Nallesgrün
Immer waren die Menschen selbstsüchtig und oft wenig gut. Aber das Abendläuten erklang, schwebte über dem Dorf, über den Feldern, über dem Wald. Es mahnte, die unbedeutenden Dinge abzulegen, Zeit und Gedanken der Ewigkeit zu widmen.
A. Solschenyzin
In der Zech, wo der Reinbach in den Flutbach mündet, öffnet sich ein Seitental nach Nallesgrün. Durch das hohe Bahnviadukt führt eine 1,5 km lange Straße bergan in das Dorf. Vor Jahren stand 400 m nach der Bahnbrücke eine alte Fichte mit einem Muttergottesbild, „d' B(ü)ldbaam". Die geschotterte Straße säumten weißgestrichene Granitsteine und Vogelbeerbäume. Zur rechten Seite schloß sich der lange Hang der Mühlleiten, zur linken Wiesen- und Waldstücke der hohen Gaisleiten an. In halber Höhe der Straße befand sich ein Steinbruch, und bald sah man am auslaufenden Ende der Talmulde die Häuser und Höfe des Dorfes. Die Felder der von Höfen über Nallesgrün bis vor Dreihäuser reichenden Hochfläche zogen sich in langen Streifen von den Anwesen bis zum Wald an die Bärleiten (Waldhufendorf).
Das Dorf dürfte im 13. oder 14. Jh. entstanden sein. Sein anfänglicher Name war wohl „Heidlesgrün" und bedeutet eine landwirtschaftliche Rodung (ein „Grün") auf einer kleinen Heide. 1432 taucht als Name „Neylesgrun", 1454 „Haydlosgrun" und 1525 „Nalesgrun" auf. 1495 wird der Ort bei einem Grundstücksverkauf in Elbogen erwähnt. Aus Urkunden geht hervor, daß die Bewohner den Besitzern dieser Stadt untertänig waren. „Nalesgrün" ist auch in den Grundbüchern zu finden, die in den Jahren 1624, 1714 und 1773 angelegt wurden.
Im Jahre 1785 werden Nalesgrün und Dreyhäusl in der „Topographie des Königreichs Böhmen" von Jaroslaus Schaller als Güter der Stadt Elbogen aufgeführt. Im Schlaggenwalder Museum befand sich ein „Beglaubter Freyer Weglaß- und Geburtsbrief", ausgestellt am 2. Oktober 1724. Darin wird dem bisher leibeigentlich verbundenen Martin Jakob seine „geburth am 10. November 1690, seine Tauf nach christlich katholischen gebrauch und seine Abstammung aus Ehlichen stand von seinen Eltern Michael Jakob, Johann Jakobs Sohn von Nalesgrün, und der Sabine Möschlin von Poschetzau", die am 8. Oktober 1684 heirateten, attestiert. Als Pate werden Michael Huther und als Zeugen Matthias Marterer, Thomas Lochschmitt, Catharina Lochschmittin und Catharina Stowasserin genannt.
Dem Wunsch nach „Entlassung aus der Unterthänigkeit wird mit guten Empfehlungen für sein Fortkommen stattgegeben und hiesiger Stadt (Elbogen) Großes Insigel angehängt".
Im Jahre 1801 wurde der Hof Nr. 5 „Beim Houter" (früher „Glückshof"), ein größerer Viereckshof, errichtet, der durch seine bauliche Gestaltung, verschiedenartige Außenzier und besonders reiche Giebelarchitektur auffiel. In gleicher Weise beeindruckten die Höfe mit den Hausnamen „Balzer, Schroll, Liesl, Kannerer" u.a.m. als gute Beispiele ländlicher Baukunst aus dem Ende des 18. Jhs. und aus der Zeit um 1800.
Nallesgrün war nach seiner heimatkundlichen Beschreibung von 1898 eine selbständige politische Gemeinde, gehörte zum Dekanal- und Postamt Elbogen und umfaßte 570 ha Acker, Wiesen und Wald. 1853 erbaute man das Schulhaus und erweiterte es 1873 um ein Stockwerk. Vorher bestand eine Wanderschule (Unterricht reihum in verschiedenen Häusern), die auch von den Kindern aus Höfen und Dreihäuser besucht wurde.
Seit 1893 gab es einen Arbeiterbildungsverein, im Jahre 1895 organisierte sich die Freiwillige Feuerwehr.
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