster. Als sich das Gewitter verzogen, machten sich die Wallfahrer wieder auf den Weg, nur der Mönch blieb noch eine Weile zurück, und es mußte zwischen Wandler und ihm eine arge Auseinandersetzung gegeben haben.
Warum und wegen was, hat niemand erfahren. Die Zeiten wurden für Nichtkatholiken immer schwerer, so auch für den Wandelhofbauern. Er
blieb wer er war, trotz aller Anfeindungen, denen er ausgesetzt war, nur verwandelte sich sein karges Wesen in Haß und Grimm. Er hatte keine Freude mehr, er wollte fort, weit fort von dieser Gegend, wo er als ein Geächteter leben mußte. Lieber freiwillig, wenn auch blutenden Herzens, seine Heimat, sein Anwesen verlassen, als später wie ein Lump davongejagt zu werden. Dieser Gedanke reifte in ihm. In seinem Inneren tobte und grollte es und er dachte, wenn ich mein Vaterhaus verlassen muß, soll auch keine Menschenseele mehr darinnen wohnen. Der Entschluß war gefaßt und wurde durchgeführt.
Eines Abends hieiß er seine Leute, die Wagen aus dem Schupfen holen. Alles was transportfähig war, wurde aufgeladen, die Tiere aus dem Stalle geholt und angespannt. Der Großknecht bekam den Befehl, in der Richtung Lauterbach wegzufahren. Wandler blieb als letzter, er weinte wie ein Kind, der Abschied von seinem Hofe war gar so schwer. Ein paar Minuten und es war getan. Blutige Röte bedeckte den nächtlichen Himmel, die Flammen verzehrten das einst so stattliche Anwesen. Wandler wanderte fort, weit fort und niemals hatten die Leute etwas von ihm erfahren.
Viele Jahre sind in dem Strom der Zeit versunken. Vom Wandelhof ist keine Spur mehr zu sehen, und nur wer die Geschichte um den Wandelhof kannte, wird sich bei einer Rede von den Wandelwiesen vielleicht unwillkürlich auch an den Wandelhof erinnert haben.
Auf der Scholle, wo einst eine deutsche Bauernfamilie ihr gutes Auskommen fand, wachsen heute junge Fichten und Heideblumen, und wenn im Juli die Johannesblumen blühen und wenn sie ihre gelben Blütenköpfe im Winde hin- und herwiegen, da erzählen sie sich wohl geheimnisvoll von vergangenen Zeiten und vom Wandelhofe, der da, wo sie jetzt erblühen, vor vielen, vielen Jahren gestanden hat.
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