Leßnitz
Es ist ein sehr menschlicher Zug, daß jeder auf die Geschichte und die Vergangenheit seiner Familie, seines Heimatortes oder seiner Nation stolz ist.
Kardinal Josef Mindszenty
Von Schlaggenwald eine knappe halbe Wegstunde in östlicher Richtung, durch Fahrwege verbunden mit Rabensgrün, Stirn und Töppeles, liegt etwa 630 m hoch das Dorf Leßnitz (auch „Lessnitz" geschrieben). Vor vielen Jahrhunderten, als der Wald ringsum die Hochflächen bedeckte, gehörte es zur Petschauer Herrschaft, in deren Flurregister der Name auftaucht und soviel wie „Waldungen" oder „In den Wäldern" bedeutet. Fränkische Siedler, die von der Herrschaft Land erhielten und dafür an Stelle von Bargeldzahlungen Frondienste leisteten, dürften den Wald gerodet und die ersten Höfe errichtet haben. Aus ihnen entstand im wechselvollen Auf und Ab der einzelnen Familien und durch Erbteilungen nach und nach die Gemeinde.
Erste urkundliche Nachrichten stammen aus dem Jahre 1484. Eine Aufzeichnung über die Bevölkerung aus dem Jahre 1623 zählt in Leßnitz „9 Höfe und 2 Häuslein". Die Familie Gröschl soll eine der ältesten sein. Im Jahre 1620 wird der Name „Heß" in Gfell am Stefflhof zum ersten Mal erwähnt, von dem zahlreiche Nachkommen unter den Hausnamen „Höfl", Schäffer", „Nobm" und andere auch in Leßnitz mehr als zweihundert Jahre lang das Geschick des Dorfes mit beeinflußten. Frondienste an Petschau, Verpflichtung zu Zins und Scharwerk an die Pfarrei Schlaggenwald, Zahlungen von Gerichtsgeldern je zur Hälfte an Petschau und Schlaggenwald lagen als schwere Last auf vielen Generationen und formten die Menschen, die trotz aller Nöte, Mißernten, Viehseuchen, Pest und Kriege über Jahrhunderte hinweg ihre Höfe den Erben erhielten.
Im Jahre 1924 hatte Leßnitz 33 Hausnummern und 192 Einwohner; 1939 sank diese Zahl auf 143. Überwiegend lebten sie von der Landwirtschaft oder verdienten als Maurer, Zimmerleute oder Porzellanarbeiter ihr Geld. Die Gemeinde besaß 180 ha Grund (auch 204 ha werden genannt) und nur wenig Wald, dessen Fläche sich durch Neupflanzungen nach 1920 auf 8 ha vergrößerte. Heß Ferdinand, Gröschl Anton und Heß Josef bemühten sich als Gemeindevorsteher, die Lebensverhältnisse im Dorfe günstiger zu gestalten.
Der Bahnbau 1895/96 im Tepltal und 1900/01 von Schönwehr nach Elbogen verbesserte die Verkehrslage für Leßnitz, das am Windhof eine Haltestelle erhielt. Zwar sollte ursprünglich dort der Schlaggenwalder Bahnhof errichtet werden – für die Orte Gfell und Rabensgrün wäre es vorteilhafter gewesen –, ihre unterschiedlichen Interessen auch beim Straßenbau ließen sich jedoch nicht vereinbaren. Anschluß an die elektrische Stromversorgung mit einem Kostenaufwand von 39.200 Kč (tschech. Kronen) erhielt das Dorf 1924. Im Jahre 1933 entschlossen sich die fünf Landwirte Gröschl Anton, Heß Josef, Heß Karl, Kempf Heinrich, Rippl Ludwig und Stowasser Hermann aus Stirn, der Karlsbader Zentralmolkerei als Mitglied beizutreten. Neben der Kapelle errichteten sie ein Milchhäuschen, in dem Gisela Riedl, geb. Gröschl, morgens und abends die Milch annahm, die nach Kühlung und Aufbewahrung die Anlieferer am Morgen um 6 Uhr abwechselnd nach Töppeles zur Bahn brachten. Durch den freiwilligen Beitritt zur Molkereigenossenschaft, der später zur Pflicht wurde, kam die Selbstvermarktung von Milch und Butter mit Hilfe des Buckelkorbes und des Milchwagens zum Erliegen. Den Frauen erleichterte es den Arbeitstag, und die Einnahmen der Höfe stiegen.
Auf den Feldern baute man im mehrjährigen Wechsel Winterroggen, Sommergerste, Hafer, Kartoffeln–Rüben–Dorschen, düngte dabei mit Stallmist; danach folgten Winterroggen mit Klee-Einsaat, Rotklee und nochmals Rotklee. Die Gerste aus Leßnitz kauften in
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