Nach des Tages schwerer Arbeit fand die Dorfbevölkerung am Feierabend Muße und Erholung in den heimischen Stuben, pflegte bei Gesang und Musik unter Begleitung von Erwin Wohlrab der Geselligkeit oder bereitete sich in den Gasthöfen oder auf den Dorfplätzen mit Eifer auf manch großes festliches Ereignis vor: So veranstaltete die 1882 gegründete Freiwillige Feuerwehr zweimal den großen Gautag, an dem Feuerwehrvereine aus nah und fern (Neudek, Erzgebirge usw.) teilnahmen. Der Dilettanten-Theaterverein und der spätere Bund der Landjugend spielten Volksstücke, wie „Andreas Hofer", und wagten sich sogar an Operetten, wie „Die Winzer Liesl". Die Aufführungen fanden in Schusters Saal statt, wo auch Wanderbühnen gastierten, Marionettenspiele vorgeführt wurden und um die Jahrhundertwende ein Wanderkino die neue Filmära anzeigte.
Andere Feste und Feiern, wie z.B. der Fasching, standen in enger Beziehung zu uralten Sitten und Bräuchen und zum Kirchenjahr.
Die zum Schlaggenwalder Kirchsprengel zählenden, vorwiegend katholischen Einwohner – zwei Familien waren evangelische Christen – feierten die Sonntage und die Hochfeste wie die Stadtbevölkerung. Das Patronatsfest hielten sie mit der Neustadt am 26. Juli in der unteren, der Hospitalkirche St. Anna. Trauung, Taufe und Firmung fanden meist in der oberen, der St. Georgskirche, statt. Der Besuch der Christmette – auch bei Schneetreiben und mit der Laterne in der Hand – war alter Brauch und brachte die Weihnachtsfreude mit heim in die Stuben. Am Pfingstsamstag schlossen sich Gläubige den aus Donawitz kommenden Wallfahrern zur Mutter Gottes nach Maria Kulm an, und zu Fronleichnam freuten sich vor allem die Kinder auf die festliche Prozession in der nahen Bergstadt.
Zur letzten Ruhe geleiteten die Angehörigen ihre Verstorbenen zum Friedhof bei St. Georg. Am Dorfkreuz – gestiftet von Frau Katharina Fechter – hielt der Leichenzug zum Gebet an. Die Glocke vom Turme der Schmiede ertönte, und weiter ging der Zug – von Trauermusik begleitet – über die Gfeller Höhe hinaus. Manch treuem Gfeller wurde dieses feierliche letzte Geleite im Gefolge der beiden Weltkriege nicht zuteil. Bei den Trauerfeiern am 1924 errichteten Kriegerdenkmal gedachte man der im Ersten Weltkrieg Gefallenen:
Fechter Karl – Fischer Oskar – Hahn Wenzel – Hess Adolf – Hess Karl – Hochberger Emil – Jessl Gustav – Jessl Josef – Jessl Richard – Kraus Josef – Kräupner August – Lenk Wenzel – Markoff Wenzel – Raab Franz – Rippl Albert – Rippl Anton – Rippl Gustav – Schöberl Albert – Schöberl Josef – Schöberl Robert – Schöberl Wilhelm – Totzauer Josef – Wohlrab Josef,
später auch der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen:
Faßmann Heinrich – Gräf Gustav – Hackl Adolf – Herold Josef – Hopf Rudolf – Lenk Albert – Neumann Anton – Reitmaier Anton – Rohm Josef – Stadler Werner – Wohlrab Erwin,
der Vermißten:
Hopf Oskar – Jessl Josef – Lauterbach Kurt – Schusser Karl – Wienek Erwin.
Als Opfer des Zusammenbruchs 1945 und der Vertreibung waren zu beklagen: Siegert Adolf, der im eigenen Garten erschossen und verscharrt wurde; Frisch Ernst, der an den Folgen von Mißhandlungen starb; Schuster Josef, der in Theresienstadt getötet wurde; Simon Josef, der durch die Detonation einer Mine sein Leben lassen mußte, und Raab Anton, der Hand an sich legte, um nicht vertrieben zu werden.
Gfell, vorab das Bittner Häusl (Nr. 44), traf damit ein besonderes Maß an Opfern. Anna Schöberl verlor drei ihrer Söhne. Sie suchte und fand Trost in ihrem Leid beim Gekreuzigten gegenüber der Dorfschmiede.
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